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Stormarn Polizei äußert sich zu Todesschüssen
Lokales Stormarn Polizei äußert sich zu Todesschüssen
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10:13 10.10.2018
Polizeidirektor Jürgen Funk, Behördenleiter der Polizeidirektion Ratzeburg Quelle: Jens Burmester
Ratzeburg/Bad Oldesloe

Nach den Ereignissen von Bad Oldesloe am Sonntag, bei denen ein Polizeibeamter offenbar in Notwehr einen 21-jährigen Obdachlosen erschossen hatte, äußert sich nun erstmals die Polizei.

Der Behördenleiter der Polizeidirektion Ratzeburg, Polizeidirektor Jürgen Funk stellte sich den Fragen der Lübecker Nachrichten. „Es war eine absolute Ausnahmesituation für unseren Beamten und auch das dienstliche Umfeld. Polizeilicher Schusswaffengebrauch ist relativ selten und dass ein Mensch dabei ums Leben kommt, ist noch seltener“, erklärt Funk.

Polizei äußert sich nach Todesschüssen

Man könne die Kollegen in der Ausbildung auf solche Situationen vorbereiten, aber in der eigentlichen Situation und danach sei das relativ schwierig in der Nachbereitung, weil das keine Raster gebe. „Wir gehen sehr frühzeitig an die Kollegen ran. Das haben wir auch am Sonntag getan. Wir führen eine Betreuung durch. Wir haben dafür an allen Dienststellen Beamte als Betreuer nach belastenden Einsätzen, die auch entsprechend von unserem psychologischen Dienst geschult sind.“

Der Polizeibeamte wird kontinuierlich und individuell betreut

Über Gespräche mit diesen Beamten versuche man, eine kontinuierliche und individuelle Betreuung aufzubauen, die auch über Psychologen später fortgeführt werde, wenn das notwendig sei. Das aber sei natürlich immer davon abhängig, wie der Kollege darauf reagiere. So etwas einzuschätzen, sei sehr sehr schwer.

Auf der Wache in Bad Oldesloe werde natürlich über die Situation diskutiert. „Ich weiß, dass die Oldesloer Bevölkerung sehr umfangreich Anteil nimmt. Und nicht nur an dem Tod des jungen Mannes, sondern auch an der schwierigen Situation des Kollegen, der von seiner Schusswaffe Gebrauch machen musste.“ In der Direktion versuche man, diesen Beamten natürlich auch rechtlich zu stützen, also Rechtsschutz und anwaltliche Beratung zu geben. Immerhin liefen hier Ermittlungen in einem Strafverfahren. Hier gelte es, den Kollegen optimal zu betreuen.

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Behördenleiter Funk: Der Beamte hat seine polizeiliche Pflicht getan

„Der Polizeibeamte hat seine polizeiliche Pflicht getan“, sagt Polizeidirektor Funk und stellt sich hinter seinen Beamten vom Revier Bad Oldesloe. Dennoch sei eine besondere Situation, da er sich jetzt einem Strafverfahren gegenüber sehe. Ob der Beamte selbst bleibende Schäden davon trage, könne man heute überhaupt noch nicht sagen. „Ein posttraumatisches Belastungssyndrom kann oft nach Jahren erst auftreten. Die Umgebung des Beamten muss jetzt sehr sorgfältig darauf achten, ob es irgendwelche Auffälligkeiten gibt“, macht der Behördenleiter deutlich.

„Es ist sehr tragisch, dass ein Mensch bei dem Einsatz ums Leben gekommen ist. Der Einsatz zeigt aber auch, mit welchen unberechenbaren Gefahren und Gewalt der Polizeiberuf verbunden ist“, macht Marco Hecht-Hinz, Vorsitzender der GdP-Regionalgruppe Lauenburg-Stormarn deutlich. Nicht selten seien es gerade derartige Anlässe, die die Streifenpolizisten unversehens in eine dramatische Gefahrensituation brächten. „Letztlich ist es oft nur ein glücklicher Zufall, dass Kollegen nicht zu Schaden kommen“, so Hecht-Hinz weiter. Vielfältige Gefahren seien ständiger Wegbegleiter im Streifen- und Einsatzdienst. Einerseits würden an den Geschehnissen von Bad Oldesloe die Gefahren bis hin zur Lebensgefahr für Polizisten vergegenwärtigt, andererseits aber auch deren außergewöhnliche Einsatz-Anforderungen vor Augen geführt.

Hecht-Hinz stellt aber auch fest, dass die psychischen Folgewirkungen und -Belastungen für einen Polizisten nach einem Schusswaffengebrauch gegen Menschen allgemein unterschätzt würden. „Viele betroffene Kollegen leiden erheblich darunter, auf einen Menschen geschossen zu haben und haben Probleme, dies seelisch zu verarbeiten“, so der Polizeigewerkschafter. Nicht selten stehe am Ende sogar die dauerhafte Dienstunfähigkeit.

Der Beamte hat in Notwehr gehandelt

Torsten Gronau, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG): „Der Beamte in Bad Oldesloe ist in eine Einsatzsituation gekommen, von der jeder Beamte eigentlich hofft, dass er sein ganzes Berufsleben davon verschont bleibt. Nach allen mir vorliegenden Informationen hat es sich sehr eindeutig um einen Fall der Notwehr gehandelt.“ Die Kollegen in Bad Oldesloe hätten mehrere Zwangsmittel wie Warnschuss, oder Pfefferspray eingesetzt. Und wenn es dann trotzdem zu solch eine Situation komme, dass ein Beamter die Schusswaffe einsetzen müsse, um sein eigenes Leben schützen, dann sei das aus seiner Sicht nur folgerichtig.

Nicht nur der liebe junge Mann

Inzwischen melden sich auch immer mehr Menschen aus der Stormarner Kreisstadt in Gesprächen mit unserer Zeitung als auch über die sozialen Meiden zu Wort, die darauf hinweisen, dass der junge Obdachlose längst nicht nur der harmlose junge Mann gewesen sei, wie er von einigen Menschen am Tag nach dem Vorfall am Unglücksort beschrieben worden sei. Robin L. soll in der letzten Zeit immer öfter aggressiv gewesen sein und auch immer wieder ein Messer dabei gehabt und auch öffentlich getragen haben.

Jens Burmester

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