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Profis geben pflegenden Angehörigen wertvolle Hilfe

Bad Oldesloe Profis geben pflegenden Angehörigen wertvolle Hilfe

Stormarns Pflegestützpunkt und das Pflegenottelefon laden zu Infoveranstaltungen ein.

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Laden die Öffentlichkeit zur Veranstaltungsreihe des Pflegenottelefons und des Pflegestützpunktes Stormarn ein: Anke Buhl (r.) und Carina Wrage.

Quelle: K. Kuhlmann-Schultz

Bad Oldesloe. Wer Angehörige pflegt, kann schnell an den Rand der Belastungsgrenze kommen: Der zeitliche Aufwand, die Kraft und die Nerven zerren an den Angehörigen, die Pflege kann zur körperlichen und seelischen Belastung werden. Gleiches gilt auch für Pflegeprofis, für ehrenamtliche Helfer, Sozialarbeiter oder auch Ärzte und Betreuer. Im Ausnahmefall, bei starker Aggression, bei Gewaltanwendung, ist es gut, wenn Betroffene sich Hilfe holen können. Die gibt es beim Pflegestützpunkt des Kreises Stormarn oder beim Pflegenottelefon des Landes Schleswig-Holstein.

Unter dem Motto „Bewusstsein wecken — Sensibilisieren — Informieren“ laden die beiden Organisationen jetzt zu einer Veranstaltungsreihe ein.

Themen, die auch immer wieder in den Beratungsgesprächen auftauchen , werden in der Reihe intensiver behandelt. „Wir bieten Unterstützung für Menschen an, die sich in einer Pflegenotsituation befinden“, erklärt Anke Buhl, Projektkoordinatorin des Pflegenottelefon, das seit fast 20 Jahren vom Land Schleswig-Holstein finanziell unterstützt und von der Arbeiterwohlfahrt angeboten wird. „Es kommt immer wieder zu Krisen, da ist es gut, wenn man sich an eine neutrale Stelle wenden kann.“ Denn niemand wolle Gewalt ausüben und doch komme es dazu.

Ein Beispiel: Die Enkeltochter soll ihrer Großmutter die Vorlagen wechseln, was sie nicht will. Sie ekelt sich und berichtet später am Telefon: „Ich habe meine Oma so doll angefasst, dass sie jetzt blaue Flecke hat, wir haben dann beide geweint.“ Anschreien, grob anfassen, anbinden oder psychische Gewalt wie „meine Tochter hat gesagt, wenn ich sie nachts wieder rufe, dann komme ich ins Heim“

zeugen von der Not, in der sich die Angehörigen befinden.

„Sorge und Wut ist menschlich, man darf so empfinden“, erklärt Carina Wrage vom Pflegestützpunkt des Kreises. Besonders bei Frauen gebe es eine hohe Bereitschaft, sich der Pflegesituation zu stellen, egal ob sie beruflich und familiär sowieso stark eingespannt sind. „Aber die Grenze wird nicht wahrgenommen, viele achten nicht mehr auf sich selbst.“ So könne es zu kritischen Übergriffen kommen.

Eine wirkliche Absicht, Gewalt auszuüben, stünde nicht dahinter.

Mit gezielten Angeboten, die bereits während eines Beratungsgespräches gemacht werden können, sollen die Betroffenen möglichst frühzeitig aus einer eskalierenden Gewaltspirale herausgeholt werden.

„Uns geht es nicht darum, zu fragen, warum machen Sie das, sondern zu fragen, was können wir für Sie tun“, erklärt Anke Buhl. Die Menschen sollen gestärkt werden.

In den sechs Veranstaltungen, zu denen jeweils Fachreferenten eingeladen sind, wird näher auf Themen eingegangen, die in der Pflege und bei den Angehörigen wichtig sind. Es geht beispielsweise um die Rolle der Pflegenden, darum, wie Medikamente im Alter wirken, es geht um freiheitsentziehende Maßnahmen sowie die Erkenntnis, dass alte Menschen anders essen, eine andere Wahrnehmung von Hunger und Durst haben. Das Stichwort ist hier, so Buhl, „fürsorgliche Autorität. Wenn die Mutter genötigt wird zu trinken, wenn Angehörige dafür extra eine Schnabeltasse besorgen. Diese Not muss man ernst nehmen.“

Das Pflegenottelefon hat die Nummer 01802/494847.

Vortragsreihe mit Psychologen, Psychiatern und Fachärzten für Geriatrie

Donnerstag, 26. Mai: „Zwischen Hingabe, Aufgabe und Selbstaufgabe.“ Die Psychologin Maria Mall beleuchtet die Rolle pflegender Angehöriger.

Donnerstag, 23. Juni: „Wie wirken Medikamente im Alter?“ Dr. Ulrich Kuipers, Chefarzt der Geriatrie in der Oldesloer Asklepios Klink, über Unverträglichkeiten, Missbrauch und Nutzen von Medikamenten.

Donnerstag, 21. Juli: „Eure Sorge fesselt mich?“ Prof. Dr. Sascha Köpke von der Sektion Forschung und Lehre in der Pflege der Uniklinik Lübeck über freiheitsentziehende Maßnahmen in der Pflege.

Donnerstag, 15. September: „ Im Alter is(s)t man anders.“ Dr. Dieter Graßhoff, Facharzt für Innere Medizin und Oberarzt der Geriatrie in der Asklepios Klinik Wandsbek, über Mangelernährung und Austrocknung im Alter.

Donnerstag, 6. Oktober: „Aber die Geschichte ist immer in uns ...“ Dr. Reinhard Lindner, Oberarzt im Zentrum für Geriatrie und Gerontologie im Albertinen-Haus, über die Rolle der Kriegserinnerungen in der Pflege.

Donnerstag, 17. November: „Wenn das Altwerden zur Last wird.“ Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. Claus Wächtler, über Depressionen im Alter.

Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 15 Uhr im Kreistagssitzungssaal in der Mommsenstraße 13 in Bad Oldesloe. Anmeldung beim Pflegestützpunkt unter 04531/1601544 oder unter 0431/5114551.

Von K. Kuhlmann-Schultz

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