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Stormarn Polizei rettet Frau vor Vergewaltigung
Lokales Stormarn Polizei rettet Frau vor Vergewaltigung
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14:52 21.01.2016
Der Verdächtige bei der Verhaftung. Quelle: Peter Wüst
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Bad Oldesloe

Die Debatte um sexuelle Übergriffe durch ausländische Männer bekommt durch einen Zwischenfall in Bad Oldesloe neue Nahrung: Wie die Polizei gestern berichtete, soll ein 17-jähriger Flüchtling aus Eritrea am Dienstagabend versucht haben, in einem Parkhaus eine 18 Jahre alte Frau zu vergewaltigen. Polizeibeamte konnten den Täter jedoch stoppen.

Innenminister Stefan Studt (SPD) verurteilte die „widerwärtige Tat“, warnt aber vor einem Generalverdacht gegen Flüchtlinge.

Nach bisherigen Erkenntnissen kannten sich Täter und Opfer offenbar. Vor der Tat sollen beide mit zwei anderen jungen Leuten unterwegs gewesen sein, sagte der Lübecker Oberstaatsanwalt Ralf Peter Anders den LN. Dabei sei auch Alkohol getrunken worden. Als es gegen 22.45 Uhr zu dem Übergriff kam, seien der 17-Jährige und sein mutmaßliches Opfer jedoch allein gewesen. Eine Fußstreife der Polizei habe aus dem Parkhaus an der Königstraße ein Wimmern gehört und sei dem nachgegangen, sagte Polizeisprecherin Sonja Kurz. „Der 17-Jährige hielt die Frau fest umklammert und versuchte, sie zu vergewaltigen“, so Kurz. Die Beamten hätten den jungen Mann praktisch von der Frau herunterreißen müssen, sagte Anders. Ihr Gesicht und Hals habe Bissverletzungen aufgewiesen.

Sonja Kurz zufolge sei der mutmaßliche Täter aggressiv gewesen und habe bei seiner Festnahme erheblichen Widerstand geleistet und um sich geschlagen. Dabei wurde auch ein Beamter bei einem Schlag gegen den Kopf leicht verletzt und musste im Krankenhaus behandelt werden. Auch die junge Frau befindet sich in ärztlicher Behandlung. Über ihren Gesundheitszustand wurde bis gestern Abend nichts weiter bekannt.

Gegen den 17-Jährigen, der sich bereits seit fast drei Jahren als Flüchtling in Deutschland aufhalten soll, beantragte die Lübecker Staatsanwaltschaft gestern Haftbefehl wegen Fluchtgefahr, der noch am Abend vom zuständigen Amtsgericht in Ahrensburg erlassen wurde.

Innenminister Studt nannte die Tat gegenüber den LN „abscheulich und abstoßend“. „Es ist dem aufmerksamen Einsatz und dem schnellen Handeln der Polizei vor Ort zu verdanken, dass das Opfer vor möglicherweise noch Schlimmerem bewahrt werden konnte“, sagte Studt. Die Gedanken der Landesregierung seien bei der jungen Frau, die inmitten der Öffentlichkeit einer so schweren Straftat ausgesetzt gewesen sei. Die Tatsache, dass die Tat offenkundig von einem Zuwanderer aus Eritrea begangen worden sei, dürfe aber nicht zu einem Generalverdacht gegen Flüchtlinge gleich welcher Herkunft führen, mahnte der Minister.

Gerald Wunderlich, Regionalleiter des Jugendamtes des Kreises Stormarn für die Region Süd, ist der mutmaßliche Täter bekannt. Vor knapp drei Jahren sei er zusammen mit fünf anderen in einem Bus auf der Autobahn aufgegriffen worden. „Es hat in der Vergangenheit aber keine besonderen Vorkommnisse gegeben.“ Der 17-Jährige spreche gut Deutsch und sei mit den Bedingungen in Deutschland vertraut. „Er weiß, dass man Frauen nicht sexuell belästigt — da kann es keinen Irrtum geben“, so Wunderlich. Die Tat sei daher „möglicherweise komplexer, als sie sich jetzt darstellt“.

Die Kieler Kriminologin Professorin Monika Frommel warnt davor, dass die Diskussion um sexuelle Übergriffe jetzt in eine falsche Richtung geht. Eine „kulturelle Prägung“, die Vergewaltigungen wahrscheinlicher mache, existiere nicht, betont die Wissenschaftlerin. Sehr wohl bestehe aber die Gefahr, dass junge Männer wegen fehlender Perspektiven, fehlenden Geldes, fehlender Anerkennung und fehlenden Zugangs zu Sex in eine kriminelle Subkultur abglitten. „Das würde jungen Männern aus Deutschland aber nicht anders gehen“, erklärt Frommel. Bei den Flüchtlingen gelte es jetzt, dieser Entwicklung entgegenzuwirken und ihnen Perspektiven in Deutschland zu eröffnen. Das beuge Kriminalität vor.

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