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Stormarn Oldesloer betroffen vom Tod des jungen Obdachlosen
Lokales Stormarn Oldesloer betroffen vom Tod des jungen Obdachlosen
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18:39 09.10.2018
Viele Menschen legten am Tag nach den tödlichen Schüssen am Tatort in der Schützenstraße Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Quelle: Jens Burmester
Bad Oldesloe

Auch am Tag nach den tödlichen Schüssen auf einen 21-jährigen Obdachlosen Bad Oldesloer durch einen Polizeibeamten herrscht in der Kreisstadt tiefe Betroffenheit und teilweise sogar Unverständnis über den Einsatz. Viele Menschen können nicht verstehen, warum der Polizeibeamte den jungen Mann, der demnächst Geburtstag gehabt hätte, erschießen musste und ihn nicht anderweitig hätte beruhigen und gegebenenfalls festnehmen können.

Die Anteilnahme der Anwohner

„Es waren doch mehrere Beamte vor Ort. Da muss es doch möglich sein, den Mann mit Pfefferspray oder mit dem Schlagstock außer Gefecht zu setzen“, sagt Hanna Möller, als sie spontan einen Strauß Blumen am Ort des Geschehens in der Schützenstraße vor dem Haus Nummer 12 ablegt. „Ich möchte damit einfach nur meine Anteilnahme ausdrücken und ein Zeichen setzen. Ich bin auch ganz froh darüber, dass das andere Menschen vor mir auch schon getan haben“, sagt die Hebamme aus dem Geburtshaus.

Man müsse sich einmal vorstellen, was der junge Mann mit gerade einmal 21 Jahren erleiden musste und was er schon alles durchgemacht habe. „Erst am Sonnabend habe ich den jungen Mann noch gesehen. Und am nächsten Morgen höre ich, dass genau der junge Mann tot ist. Unglaublich“, sagt die Frau.

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Sie ist aber nicht der einzige Mensch, der an diesem Montagvormittag in die Schützenstraße kommt, um Anteilnahme zu bekunden. Auch Beate Ernst ist mit zwei Bekannten gekommen. Sie legen einen Strauß roter Rosen genau dort nieder, wo am Tag zuvor noch der Leichnam des jungen Bad Oldesloers gelegen hatte und sie zünden gleich mehrere Kerzen an. „Meine Kinder hatten dem jungen Mann sogar hin und wieder ihr Taschengeld gegeben, damit er sich auch einmal etwas kaufen konnte“, sagte die Frau mit den langen schwarzen Haaren. Ihre Kinder hätten sich mit ihm unterhalten und hätten nie davon berichtet, dass der Mann in irgendeiner Form bösartig gewesen wäre.

Der Obdachlose galt als friedlich

Ilona Schwarz war mit einer Bekannten gekommen. Beide zündeten jeweils eine Grabkerze an und stellten sie vor die Mauer des Hauses, wo der Mann erschossen wurde. Ich kannte den jungen Mann nur flüchtig, habe ich oft in der Innenstadt gesehen. Der sah immer so hungrig aus und ich habe ihm öfter mal was zu essen gekauft. Darüber hat er sich immer sehr gefreut.“ Als aggressiv habe sie den Mann nie empfunden. Wo er gewohnt oder zuletzt gelebt habe, wusste Ilona Schwarz nicht.

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Staatsanwaltschaft spricht von Notwehr

Während die Menschen in Bad Oldesloe ihre Betroffenheit zeigten, äußerte sich die Staatsanwaltschaft aus Lübeck noch einmal zum Sachverhalt vom Tag zuvor. Der Polizeiobermeister des Reviers Bad Oldesloe soll demnach in Notwehr gehandelt haben, nachdem er bereits vor dem Ort des Geschehens bei der Verfolgung des Obdachlosen einen Warnschuss abgegeben haben soll. Der junge Mann kam nach Angaben von Staatsanwalt Christian Braunwarth der mehrfachen Aufforderung durch den Beamten, das 18 Zentimeter lange Messer wegzulegen, nicht nach. Auch durch den Einsatz von Pfefferspray sei er nicht ruhiger geworden. Schließlich sei er mit auf den Oberkörper des Beamten gerichteten Stichbewegungen bedrohlich auf ihn zugegangen. Dann habe der Beamte von seiner Schusswaffe Gebrauch gemacht. Zwei Kugeln trafen den Mann in den Oberkörper.

Polizei wertete Handyvideos aus

Unmittelbar nach den Schüssen hatte ein Anwohner mit seinem Handy Videoaufnahmen gemacht, die sogar im Laufe der ersten Ermittlungen von der Polizei gesichtet wurden. Sichergestellt wurden die Aufnahmen nicht, da sie die eigentliche Schussabgabe nicht dokumentieren. Sehr wohl ist aber der junge Mann zu sehen, als er schon regungslos an der Mauer lag und offenbar tot war. Ein weiterer Polizeibeamter habe in einigen Metern Abstand dazu gestanden. Erste Hilfe oder Reanimationsmaßnahmen sind hier nicht zu erkennen.

Die Frage, warum der Beamte dem jungen Mann aus dieser relativ kurzen Entfernung nicht in die Beine schoss, sondern in den Oberkörper, wie die Staatsanwaltschaft am Montag bestätigte, blieb bislang unbeantwortet. Als die Beamten von der Leitstelle in Lübeck zu dem Einsatz geschickt worden waren, bestand aufgrund der Personenbeschreibung schon die Vermutung, dass es sich bei der Person eben um diesen amtsbekannten und laut Staatsanwaltschaft auch psychisch kranken 21-Jährigen handeln könnte. Passanten hatten am Sonntagmittag einen mit einem Messer bewaffneten Mann in der Nähe der Oldesloer Schwimmhalle gemeldet.

Der Einsatz in der Schützenstraße endete erst am Sonntagabend gegen 19.40 Uhr. Da war die Tatortarbeit der Kommissariats 6 beendet und die Polizei hatte die Absperrmaßnahmen wieder abgebaut. Auch der Sichtschutzzaunm der Autobahnmeisterei Bad Oldesloe war zu diesem Zeritpunkt wieder abgebaut worden. Die Freiwillige Feuerwehr Bad Oldesloe hatte mit ihrem 301. Einsatz in diesem Jahr noch den Gehweg an der Schützenstraße von den Spuren gereinigt.

Der Beamte wird psychologisch betreut

Gegen den Beamten, der geschossen hat, ermittelt die Staatsanwaltschaft zunächst wegen eines Tötungsdeliktes. Der Mann wird psychologisch betreut und ist derzeit nicht dienstfähig. Der Leichnam des erschossenen Obdachlosen wurde in die Rechtsmedizin nach Lübeck gebracht. Die Staatsanwaltschaft hat eine Obduktion beantragt.

Jens Burmester

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