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Stormarn Radhaus am Bahnhof steht auf der Kippe
Lokales Stormarn Radhaus am Bahnhof steht auf der Kippe
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22:15 13.09.2016
So sieht das Radhaus in Offenburg aus – es ist mit Holz verkleidet und leuchtet im Dunkeln. 330 000 Euro haben die Offenburger für das Projekt gezahlt. 240 000 Euro davon waren Fördermittel. Quelle: Stadt Offenburg, bma

„Was lange währt, wird endlich gut – oder auch nicht“ – mit diesen Worten leitete Maria Herrmann (SPD) Montagabend die Beschlussvorlage Fahrradparkhaus Bahnhof ein. „Die Kosten haben sich erhöht. Das ist der Grund, warum wir noch mal vorsprechen“, erklärte Bauamtsleiter Thilo Scheuber.

Lag der Ansatz für die Umsetzung des Radhauses am Bahnhof 2014 bei 590000 Euro, geht die Stadt jetzt von Gesamtkosten in Höhe von 785000 Euro aus.

Grund: Das Fahrradparkhaus mit 120 Stellplätzen sei seitens des Herstellers teurer geworden – um 130000 Euro. Zudem sei die Baustelleneinrichtung aufgrund der Bestimmungen der Bahn weitaus umfangreicher als ursprünglich angenommen. Das würde mit weiteren 25000 Euro zu Buche schlagen. „Auch die Baunebenkosten sind durch die Beauftragung eines Planungbüros um etwa 40000 Euro höher“, so Scheuber.

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Vorzeigeprojekt ist teurer geworden – 785000 Euro – Bau- und Planungsausschuss hat Entscheidung verschoben.

„Damit kostet ein Stellplatz für ein Rad mehr als 6000 Euro – das ist reiner Wahnsinn, so was zu machen“, sagte Friedrich-Karl Kümmel (FBO). Das könne man keinem Steuerzahler erklären, fügte Matthias Rohde (FBO) hinzu. Uwe Rädisch (CDU) schloss sich der Meinung an. „Das ist einfach zu teuer. Von meiner Fraktion habe ich ein klares Votum, dass wir da nicht mitgehen. Wir müssen versuchen, eine preiswertere Lösung zu finden.“ Außer Frage stehe für ihn allerdings, dass man in Sachen Fahrradunterbringung am Bahnhof tätig werden müsse. „Die Zustände sind katastrophal.“

Unterstützung fand das Projekt weiterhin bei der SPD und bei den Grünen. „Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass die diebstahlsichere Anlage die richtige Entscheidung ist. Über die Jahre wird sich das rentieren“, so Annika-Katharina Dietel (SPD). Hartmut Jokisch (Grüne) wies darauf hin, dass man die Menschen weg vom Auto hin zum Fahrrad bringen wolle. Da sei das Radhaus eine tolle Reklame. „Der Trend geht zu hochpreisigen Rädern. Niemand würde derzeit sein Pedelec am Bahnhof abstellen“, merkte Wilfried Janson (Grüne) an. Mit dem Radhaus, das auch vor Vandalismus schütze, sei das kein Problem.

Auch eine Expertin war zur Ausschusssitzung geladen: Ursel Rabeler, Fahrradbeauftragte in Hamburg-Mitte. „Ich kann als Fachfrau nur dringend dazu raten, in diese zukunftsträchtige Innovation zu investieren. Lübeck hat es nicht geschafft. Doch Sie wären mit dem Radhaus ganz weit vorne. Alle Augen würden sich auf Bad Oldesloe richten. Denn das Thema Fahrrad wird in Zukunft noch einen viel größeren Platz einnehmen.“

Doch auch die eindringlichen Worte zeigten keine Wirkung. Das Thema Fahrradparkhaus am Bahnhof wurde schließlich einvernehmlich von der Tagesordnung genommen. Beim nächsten Bau- und Planungsausschuss sowie Finanzausschuss wird erneut über das Thema beraten. „Wir brauchen die aktualisierten Zahlen, was Fördergelder betrifft“, sagt Maria Herrmann, die enttäuscht ist, dass jetzt wieder der gesamte Bau auf der Kippe steht. „Ich hätte mir gewünscht, dass wir uns zumindest darauf einigen, die ursprünglich veranschlagten Kosten im Etat zu belassen. Über die Mehrkosten hätte man ja noch sprechen können. Seit 2009 arbeiten wir an dem Projekt, so viel Arbeitszeit haben wir damit verbracht. Fünf Häuser hätte man in der Zeit bauen können.“

Pilotprojekt

2013 hat Offenburg zusammen mit der Kehler Firma SMT, die auch die Smart-Türme baut, ein Pilotprojekt gestartet: ein voll automatisiertes Parkhaus für Fahrräder wurde als erstes seiner Art am Bahnhof in Betrieb genommen. „Das Radhaus ist eine tolle Sache“, sagt Andreas Demny, Fachbereichsleiter Verkehr der Stadt Offenburg. Das Parkhaus bietet Platz für 120 Räder, ist diebstahlsicher und vor Witterung geschützt – auf nur 55 Quadratmeter Grundfläche. „Auf derselben Fläche haben nicht mal 20 Fahrradboxen Platz“, so Demny. Platzmangel war ein Grund. „25 Prozent unserer Verkehrsteilnehmer sind mit dem Rad unterwegs. Außerdem haben wir viele Pendler, die mit ihren hochwertigen Rädern zum Bahnhof kommen.“ 60 Euro kostet die Miete für einen Stellplatz im Radhaus im Jahr. „Das ist sehr attraktiv“, so Demny. Jetzt überlegt die Stadt, ein zweites Radhaus zu installieren.

 Britta Matzen

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