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Reinfeld hat einen neuen Stolperstein

Reinfeld Reinfeld hat einen neuen Stolperstein

Die Erinnerung an Carl Harz als NS-Opfer wird wachgehalten. Seit Mittwoch erinnert in der nach ihm benannten Straße vor dem Haus Nummer 6 ein neuer Stolperstein an seinen Tod als NS-Opfer. Der vor drei Jahren verlegte erste Stolperstein war mutwillig beschädigt worden.

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Reinfeld. Das Haus erinnert nicht mehr an Carl Harz. Es hat sich deutlich verändert seit dem Sommer 1943, als Carl Harz hier seine letzten Tage verbrachte. Er wurde in Reinfeld abgeholt und in ein Gefängnis gebracht, wo er nach vierwöchiger Haft ums Leben kam.

 

LN-Bild
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Erinnerung an ein NS-Opfer: Carl Harz.

Quelle: Foto: Ln
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Albrecht Werner vom Arbeitskreis Stolperstein (l.) und Bürgervorsteher Gerd Herrmann präsentierten den neuen Stein, der mit etwas Verspätung eintraf. Er wurde gestern von Gunter Demnig auf dem Gehweg an der Carl–Harz-Straße 6 verlegt.

Quelle: Fotos: M. Thormählen

Ins Museum

Der beschädigte Stolperstein soll nicht sang- und klanglos verschwinden. Er wird künftig im Reinfelder Heimatmuseum einen Platz bekommen.

Seit Mittwoch erinnert in der nach ihm benannten Straße vor dem Haus Nummer 6 ein neuer Stolperstein an seinen Tod als NS-Opfer. Der vor drei Jahren verlegte erste Stolperstein war mutwillig beschädigt worden.

Die Stadt sollte weiterhin den Opfern der NS-Zeit gedenken, forderte Bürgervorsteher Gerd Herrmann. Er war mit weiteren Kommunalpolitikern, Bürgermeister Heiko Gerstmann, Schülern der Immanuel-Kant-Schule sowie interessierten Bürgern zur Verlegung des neuen Stolpersteines gekommen.

Gerd Herrmann wies darauf hin, dass es in Reinfeld „keine bösen Umtriebe“ mit einem rechtsradikalen Hintergrund gebe – allerdings mit zwei Ausnahmen. Der Bürgervorsteher erinnerte an die Beschädigung des Stolpersteines und an Schmierereien am alten Rathaus. Umso wichtiger sei es, dass es Initiativen gebe, die in eine andere Richtung arbeiteten. Der Bürgervorsteher lobte den Arbeitskreis Stolpersteine und die Kant-Schule.

Arbeitskreis-Sprecher Albrecht Werner erklärte, der erster Stolperstein zum Gedenken an Carl Harz sei mit rund 20 Hammerschlägen mutwillig beschädigt worden. Über die Motive des unbekannten Täters könne nur spekuliert werden, sie seien im Dunkeln geblieben. In Reinfeld werde auf jeden Fall eine Erinnerungskultur gepflegt und deshalb ein neuer Stolperstein gesetzt. „Wir wollen die Erinnerung“, so Albrecht Werner.

Auch dieser Stein ist wie schon sein Vorgänger von Gunter Demnig angefertigt worden. Er gilt als Initiator des Kunst- und Erinnerungsprojektes Stolpersteine. Die von ihm in seiner Kölner Werkstatt angefertigten Objekte sind mittlerweile in zahlreichen Ländern zu finden. Nachdem er einen Stolperstein in Kiel verlegt hatte, kam Gunter Demnig gestern nach Reinfeld, morgen fährt er nach Schwerin.

Mitarbeiter des Reinfelder Bauhofes hatten den Bereich auf dem Gehweg vor dem Haus Nummer 6 an der Carl-Harz-Straße für die Aktion vorbereitet. Der beschädigte Stein war bereits aus dem Boden genommen worden. Sein Nachfolger besteht ebenfalls aus einer goldfarbenen Messingplatte mit einer Größe von zehn mal zehn Zentimetern. Sie ist mit einem Pflasterstein verbunden. Neben den Lebensdaten von Carl Harz enthält die Inschrift Hinweise zu seinem Veröffentlichungsverbot während der Nazi-Diktatur. Für die jüngste Aktion müssen nach Angaben von Albrecht Werner rund 120 Euro ausgegeben werden. Ein Teil stiften die Kant-Schüler von ihrem Preisgeld, das sie für eine Projektarbeit zu dem Thema gewonnen hatten.

Carl Harz (1860–1943) war ein Verfasser von sozial- und kirchenkritischen Schriften und ein Förderer der Stadtentwicklung und des Tourismus in Reinfeld: Der Seepavillon, eine Kindergenossenschaft (Kindergarten), das Kurhaus, das Villenviertel zwischen Ahrensböker Straße und Bischofsteicher Weg, der Wanderweg am Herrenteich und die touristische Erschließung der Region gelten als seine bedeutendsten Projekte. 1943 zogen Töchter und Enkel aus Hamburg zu ihm, weil sie ihre Wohnungen durch Bombenangriffe verloren hatten.

Carl Harz forderte gegenüber der NS-Führung eine Beendigung des Zweiten Weltkrieges. Das Nazi-Regime reagierte mit der Einweisung des 83-Jährigen in die sogenannte Schutzhaft in Lübeck-Lauerhof. Dort starb er am 13. August 1943. Die offizielle Behauptung, er habe sich erhängt, sei wenig glaubhaft, so Albrecht Werner. Opfer des NS-Regimes sei Harz in jedem Fall.

 Michael Thormählen

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