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Protest gegen Baupläne am Bargteheider Bahnhof

Bargteheide Protest gegen Baupläne am Bargteheider Bahnhof

Ein Antrag der Grünen auf einen Stopp der Baupläne, bis ein Stadtentwicklungskonzept vorliegt, fand keine Mehrheit – Bürger durften bei der Sitzung mitreden.

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Mit Spruchbändern und Plakaten demonstrierte die Bürgerinitiative „Basta“ gegen das geplante Bauprojekt.

Quelle: Fotos B. Albrod

Bargteheide. . „Krähen und Raben will keiner haben – warum vertreiben, lasst sie doch bleiben“ – mit Spruchband und Schildern hatten sich rund 15 Vertreter der Bargteheider Bürgerinitiative „Basta“ am Donnerstag vor dem Bargteheider Ganztagszentrum versammelt, um gegen die geplante Bebauung eines Grundstücks „An den Stücken“ zu protestieren. Hier sollen drei mehrgeschossige Wohnhäuser teils mit öffentlich gefördertem Wohnraum und ein Parkdeck entstehen.

LN-Bild

Ein Antrag der Grünen auf einen Stopp der Baupläne, bis ein Stadtentwicklungskonzept vorliegt, fand keine Mehrheit – Bürger durften bei der Sitzung mitreden.

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„Wir wollen die kleinstädtische Atmosphäre erhalten und die überdimensionierten Pläne kippen“, erklärte Bodo Rote, Sprecher der Initiative. Wertvoller Brutraum für Fledermäuse, Krähen und Höhlenbrüter würde zerstört und ein schützenswerter Grüngürtel für die Stadt wegfallen. „Wir haben als Ziel, dass das Grundstück als Park mit Grillstelle für die Bürger gestaltet wird.“ Wegen des zunehmenden Bahnverkehrs wären die Bewohner der geplanten Häuser ohnehin unzumutbaren Belastungen ausgesetzt. „Wir haben auch die Sorge, dass am Parkdeck neue Probleme durch Herumlungern entstehen“, so Rote.

Im Planungsausschuss sieht man andere Prioritäten. Was Bargteheide brauche, sei bezahlbarer Wohnraum, der mit dem Neubau geschaffen werden könne. Zudem solle durch die Innenstadtverdichtung einem Gutachten des Kreises gefolgt werden, das einen Bedarf von bis zu 1000 zusätzlichen Wohnungen in Bargteheide sieht, erklärte Bauamtsleiter Jürgen Engfer. Den Grünen gehen die Planungen zu schnell, deshalb stellte Thomas Fischer (Grüne) in der Sitzung den Antrag, die Baupläne so lange ruhen zu lassen, bis ein Entwicklungskonzept für die Stadt vorliege. „Es gibt einen hohen Erklärungsbedarf zu den politischen Entscheidungen“, argumentierte Fischer, „wir brauchen ein Entwicklungskonzept als Orientierung.“ Außerdem drohe die Neuverschuldung. Die WfB unterstützte den Antrag der Grünen.

Bürgermeisterin Birte Kruse-Gobrecht (parteilos) regte an, nichts zu planen, was einen später wieder einhole, sie sehe noch Beratungsbedarf. „Am 7. Dezember gibt es ein Gespräch mit allen Fraktionen.“

Trotzdem wurde der Antrag abgelehnt. „Wir können notwendige Dinge wie das Wohnprojekt zur Inklusion, das Ökodorf oder die neue Feuerwache nicht auf die lange Bank schieben“, erklärte Claus Christian Claussen (CDU). Bisher habe es sich stets bewährt, auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren, das habe bei der Flüchtlingsfrage genauso funktioniert wie beim wachsenden Bedarf an Betreuungsplätzen oder bei Schulerweiterungen. „Wohnraum wird sonst noch teurer. Wir dürfen uns keine Fesseln anlegen, sonst gibt es Stillstand. Der Antrag ist Selbstvernebelung.“ Gorch-Hannis la Baume (FDP) sekundierte:

„Wir sollten weder inklusives Wohnen noch den Bau von Sozialwohnungen verzögern.“ Er stellte den Antrag, zuvor zu prüfen, wie sich 1000 Neubürger auf die Infrastruktur auswirken, um die Folgekosten abschätzen zu können. Der Antrag wurde vertagt. Andreas Bäuerle (SPD) sprach sich für behutsames Wachstum aus. „Wir sollten die Stadtentwicklung und die Bauleitplanung überprüfen und die Bürger dabei beteiligen.“

Der Ausschussvorsitzende Claussen machte in der Sitzung vor, wie Bürgerbeteiligung aussieht: Er ließ Fragen nicht nur in der Einwohnerfragestunde zu, sondern bei sämtlichen öffentlichen Punkten auf der Tagesordnung.

Russisches Roulette mit Krähe

. Die Pläne der Stadt Bargteheide, hinter dem Bahnhof an der Straße „An den Stücken“ zu bauen, könnten zu einer Art russischem Roulette mit Federn werden. Denn Voraussetzung für den Bau von drei mehrgeschossigen Wohnhäusern und einem Parkdeck ist die Vergrämung der geschützten Krähen, die derzeit dort zuhause sind. Der Gutachter hat eine weiter nördlich gelegene Fläche an den Gleisen als Ersatzhabitat für die Vögel benannt, allerdings gibt er zu bedenken, dass die Krähen nicht unbedingt das tun, was der Ausschuss beschließt. Sie könnten sich also auch an anderen Orten wie dem Markt oder am Bahnhof ansiedeln, wo es früher schon Beschwerden über die Vögel gab. Bedingung einer Vergrämung ist aber, dass die Krähen aus dem neuen Lebensraum nie mehr vergrämt werden dürfen.

Trotzdem beschloss der Planungsausschuss am Donnerstag mit der Mehrheit von CDU und SPD die Vergrämungsvariante, wie sie der Gutachter vorgeschlagen hat. „Das muss sein, um das Grundstück bebauen zu können“, begründete der Ausschussvorsitzende Claus Christian Claussen (CDU). Auch die SPD stimmte deshalb zu, „wenn auch mit Bauchschmerzen“, so Andreas Bäuerle (SPD). Denn die Vergrämung sieht vor, dass 46 alte Bäume, in denen die Vögel nisten, gefällt werden. Vorausgegangen war eine lange Diskussion, in der Claussen den rund 60 Zuhörern viel Mitspracherecht einräumte. „Der Ärger der Bevölkerung ist vorgeplant“, kritisierte ein Zuhörer, „das Krähenproblem wird nur verschoben.“ Die Vergrämung werde möglicherweise neue Konfliktbereiche öffnen, zumal man auch am Markt und am Bahnhof schon versucht habe, die Vögel zu vertreiben. Gorch-Hannis la Baume (FDP) schlug vor, alle Mülleimer in der Stadt zu verschließen und nur da, wo die Vögel hin sollen, die Eimer als Köder offen zu lassen; eine Variante, die bei der Beschlussfassung keine Berücksichtigung fand.

Nicht bedacht wurde bei der Diskussion, dass die Krähen sich vielleicht dort niederlassen könnten, wo die Fortführung der westlichen Umgehungsstraße geplant ist. Die ruht derzeit, weil erst der Fledermausüberflug gesichert werden muss. „Das ist aber unwahrscheinlich“, erklärte Bauamtsleiter Jürgen Engfer auf Anfrage, „dort gibt es kaum hohe Bäume.“

Ba Bettina Albrod

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