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Stormarn Premierenpublikum feierte den alten „Faust“ in neuem Gewand
Lokales Stormarn Premierenpublikum feierte den alten „Faust“ in neuem Gewand
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21:46 14.01.2018
Goethes „Faust“ als Opernproduktion. Wer gerade den Faust mimte, hier Sarkis Mzikyan (Tenor), trug den langen Wollbart. Quelle: Fotos: Susanna Fofana
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Bad Oldesloe

Die Studenten strahlten nach dem Singspiel genauso wie Regisseur Weber und der musikalische Leiter Robert Roche, während sie sich immer noch einmal mit ihren roten Rosen in den nicht enden wollenden Applaus der Premierengäste verneigten. Kaum zu glauben, dass die Kreisstadt sich mit dem Opernprojekt diese tolle Partnerschaft mit der Lübecker Musikhochschule aufs Land holen konnte. Es war fast so ein Gefühl wie vor vielen Jahren, als Peter Zadek einmal eine Shakespeare-Premiere quasi als Vorpremiere vor Hamburg in Bad Oldesloe zeigte.

Stürmischer Applaus im Oldesloer KuB-Saal nach der „Faust“-Premiere. Das musikalische Traumspiel von Regisseur Jürgen E. Weber wurde begeistert gefeiert. Studenten der Musikhochschule Lübeck führen es heute (17 Uhr) zuletzt in Oldesloe und am 27. und 28. Januar in Lübeck auf.

„Es ist wundervoll. Ich bin total glücklich, diese Opernprojekte im Haus zu haben“, freute sich Oldesloes KuB-Chefin Inken Kautter. Sie seien „experimentell, mutig, qualitativ extrem gut und musikalisch spannend.“ Zum dritten Mal ist Robert Roche als musikalischer Leiter dabei. „Man strebt immer Perfektion an“, betonte er. Die Musikstudenten sollten lernen, zuzuhören. „Das ist gelungen“, so Roche. „Es hat mir sehr gut gefallen“ war Tamara Hartmann zufrieden. Kostüme und Kulisse seien wirkungsvoll eingesetzt worden. Die Oldesloerin: „Der Rollenwechsel zwischen den Personen war faszinierend.“

„Beeindruckend, musikalisch grandios. Neben der Musik professionell und gut. Vor allem toll, was für Bilder mit Licht und Maske erzeugt wurden. Eine großartige Inszenierung“, lobte Heiko Vosgerau.

„Ich bin begeistert“, sagte auch Haide Gründel-Onnen. Vor allem fand sie es toll, solche besonderen Kulturevents in ihrer Heimatstadt erleben zu können.

Auch Ulla Tipke gefiel der Tausch der Rollen, in dem es unwichtig wurde, ob ein Mann oder eine Frau nun gerade Faust, Mephisto oder Gretchen spielte. „Tolle Musik, schön mit Saxophon. Neue Akzente“, lautete ihr Kommentar.

„FAU“ und eine Zeile darunter „ST“ stand handschriftlich auf der dunklen Bühnentür, die zu Beginn in der Bühnenmitte unter dem braunen Pappsegel stand, auf dem man „Faust“, „Mephisto“ und „Gretchen“

las. Dann ging das Licht aus und der erste Applaus begrüßte zunächst die Musiker des Kammerorchesters.

Schnell wurde klar: Faust ist immer der Darsteller, der gerade den langen Wollbart trägt, zu Mephisto wwurde der- oder diejenige mit der roten Perücke, während das jeweilige Gretchen mit einem hippieartigem Kopfschmuck daherkam. Mal ging es um Liebe, mal um Leid. Und zu lachen gab es zwischendurch auch immer mal wieder etwas. Es wurde gekuschelt und getanzt. Strahler in vielen Farben tauchten die Bühne in ein ständig wechselndes Licht. Bevor es dann auch noch Bühnennebel gab und Gretchen und Faust sich weiße Engelflügel auf den Rücken banden.

Während die Premierengäste noch bei Getränk und Schnittchen mit den Künstlern plauschten, saß der Regisseur bereits mit der Prüfungskommission der Lübecker Musikhochschule zusammen. Denn für einige Studenten floss deren Bewertung in die Bachelor-Note ein. Für Regisseur Weber wurde die Oldesloer Premierennacht noch länger. Er flog weiter nach China und in die USA um Filmpreise entgegenzunehmen.

Für Bad Oldesloe heißt es ab morgen: nach der Oper ist vor der Oper. Im Juni kommt die nächste Eigenproduktion auf die Oldesloer KuB-Bühne.

 Von Susanna Fofana

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