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Stormarn Poggenseer lieben knatternde Oldies
Lokales Stormarn Poggenseer lieben knatternde Oldies
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18:13 06.08.2016
Monja Kossack wird von „ihren“ Männern auf Händen getragen: Die 41-Jährige ist Vorsitzende des Trecker-Clubs. Von den 64 Mitgliedern sind 18 Frauen. Quelle: Fotos: Verena Bosslet

„Bobbobobbobbobbob“: Ein dumpfes, gleichmäßige Knattern dringt über die Felder. Monja Kossack horcht auf. „Ah, die Männer haben sich mit ihren Treckern versammelt. Da hören Sie einen Lanz Bulldog“, sagt die 41-Jährige lachend. Sie ist die einzige Frau im Vorstand des Poggenseer Treckerclubs und der Sound der betagten Maschine ist Musik in ihren Ohren. „Die Trecker sind toll. Sie vermitteln ein unglaubliches Gefühl von Freiheit, wenn man mit ihnen unterwegs ist“, schwärmt sie.

Der Treckerclub ist an der Schleppergasse (Poggensee 9) beheimatet – Die Mitglieder treffen sich jeden Freitag.

Die Liebe zu den knatternden Oldies begann mit der Liebe zu Ehegatte Marco (35). Die Köchin aus Neritz und der Poggenseer Landmaschinenmechaniker heirateten im Juli 2011. Da schraubte Marco schon lange an alten Fahrzeugen herum, war Vorsitzender des Treckerclubs, der im Jahr 2000 als „Interessengemeinschaft historische Fahrzeuge Poggensee“ gegründet wurde. Standesgemäß wurden die Frischvermählten auf dem Oldesloer Markt abgeholt mit dem Lanz Bulldog, Baujahr 1949, von Poggensees Landwirt Gerhard Feddern. Platz nahm das Paar auf dem geschmückten Milchwagen. „Den hatten wir selbst restauriert“, erzählt Monja Kossack. „Darum wollten wir gerne damit abgeholt werden.“ Und wie es sich für einen Oldtimer-begeisterten Ehemann gehört: Monja bekam einen Trecker zur Hochzeit geschenkt.

„Meine Knutschkugel“ sagt sie liebevoll zu ihrem Holder B 12, Baujahr 1961. Grasgrün ist er, maximal 20 Stundenkilometer schnell. Damit fährt sie alle zwei Jahre zum Treckertreff nach Schadehorn, tuckert nach Linau im Kreis Herzogtum Lauenburg zum Western- und Oldtimertreffen, bricht jedes Jahr zur 1.-Mai-Ausfahrt auf, mal als Gastgeber, mal als Gast. Stets im Poggenseer Tross auf den Straßen: Fahrzeuge der Marken Unimog, Hanomag, McCormick, Lanz Bulldog, Renault, Fendt oder Hela.

Viele von ihnen stehen an diesem Abend im warmen Sommer-Sonnenlicht auf einer Wiese nahe der Schleppergasse in Poggensee 9. Dort ist der Treckerclub beheimatet, treffen sich die Mitglieder jeden Freitag um 17 Uhr. Manfred Bornholdts Bulldog blubbert vor sich hin. Stolz betont der Poggenseer, dass sein robuster Oldie, Baujahr 1951, aus erster Hand stammt. André Stibbe ist mit seinem McCormick da. „Ich habe sechs Oldtimer, vier fahrbereit“, sagt der 47-Jährige. „Zwei sind in Restauration.“ Horst Spiesky (65), Wolfgang Wriedt (57) und Manfred Biedermann (65), allesamt im Vorstand, sind mit von der Partie. 64 Mitglieder zählt der Club, 42 Männer, 18 Frauen und vier Jugendliche. Mit Monja Kossack hat erstmals eine Frau den Vorsitz inne. „Ich kann gut organisieren, das ist meine Aufgabe im Vorstand“, sagt sie. Regelmäßig stehen Sommer- und Oktoberfeste auf dem Plan, zu denen nicht nur die Poggenseer kommen. Beim Bayrischen Abend im Herbst sind stets die Treckerfreunde aus Schadehorn zu Gast. „Geselligkeit und Spaß miteinander und an der Technik sind es, was uns auszeichnet und zusammenhält“, sagt Spiesky.

Wenn sie über ihre Fahrzeuge philosophieren, über die fehlende Servolenkung, die überall sichtbare Mechanik, das Fahren ohne Hilfsmittel, dann leuchten ihre Augen. Mit „Einfachheit“ und „Unabhängigkeit“ beschreiben sie das Gefühl oben auf dem Bock, meist im Freien und im Lärm der Motoren sitzend. „Ohrenschutz?“, sagt Monja Kossack stirnrunzelnd. „Gibt’s bei mir nicht. Entweder Oldtimer fahren mit Leib und Seele oder gar nicht.“

• Internet: www.poggensee-treckerclub.de Nächste Folge: Höltenklinken

Verena Bosslet

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