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Polizeidirektor auf dem Sprung

Bad Oldesloe Polizeidirektor auf dem Sprung

Bürgermeisterwahl in Bad Oldesloe am 5. Juni – Zu Besuch bei CDU-Kandidat Jörg Feldmann.

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Kunstvoll konstruierte Krimis wie die von Frank Schätzing gefallen Jörg Feldmann ganz besonders. Die mitunter sehr dicken Wälzer beginnt er aber erst, wenn klar ist, dass er genug Zeit hat, sie in einem Rutsch durchzulesen.

Quelle: Fotos: von Dahlen

Bad Oldesloe. My home is my castle, schwärmen die Briten. Dieses Bonmot vom heimischen Schloss würde Jörg Feldmann derzeit nicht ohne weiteres im Munde führen.

LN-Bild

Bürgermeisterwahl in Bad Oldesloe am 5. Juni – Zu Besuch bei CDU-Kandidat Jörg Feldmann.

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Klein, kompakt, auf engem Raum – diese Eigenschaften träfen wohl eher auf seine möblierte Wohnung im Süden Ahrensburgs zu. Und bei den Inselbewohnern fände allenfalls der gut gepflegte Garten Anerkennung, in dem der 58-Jährige gern zur Entspannung sitzt.

Doch für Feldmann ist das bescheidene Quartier nur eine Übergangsstation, gewissermaßen ein Trittstein am Scheideweg. Der Polizeidirektor leitet die Forschungsabteilung polizeiliche Gefahrenabwehr beim Fraunhofer-Institut und pendelt seit zweieinhalb Jahren zwischen Stormarn und Berlin hin und her. Als er vor einigen Monaten vom CDU-Landesverband als Kandidat für das Amt des Bürgermeisters in Bad Oldesloe vorgeschlagen wurde, legte er die Pläne, sich wieder ein festes Zuhause zu schaffen, sofort auf Eis. Wenn er gewählt werde, ziehe er nach Bad Oldesloe, sagt der Kandidat.

„Ich habe hier vorerst auch alles, was ich brauche. Nur kochen kann ich nicht richtig“, sagt Feldmann mit Blick auf die beiden gusseisernen Herdplatten. Zu seinen Lieblingsgerichten gehören Gulasch mit Nudeln und alles, was sich in der Pfanne zubereiten lässt. Die Leidenschaft für Fleisch könne er nicht verleugnen, auch wenn dies oft zu Diskussionen mit seinem ältesten Sohn führe. „Ole ist Veganer. Ich akzeptiere das. Aber manchmal halte ich ihm auch Vorträge. Als Vater tut es mir weh, wenn ich sehe, dass er sich nicht gesund ernährt“, sagt Feldmann. Während sein Ältester ein Superabitur hingelegt habe und Umweltwissenschaften studiere, sei der jüngere etwas pragmatischer. „Malte geht bald zur Bundeswehrhochschule. Begeisterung hat das bei mir auch nicht ausgelöst. Man zieht doch keine Kinder groß, um zu erleben, dass sie sich später die Birne wegschießen lassen“, sagt Feldmann.

Er selbst stammt aus einer Handwerkerfamilie: Vater Heizungsingenieur, Großvater Hufschmied. Wenn es nach den Eltern gegangen wäre, hätte er den heimischen Betrieb übernehmen sollen. Mit seinem Wunsch, in den öffentlichen Dienst zu gehen, war Feldmann der Exot in der Familie. Aber als Erstgeborener kam ihm ohnehin die Rolle des Vorreiters zu. „Ich war immer derjenige, der die Rechte durchkämpfen musste. Das ging los mit dem Mofafahren über Discobesuche bis hin zur Urlaubsreise ohne Eltern“, erinnert sich Feldmann.

Wenn er sich heutzutage auf Tour begibt, lässt der Polizeibeamte seinen Wagen am liebsten stehen und radelt schon mal vom hohen Norden aus zum Bodensee. Istrien würde ihn auch interessieren, doch sucht er noch eine Route, auf der sich nicht ganz so viele Berge in den Weg stellen. „Die Apfelblüte in Südtirol ist aber auch wunderschön. Im vergangenen Jahr haben mein Sohn und ich dort Reinhold Messner getroffen. Für Ole war das ein Supererlebnis, weil Messner sich ebenso für Umweltschutz interessiert wie er“, erzählt Feldmann.

Ein Fernseher ist in seiner Wohnung nicht zu entdecken – zumindest nimmt er nicht einen so exponierten Platz ein wie bei anderen Leuten. „Ich gehe abends lieber mit Freunden weg oder nehme mir ein Buch“, erklärt der Polizeibeamte und überrascht fast mit der Aussage, dass er am liebsten Krimis liest. Einfallsreich komponiert müssten sie schon sein, letztlich dienten sie aber der reinen Entspannung.

Auf die Frage, ob sich derart ausgeklügelte Geschichten auch in seinem persönlichen Polizeialltag schon einmal ereignet hätten, erhebt sich Feldmann und kehrt mit einem Briefbeschwerer zurück. Unter dickem Glas glotzt dem Betrachter ein Piranha mit reich bezahntem Maul entgegen. Der Schriftzug darunter deutet an, dass dieses Bürozubehör aus Kolumbien stammt. Doch offenbar nicht nur das. Im Sockel solcher Briefbeschwerer schmuggelten südamerikanische Gangster jeweils 60 Gramm reines Kokain. Das Mobile Einsatzkommando (MEK), dem Feldmann damals angehörte, hatte einen Tipp bekommen und die Drogenbosse rund um die Uhr beschattet. „Das war gar nicht so einfach. Sie mussten sich ja völlig sicher fühlen“, erzählt er. So war der Überraschungseffekt gelungen, als sich zur Übergabe der heißen Ware nicht nur der Kunde, sondern auch reichlich Uniformierte ein Stelldichein gaben. Zwölf Kilogramm Kokain gingen der Polizei ins Netz, als sich die Handschellen um die Gelenke der Großdealer schlossen. Aus Freude über den gelungenen Coup spendierte der Staatsanwalt den beteiligten MEK-Leuten als kleine Souvenirs Briefbeschwerer aus der Asservatenkammer – allerdings ohne den betäubenden Inhalt.

„In Wacken werden Sie mich sicher nicht treffen“, grenzt sich Feldmann von harten Metalklängen ab. Auch Punk liege nicht auf seiner Wellenlänge. „Ich höre gern Grönemeyer, Peter Maffay oder Udo Jürgens. Entscheidend sind für mich gute Texte“, definiert der Bürgermeisterkandidat seinen Musikgeschmack. Auch für Musicalbesuche sei er zu haben. Das „Phantom der Oper“ in seiner Urbesetzung habe ihm am besten gefallen.

Von der Schutzpolizei ins Fraunhofer-Institut

1975 Ausbildung mittlerer Dienst der Schutzpolizei Hamburg.

1980 Wechsel zur Kriminalpolizei gewechselt.

1983 Erwerb der Fachhochschulreife und Studium an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Hamburg.

1986 Laufbahnprüfung für den gehobenen Dienst mit Auszeichnung zum Diplomverwaltungswirt. Führungsfunktionen, Kriminaldauerdienst, Zugführer in Spezialeinheit, als Führungsassistent des Leiters des LKA Hamburg, im Bereich organisierter Kriminalität und Lehrer für Rechtswissenschaften an der Landespolizeischule. 1992–1994 Ausbildung für höheren Dienst an Polizeiführungsakademie Münster.

1994–2001 Führungsfunktionen im höheren Dienst: Leiter Stabsstelle für Grundsatzangelegenheiten und Prävention, Controlling des Neuen Steuerungsmodells (NSM), Polizeiführer im Lagedienst, Leiter eines Polizeikommissariats im Hamburg, nebenamtlich Lehrbeauftragter im Fachhochschulbereich.

2001–2006 Wechsel in den Dienst der Bundespolizei als Dozent und Koordinator im Bereich Führungswissenschaften.

2007–2012 Präsident an der Polizeihochschule Hamburg. Seit 2013 Polizeidirektor am Fraunhofer-Institut Fokus.

Fast 10 Jahre Kreistagsabgeordneter im Kreis Stormarn, u.a. als stellvertretender Vorsitzender im Finanzausschuss sowie Vorsitzender des Hauptausschusses und des Polizeibeirats.

„Halbwahrheiten von Handy zu Handy“

Eigentlich ist es für ihn schon kalter Kaffee. Aber Jörg Feldmann ärgert sich, dass im Zuge seiner Bürgermeisterkandidatur jetzt alte Zeitungsbeiträge in Bad Oldesloe von Handy zu Handy gehen, in denen er in seiner Zeit als Leiter der Polizeihochschule in Hamburg aufs Korn genommen wurde. „Darin werden Halbwahrheiten verkündet, die so nicht stimmen, aber immer aufs Neue behauptet werden“, sagt Feldmann. Der Autor jener Artikel der „taz“ habe auch nie Kontakt zu ihm aufgenommen und nach seiner Sichtweise gefragt, so wie es die journalistische Sorgfaltspflicht erfordere. Behauptet werde, dass schon die Stellenbesetzung unrecht gewesen wäre, da er (Feldmann) nicht promoviert habe. „Dabei habe ich die Voraussetzungen nach Gesetz erfüllt“, sagt er. Auch die Vorwürfe, Mobbing zu betreiben oder „seine königliche Attitüden“ entbehrten jeder Grundlage. Es habe zwar ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht gegeben, bei der es um eine Personalie gegangen sei, aber nicht um seine persönliche, sondern um das Verhalten eines Mitarbeiters. „Das Fatale ist, dass sich diejenigen, die das behaupten, nicht dem offenen Gespräch stellen“, sagt Feldmann. dvd

Dorothea von Dahlen

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