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Stormarn Plattsnacker unter Artenschutz: Die Sprache soll überleben
Lokales Stormarn Plattsnacker unter Artenschutz: Die Sprache soll überleben
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22:00 29.08.2016
Sie schützen das Plattdeutsche vor dem Aussterben: Pastor i.R. Cord Denker (v.l.), Volker Holm, Peter Berndt und Helmuth Peets. Quelle: B. Albrod
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Jersbek

Plattdeutsch ist eine aussterbende Sprache und seit 1999 durch die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen geschützt. Seitdem setzt sich der Heimatbund Stormarn dafür ein, die alte Sprache Niederdeutsch, die vor allem auf den Dörfern noch gesprochen wird, lebendig zu halten. Dafür bietet der Verein mit Sitz in Jersbek einmal im Jahr „Plattdeutsche Tage“ in Stormarn an, die vom 23. September bis zum 7. Oktober zwölf unterschiedliche Veranstaltungen in elf Orten des Kreises bieten.

„Vor 16 Jahren hatte ich die Idee, der plattdeutschen Sprache in Stormarn eine breite Möglichkeit der Präsentation zu schaffen“, blickt der Vorsitzende Helmuth Peets zurück. Der ursprüngliche Appell von „Plattdüüütsch mutt leven!“ sei mittlerweile zu der Feststellung „Plattdüütsch leevt!“ geworden. Die Aktion zum sprachlichen Artenschutz hat sich ausgezahlt und sich vom Ursprungsort Bargteheide inzwischen auf den gesamten Kreis ausgeweitet. Dabei werden Bereiche wie Literatur und Musik ebenso abgedeckt wie Kunstgeschichte, Kirche oder Comedy, und das auf hohem Niveau. „Plattdeutsch ist nicht nur die Sprache der Döntjes", werden Sprachkundige nicht müde zu versichern.

Seit zwei Jahren ist Plattdeutsch auch die Sprache der Grundschüler in Reinbek und Zarpen, die an einem landesweiten Modellversuch mit insgesamt 29 Schulen in Schleswig-Holstein teilnehmen. „Hier soll Plattdeutsch von der ersten bis zur vierten Klasse zum Sprachunterricht gehören“, erläutert Volker Holm, ehemaliger Leiter des Zentrums für Niederdeutsch in Ratzeburg, der auch den niederdeutschen „Plattnet“ Nachrichtendienst im Internet anbietet (www.plattnet.de). Inzwischen wurden entsprechende Schulbücher entwickelt. Holm hält Plattdeutsch auch in anderen Bereichen für wichtig: „Beim Thema Pflege und Krankenhaus wird das Plattdeutsche immer wichtiger, wenn es um alte Menschen geht, die damit groß geworden sind.“

Überhaupt war das Niederdeutsche einmal weit verbreitet. „Zu Zeiten Luthers sind seine Worte als erstes ins Plattdeutsche übersetzt worden“, erklärt Pastor im Ruhestand Cord Denker, der in Zarpen einen plattdeutschen Gottesdienst anbieten wird. „Mit der „Lübecker Bibel“ von Johannes Bugenhagen lag auch die erste Bibelübersetzung überhaupt auf Niederdeutsch vor, noch vor der hochdeutschen Fassung. Die Sprache der Kirche war plattdeutsch, ehe sie später durch das Hochdeutsche abgelöst wurde.“ Jetzt sehen die Sprachschützer ihre Arbeit bedroht. „Das Institut für niederdeutsche Sprache in Bremen, das von Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen finanziell gefördert wird, muss ab 2018 mit einer Kürzung der Mittel rechnen“, so Holm. Da dort die Fachkompetenz, das Netzwerk und die Archive für das Thema Niederdeutsch seien und auch Forschungsprojekte von dort ausgingen, sei das ein herber Rückschlag für die Pflege des Niederdeutschen.

In Stormarn kann der Heimatbund gegensteuern: „Die ,Plattdeutschen Tage’ in Stormarn stellen die größte zusammenhängende Veranstaltungsreihe dieser Art in Schleswig-Holstein dar“, erklärt Peets. „Wir suchen immer nach Möglichkeiten, um die niederdeutsche Kultur auch in Zukunft lebendig zu halten.“ In diesem Jahr sei eine Mischung von bekannten Stars der niederdeutschen Szene mit regionalen Plattsprechern gelungen. „Plattdeutsch ist auch ein grundlegender Bestandteil der schleswig-holsteinischen Kultur.“

Plattdeutsche Tage

Das Programm auf einen Blick:

23. September, 19.30 Uhr, Stadthaus Bargteheide: Jan Graf singt und vertellt: „Hett jo noch mol goot gahn“, Eintritt zehn Euro.

24. September, 19.30 Uhr, Kulturladen Reinfeld: „Swing op de Deel“, Eintritt zwölf Euro.

25. September, 10 Uhr, Kirche Zarpen: Plattdüütsch in de Kark.

26. September, 19.30 Uhr, Gemeindezentrum Elmenhorst: Peter Paulsen mit „Platt is en Vergnöögen“, Eintritt acht Euro.

27. September, 19.30 Uhr, Bürgerhaus Barsbüttel: „De Tallymann vertellt“ mit Heinz Tiekötter, Eintritt acht Euro.

28. September, 19.30 Uhr, Mehrzweckhaus Todendorf: „De Alldag kann mi mol“ mit Ilka Brüggemann, Eintritt zehn Euro.

29. September, Stadthaus Bargteheide: Kunsthistorischer Vortrag zu Ernst Kirchner, Eintritt acht Euro.

30. September, 19.30 Uhr, Bürgerhaus Timmerhorn: Gerd Spiekermann vertellt, Eintritt zehn Euro.

1. Oktober, Kupfermühle Glinde, „Plattdüütsch in Glinn“, Eintritt fünf Euro.

4. Oktober, Gemeindezentrum Hammoor: „Vun Vadder un mi – en Buer vertellt“ mit Matthias Stührwohldt, Eintritt zehn Euro.

6. Oktober, Bürgerhaus Bad Oldesloe, Volker Ipsen vertellt, Eintritt acht Euro.

7. Oktober, 19.30, Trittauer Wassermühle: Anni Heger mit „Dat harr blond so eenfach ween kunnt“, Eintritt zehn Euro.

• www.heimatbund-stormarn.de

 Bettina Albrod

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