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Prozess gegen "Stapelfelder Forkenstecher": War der Mann schon lange geisteskrank?

Stapelfeld Prozess gegen "Stapelfelder Forkenstecher": War der Mann schon lange geisteskrank?

23-Jähriger war schon vor der Tat in psychiatrischer Behandlung. Als Zeugen berichteten, wie sie das Opfer am Boden liegen sahen, lachte er mehrfach auf.

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„Wir nehmen dieses Verhalten zur Kenntnis.“ Staatsanwältin Ulla Hingst

Stapelfeld. Als die Vollzugsbeamten den Angeklagten in Saal 155 des Lübecker Landgerichtes führten, trugen sie Schutzbrillen. Der 23-Jährige blieb während der Verhandlung mit Handschellen am Stuhl fixiert. Offensichtlich hält die Justiz den Mann für unberechenbar. Angeklagt ist er wegen versuchten Mordes und schweren Raubes.

Er soll am 17. Juni vergangenen Jahres einem Kollegen seine Schlackegabel derart heftig in den Kopf gerammt haben, dass die Zacken darin steckenblieben. Zwar kam das Opfer mit dem Leben davon, es werde allerdings mit Hirnschädigungen zu rechnen haben, so die Lübecker Staatsanwaltschaft.

Immerhin erwägt die Große Strafkammer aber, den 59-jährigen ehemaligen Mitarbeiter bei einer Industrie-Reinigungsfirma an einem der nächsten Verhandlungstage zu befragen nach den Geschehnissen an der Fahrstuhltür im dritten Stock der Stapelfelder Müllverbrennungsanlage. Es war erst der zweite Tag des 23-Jährigen in dieser Firma. Ein Leiharbeiter.

Der Streit zwischen Täter und Opfer ging um den Zeitpunkt des Feierabends. Möglicherweise ist der Chef der Firma sogar Hör-Zeuge der Tat. Sein langjähriger Mitarbeiter, berichtete der Unternehmer gestern, habe sich am Telefon noch über den neuen Kollegen beschwert. Dann sei das Gespräch abgebrochen, und er habe nur noch ein Fluchen, Schreien und verzweifeltes Jammern gehört.

Der Chef rief seinen Bauleiter an und schickte ihn von einer Baustelle in Hamburg nach Stapelfeld, um nachzuschauen, was geschehen sei. Und der berichtete gestern detailreich, welch grausiges Bild sich ihm bot, wie Polizisten, Sanitäter und Notarzt sich um das Opfer bemühten. Je genauer er sich erinnern sollte, desto erregter klang die Stimme des Bauleiters. Ja, räumte er auf Nachfrage von Staatsanwältin Ulla Hingst ein, er habe unter diesem Bild noch lange gelitten. Und der Angeklagte lachte immer wieder auf, grinste in sich hinein, wenn die Rede auf die Einzelheiten der Gewalttat kam.

Die Nachfrage des Vorsitzenden Richters, wie er dieses Verhalten interpretieren solle, beantwortete der an seinen Stuhl Fixierte nicht. Dafür machte die Staatsanwältin ihm deutlich: „Wir nehmen das zur Kenntnis.“ Ob die Bemerkung den mutmaßlichen Gewalttäter erreichte, war nicht erkennbar. Hinter einer Brille mit breitwandigen Bügeln schaute der Mann ausdruckslos drein. In einem Brief an den der Verhandlung beiwohnenden Psychiater hatte er bereits im Oktober um Hilfe gebeten. „Weil die Dämonen und Engel sonst die Oberhand gewinnen.“ Er sei seit langem geisteskrank. Wie es zu dem Amoklauf gekommen sei, sei ihm rätselhaft. Verlesen wurde unter anderem eine psychiatrische Diagnose, in der dieser Mann als schizoid und paranoid beschrieben wird. Die ihn behandelnden Ärzte ließ er für den Fortgang dieses Verfahrens über seinen Anwalt von der Schweigepflicht entbinden.

Gefasst wurde der 23-Jährige nach der Gewalttat von Stapelfeld in einem Ford Focus, den er auf seiner Flucht einer Frau geraubt hatte. Deren Handtasche lag auf dem Beifahrersitz, als ihn Hamburger Polizisten in der Treptower Straße nach wilder Verfolgungsjagd gestoppt hatten. Eine einzelne Polizistin hatte ihn auf der Bundesstraße 75 entdeckt und war ihm mit bis zu 80 Stundenkilometern durch die Stadt gefolgt, bis die Kollegen zu Hilfe kamen. Das sei, sagte die Frau im Zeugenstand, nicht einfach gewesen. Und es war gefährlich. Ein dreijähriges Kind habe der Flüchtende fast umgefahren.

Fortsetzung am 29. Januar.





Aus dem
Gerichtssaal

Uwe Krog

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