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Stormarn Radschnellwege für Pendler?
Lokales Stormarn Radschnellwege für Pendler?
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18:24 07.10.2017
Perfekte Oberfläche, bis zu vier Meter breit, Platz zum Überholen, kaum Kreuzungen: So sieht ein Radschnellweg wie beispielsweise der „Loop“ in Hamburg-Wilhelmsburg aus. *FOTO: ORANGE EDGE/METROPOLREGION HAMBURG
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Bargteheide

Radschnellwege sind die klimagünstige Alternative zur Straße: „Die Planungen für den 6,5 Kilometer langen Abschnitt bei Ahrensburg sind schon recht weit fortgeschritten“, erklärt Dr. Detlef Steuer vom ADFC Ahrensburg. Er war Gast in der Bargteheider Rad-AG, um über die Radschnellwege zu berichten.

Die Metropolregion Hamburg (MRH) unterstützt derzeit eine Untersuchung der Umsetzbarkeit von sechs Radschnellwegen mit dem Zentrum Hamburg. Einer davon soll von Ahrensburg nach Volksdorf zur U-Bahn oder von dort weiter in die Stadtmitte führen.

Seit 2014, so Steuer, gebe es eine MRH-Projektgruppe zu Radschnellwegen in Schleswig-Holstein, in der die Verwaltungen von Hamburg und dem Umland vertreten seien. „In der Gruppe wurde zunächst das Interesse ausgelotet“, so Steuer. Das war groß, 38 Trassenvorschläge mit insgesamt 100 Kilometern landeten auf dem Tisch, von denen sechs nach einer Bewertung durch die TU Harburg in die engere Auswahl kamen. Die Metropolregion Hamburg will die Planung dieser Radschnellwege mit der Erarbeitung von Machbarkeitsstudien weiter vorantreiben und stellt dafür eine 80-prozentige Förderung in Aussicht. Zehn Millionen Euro hat der Bund in diesem Jahr für den Bau von Radschnellwegen zur Verfügung gestellt, weitere 25 Millionen Euro sollen es 2018 sein. Deshalb sollen mit detaillierten Untersuchungen die bisher nur umrissenen Korridore bis 2020 konkretisiert werden.

„Die Radschnellwege sollen fünf bis sechs Meter breit werden, um auch Gegenverkehr aufnehmen zu können“, sagt Steuer weiter. Zudem sollen sie kreuzungsarm sein und Pendlern eine echte Alternative bieten. „Auch ein Radschnellweg von Bad Oldesloe über Bargteheide und Ahrensburg bis nach Hamburg liegt beim Ranking auf den oberen Plätzen.“ Fest eingeplant sei eine Beleuchtung der Strecke, Radler hätten an Kreuzungen Vorrang, und auch die wachsende Zahl von Elektrofahrrädern müsse bedacht werden. „Geklärt werden müssen Fragen wie Streckenführung, Einwohner in dem Gebiet, notwendiger Grunderwerb, Kreuzungen, Anbindung an den ÖPNV oder Ausschluss von Angstkorridoren.“ So sollen Standards für die Trassen erarbeitet werden. „Wo eine Planung fertig und umsetzbar ist, wird gebaut“, so Steuer.

Stormarns Landrat Dr. Henning Görtz erklärt, dass der Kreis grundsätzlich großes Interesse am Bau von Radschnellwegen habe. „Das Thema hat Zukunft, man muss alle Wege nutzen, um einen Anreiz zu geben, dass Bürger den ÖPNV oder das Fahrrad nutzen.“ Der Kreis habe sich deshalb an der Ahrensburger Machbarkeitsstudie finanziell beteiligt. Vor weiteren Schritten etwa zum Bau eines Radschnellwegs bis Bad Oldesloe wolle man aber erst einmal abwarten. „Wir starten erstmal mit einem Projekt, das Ganze steckt noch in den Kinderschuhen. Ahrensburg ist von den Pendlern her am interessantesten, ich weiß nicht, ob jemand aus Bad Oldesloe mit dem Rad nach Hamburg fahren würde“, gibt Görtz zu bedenken. Der Bau der Radschnellwege sei zudem sehr aufwändig, „das läuft in der Planung genauso ab wie beim Bau einer Straße“.

Die FDP hat in Schleswig-Holstein in den Koalitionsvertrag ihre Forderung eingebracht, den Radverkehr zu stärken. Dabei soll mit der kommunalen Arbeitsgemeinschaft Rad.SH zusammengearbeitet werden, die zur Förderung des Fuß- und Radverkehrs in Schleswig-Holstein im März von acht Städten, Gemeinden und dem Kreis Segeberg gegründet wurde. Mittlerweile sind weitere Kommunen dazugekommen, aus Stormarn Oststeinbek und Barsbüttel. Geschäftsführer Carsten Massau war ebenfalls in Bargteheide, um die Arbeit vorzustellen und weitere Mitglieder zu gewinnen.

„Viele Kommunen haben keine eigenen Radverkehrsbeauftragten“, erklärt Massau. „Laut einer Umfrage ist das Fahrradklima in Schleswig-Holstein unterdurchschnittlich.“ Dabei biete das Land für den Tourismus Supervoraussetzungen. Hier setzt die Arbeit des Vereins an, der über Förderprogramme informiert, Kommunen beim Thema Radfahren vernetzt, Fachtage anbietet und sie bei ihren Problemstellungen berät. Thomas Degenhardt von der Bargteheider Verwaltung gab zu bedenken, dass Entscheidungsträger aber die Verkehrsaufsicht sei. „Die muss mit der Vereinsarbeit überzeugt werden“, sagt Massau. Der Mitgliedsbeitrag der Kommunen richtet sich nach der Einwohnerzahl, bei 10000 bis 20000 Einwohnern fallen 1000 Euro pro Jahr an. In Bargteheide will die Politik darüber abstimmen, ob die Stadt Mitglied bei Rad.SH wird.

Pflicht wird aufgehoben

Seit Freitag erfolgt in Reinbek die Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht an einem Großteil der Straßen, um die Beschilderung – nach Angaben der Stadt – an die aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen anzupassen. Der Abbau der Beschilderung soll rund zwei Wochen andauern. Die Maßnahme wird von Hinweistafeln an den wichtigsten betroffenen Straßen begleitet.

Was bedeutet dies konkret? Ohne Beschilderung steht es den Radlern frei, soweit vorhanden, einen baulich angelegten Radweg zu nutzen oder auf die Fahrbahn auszuweichen. Dahingegen haben diese an Straßen ohne Radweg dann grundsätzlich die Fahrbahn zu nutzen; Kinder im Alter bis zehn Jahre ausgenommen. Die Radwegbenutzungspflicht bleibt nur an der K80, Sachsenwaldstraße, Möllner Landstraße, Königstraße und Haidkrugchaussee bestehen.

Bettina Albrod

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