Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Rahmann kämpft gegen Hunger in Afrika
Lokales Stormarn Rahmann kämpft gegen Hunger in Afrika
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:42 08.02.2016
Mechanisierung statt Handarbeit: Gerold Rahmann zeigt, wie ein moderner Trecker eingesetzt werden kann. Quelle: Rahmann (hfr)

Prof. Gerold Rahmann ist dabei, die ganze Welt zu erobern. Bei 178 Auslandsreisen dienstlich und privat zusammengezählt verbrachte er fast zehn Jahre in vielen anderen Ländern außerhalb Deutschlands.

Acht Monate schon ist er an seinem neuen Arbeitsort. „Es kommt mir ziemlich lange vor. Das Institut fehlt mir“, sagt Rahmann. Denn: „Trenthorst ist der schönste Arbeitsplatz, den ich in meinem Leben je hatte.“ Statt von seinem Trenthorster Büro im Herrenhaus auf den See und ins Grüne zu schauen, blickt er nun in Addis Abeba auf Straßenverkehr und ein Häusermeer mit Baustellen, die nie fertig zu werden scheinen. „Es ist ein harter Job. Ich werde richtig gefordert“, sagt er. „Ich lerne viel und versuche, etwas zu bewegen.“

Auch wenn er sich bemüht, um in Äthiopien Strukturen aufzubauen, die Hungersnöten entgegenwirken sollen und junge Leute qualifiziert, glaubt er nicht so recht daran, dass es langfristig wirklich gelingen könne. Die Bauern sollten schließlich nicht nur mehr produzieren, sondern auch Spaß daran entwickeln, ein guter Bauer zu sein. Bei ihnen müsse der Wunsch entstehen, ihr Land aufzubauen. Und nicht nur danach zu fragen, wie sie selbst am besten profitieren oder von dort weg kommen. Es reiche auch nicht, Maschinen hinzustellen, die irgendwann rosten, weil keiner sie fahren, warten und bedienen kann.

Und so setzt Gerold Rahmann, der an der Uni Kassel eine Professur für Ökolandbau hat, als Ferenji (Weißer) vor allem auch auf eine gute Ausbildung der Berufsschüler vor Ort. Er versucht, die Ackerbohne wieder vermehrt auf die Äcker zu bringen. Sie eigne sich als proteinreiche Ergänzung zu dem äthiopischen Hauptnahrungsmittel Teff, einer Hirseart. „Teff lieben alle, wie bei uns die Kartoffel", vergleicht der Oldesloer. Aus dem Hirse-Sauerteig werden in Äthiopien die Fladenbrote gebacken.

Eine Welt ohne Hunger heißt die Sonderinitiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), für die Rahmann derzeit arbeitet. Er soll mit seinem Team ein Grünes Innovationszentrum für Landwirtschaft und Ernährung aufbauen. „Mehr Menschen zu ernähren“ ist das Ziel und die Herausforderung an die Landwirtschaft. Man möchte den Menschen eine Lebensgrundlage geben, damit sie nicht gezwungen sind, ihr Land zu verlassen. Rahmann: „Wer wegläuft von zu Hause macht das nicht aus Spaß.“ 800 Millionen Menschen würden weltweit hungern, fast zwei Milliarden in extremer Armut leben. Und so werden in afrikanischen und asiatischen Ländern alle möglichen Anstrengungen unternommen, um das Einkommen vor Ort zu erhöhen.

Für Gerold Rahmann sind derzeit die Kleinbauern in Äthiopien die Zielgruppe. Fortbildung und nachhaltige Steigerung der Produktivität stehen im Mittelpunkt. Schon vor rund 25 Jahren hat sich Rahmann mit Wüstenforschung und Hungersnot im Sudan beschäftigt. Er schrieb in seiner Doktorarbeit darüber, wie Nomaden in Dürrezeiten überleben. „Das hat mich sehr geprägt", sagt der 53-Jährige, der für Stormarns Grüne im Kreistag sitzt. Mit 17 Jahren sei es ihm noch unerträglich gewesen, sich bei „Brot für die Welt“ Hungersnöte anzusehen. Gut 30 Jahre später forscht der gebürtige Ostfriese zu diesem Thema.

Auftrag des Bundes

Gerold Rahmann wurde im Jahr 2000 Direktor der neu gegründeten Instituts für Ökologischen Landbau der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL). Sieben Jahre später wurde das Trenthorster Institut dem Thünen-Institut zugeordnet und ist nun eine Ressortforschungseinrichtung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).

Seit Juni 2015 baut er in Äthiopien ein Grünes Innovationszentrum für Landwirtschaft und Ernährung als Teil der Sonderinitiative „Eine Welt ohne Hunger“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) auf. Der Oldesloer wurde 2014 zum Präsidenten der International Society of Organic Farming Research (ISOFAR) gewählt.

Susanna Fofana

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige