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Stormarn Reinfeld erinnert mit einem neuen Stolperstein an Carl Harz
Lokales Stormarn Reinfeld erinnert mit einem neuen Stolperstein an Carl Harz
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20:47 08.06.2017
Dieser Stolperstein vor dem ehemaligen Wohnhaus von Carl Harz ist mutwillig beschädigt worden. Er wird am 14. Juni durch einen neuen Stein ersetzt.
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Reinfeld

Mit der Verlegung eines neuen Stolpersteines in Reinfeld soll am Mittwoch, 14. Juni, an das Schicksal von Carl Harz erinnert werden, der 1943 in Nazi-Haft ums Leben kam. Außerdem findet eine Gedenkstunde mit Esther Bejarano statt. Sie gehört zu den letzten Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz.

Mit der Verlegung eines neuen Stolpersteines in Reinfeld soll am Mittwoch, 14. Juni, an das Schicksal von Carl Harz erinnert werden, der 1943 in Nazi-Haft ums Leben kam.

Eine kleine Messingplatte war im März 2014 zur Erinnerung an Carl Harz unter großer Beteiligung der Immanuel-Kant-Schule und der Öffentlichkeit gelegt worden. Im vergangenen Herbst hatte ein Unbekannter diesen Stolperstein in der Carl-Harz-Straße mit etwa 20 gezielten Hammerschlägen mutwillig beschädigt. Über das Motiv kann nach Ansicht des Arbeitskreises Stolpersteine in Reinfeld nur spekuliert werden: Wollte jemand die Erinnerung an das Wirken von Carl Harz in Reinfeld oder an sein Schicksal als Nazi-Opfer stören? Ging es gegen das europaweite Kunst- und Erinnerungsprojekt Stolpersteine? Oder war die Erinnerungskultur in Bezug auf die deutsche Vergangenheit gemeint? In Reinfeld werde diese Erinnerungskultur gepflegt. Deshalb soll ein neuer Stolperstein verlegt werden.

Carl Harz (1860 - 1943) war Verfasser von sozial- und kirchenkritischen Schriften sowie ein Förderer der Stadtentwicklung und des Tourismus in Reinfeld. Der Seepavillon, eine Kindergenossenschaft (Kindergarten), das Kurhaus, das Villenviertel zwischen Ahrensböker Straße und Bischofsteicher Weg, der Wanderweg am Herrenteich und die touristische Erschließung der Region seien seine bedeutendsten Projekte gewesen.

Auf sein mutiges Eintreten für die Beendigung des zerstörerischen und mörderischen Zweiten Weltkrieges reagierte das Nazi-Regime mit der Einweisung des damals 83-Jährigen in die so genannte Schutzhaft in Lübeck-Lauerhof, so der Arbeitskreis. Dort starb Carl Harz nach vier Wochen am 13. August 1943. Die Behauptung, er habe sich erhängt, sei wenig glaubhaft. „Mit der Pflege des Stolpersteins wird gleichzeitig ein Zeichen gesetzt gegen rückwärts gewandte Zerstörungswut, die die Wahrheiten der Geschichte verleugnen will, und für eine lebendige Erinnerungskultur, die die Lehren der Vergangenheit für die Gegenwart erhalten möchte“, betont Albrecht Werner vom Arbeitskreis.

Am Mittwoch, 14. Juni, gibt es von 11.30 bis 12.30 Uhr in der Aula der Immanuel-Kant-Schule eine Gedenkstunde mit Esther Bejarano, einer der letzten Überlebenden des KZ Auschwitz, und Schülern der Jahrgänge neun bis zwölf. Am gleichen Tag wird um 15.30 Uhr in der Carl-Harz-Straße 6 ein neuer Stolperstein verlegt. Zu beiden Veranstaltungen sind alle Reinfelder willkommen.

LN

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