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Preise im Keller: Doch Grabaus Milchbauer trotzt der Krise

Grabau Preise im Keller: Doch Grabaus Milchbauer trotzt der Krise

Thorsten Radtke hält an seinen Landwirtschaftsbetrieb mit 140 Kühen fest.

Grabau. „Es wird auch mal wieder anders – da bin ich mir sicher“ – Thorsten Radtke verfällt trotz des einbrechenden Milchpreises nicht in Pessimismus. Im Gegenteil: Der Landwirt aus Grabau versucht, seinen eigenen Weg aus der Krise zu gehen, denn er möchte seinen Hof mit den 140 Milchkühen auch für seine Kinder erhalten.

„Einfach ist die Situation nicht. Und ich kann mir gut vorstellen, dass viele Kollegen ihre Milchwirtschaft aufgeben müssen“, sagt der 47-Jährige. Und davon ist auch der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Hans-Joachim Wendt, überzeugt: „Wenn der Erzeuger nur noch 20 Cent für einen Liter bekommt, dann rechnet sich das nicht. 38 bis 40 Cent müssten es schon sein.“

Auch Stormarns Bauern machen die große Konzentration im Handel für den dramatischen Preisverfall verantwortlich. „Wenn ein großer Discounter den Preis unbedingt drücken will, dann machen die anderen eben mit. Und so wird dann ein Liter Milch für zurzeit 45 Cent im Laden angeboten“, sagt Hans-Joachim Wendt.

Milchbauer Radtke spürt den enormen Kostendruck an fast jeder Stelle seines rund 170 Hektar großen Betriebes. Sparsamkeit ist deshalb für die Familie, die mit drei Generationen den Hof bewirtschaftet, das oberste Gebot: „Wir müssen Investitionen zurückstellen und reparieren unsere Anlagen in Eigenleistung. Auch private Ausgaben werden zurückgeschraubt.“ Glücklicherweise seien die großen Stallungen für das Vieh abbezahlt: „Es war absehbar, dass der Milchpreis fallen wird – aber dass es so dicke kommt, hat wohl niemand geahnt.“

Für Kollegen, die nicht so kostengünstig produzieren können, gibt es nach den Worten von Hans-Joachim Wendt nur einen Weg: „Sie müssen ihre Tiere verkaufen.“ Dies sei in vielen Fällen schon geschehen. Die Schwarzbunten aus Stormarn stehen teilweise in Ställen in Holland oder Belgien. Viele hätten auch in Schlachthöfe gebracht werden müssen. Teilweise werde auch nur die Milchwirtschaft aufgegeben, um mit dem Ackerbau über die Runden zu kommen.

Torsten Radtke hat seinen Betrieb auf mehrere Säulen gestellt. Rund 50 Hektar sind unter dem Pflug, um Weizen, Raps und Gerste anzubauen. „Wenn es bei der Milch nicht lief, dann hat die Ernte das gradestoßen können. Das ist jetzt schwierig, weil auch die Preise für Getreide niedrig sind.“ Auf weiteren 50 Hektar wird der Mais angebaut, der später als wichtige Nahrung für die Kühe genutzt wird.

Insgesamt 60 Hektar dienen als Grünland und damit als Weideflächen.

Auch Torsten Radtke hat schon Entscheidungen treffen müssen, Tiere an den Schlachthof abzugeben. Angesichts der niedrigen Erzeugerpreise müssten seine 140 Tiere mit Höchstleistung die Milch produzieren – beim zwei Mal täglichen Melken zusammen rund 30 Liter pro Tier. Eine Kuh müsse rund 9500 Liter Milch im Laufe eines Jahres geben. Doch bis sie das könne, müsse in ihre Aufzucht bis zu 1800 Euro investiert werden – erst im Alter zwischen 24 und 27 Monaten sei aus dem Kälbchen eine Milchkuh geworden.

Im Durchschnitt kommen täglich 3500 Liter auf dem Hof in Grabau zusammen, die regelmäßig von einem Molkereifahrzeug abgeholt werden. Das mag viel klingen – doch im Konzert eines global operierenden Geschäftes sind die deutschen Milchbauern nur ganz kleine Lichter. „Deutschland produziert weltweit gerade mal vier Prozent. Da haben wir kaum Einfluss auf die Preisgestaltung“, sagt Verbandsvorsitzender Hans- Joachim Wendt.

„Wir werden nicht aufgeben. Auch wenn wir nur noch der einzige Milcherzeuger im Dorf sind“, sagt Thorsten Radtke. Vom Ackerbau könne der Hof nicht überleben, und das bisher genutzte Weideland könne auch nicht umgepflügt werden. Der 47-Jährige bleibt dennoch Optimist: „Aber viel schlimmer darf es mit dem Preisverfall bei der Milch nicht mehr kommen.“

Michael Thormählen

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