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Stormarn Reinfeld ist bunt und offen geblieben
Lokales Stormarn Reinfeld ist bunt und offen geblieben
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20:47 20.09.2016
Die beiden in Reinfeld Gestrandeten zeigten im Namen aller Flüchtlinge ihre Dankbarkeit. Quelle: Fotos: Ukk

Sie haben sich bedankt für die Aufnahme in Reinfeld, sie haben das auf ein Schild geschrieben und hoch gehalten. Sie haben den Reinfeldern gezeigt, dass sie selber gegen Gewalt und Terror sind. Sie haben die Festnahme eines des nur vermeintlich Ihren gutgeheißen: Azad aus Syrien und sein Freund am Montagabend vor dem Reinfelder Rathaus.

Die Stadt zeigte ihre unverminderte Hilfsbereitschaft gegenüber den hier Gestrandeten.

Ein breites Bündnis aus kirchlichen und weltlichen Organisationen und Vereinen, etwa 200 Menschen, waren gekommen, um die aufkeimenden Zweifel einiger an der Flüchtlingsarbeit in der Stadt auszuräumen. „Es gibt keinen Anlass daran zu zweifeln, dass unser Weg hier in Reinfeld und der Umgebung der Richtige ist“, sagt Albrecht Werner, engagierter Helfer von der Gruppe „Reinfelder Bürger für Menschen im Asyl“.

Pastorin Dr. Christina Duncker zeigte sich „stolz auf die Stadtgemeinschaft“ angesichts der vielen Gekommenen. Es wären noch viele mehr gewesen, „aber sie sind beruflich verhindert“, sagte die Pastorin, die sich die gute Arbeit für die in Reinfeld und Umgebung Gestrandeten nicht durch einen einzelnen kaputt machen lassen will. Sie verteilte bunte Bänder, um zu unterstreichen, dass „Reinfeld eben bunt und tolerant ist“.

Ein 17-Jähriger war in der Nacht zum vergangenen Dienstag von der Polizei in einem von Flüchtlingen bewohnten Reinfelder Haus festgenommen worden, genauso wie zwei weitere mutmaßliche Terroristen in Ahrensburg und Großhansdorf. „Mir wäre lieber gewesen, wenn es so etwas in Reinfeld nicht gegeben hätte“, sagte Bürgermeister Heiko Gerstmann. „Aber mit Reinfeld hatte das nichts zu tun“, erklärte Albrecht Werner den Teilnehmern der Veranstaltung.

Die Tage zuvor hatte Gerstmann mit Leuten gesprochen, die eine umfangreiche Flüchtlingshilfe, wie sie in der Stadt betrieben wird, nun infrage stellten. Jetzt antwortete ihnen der Bürgermeister von der Treppe des Rathaus: „Durch einen solchen Einzelfall lassen wir uns nicht von unseren Werten wie Toleranz und Offenheit abbringen.“ Er sei begeistert „über das soziale Miteinander in Reinfeld.“

Und Albrecht Werner rief dazu auf, jetzt erst recht Solidarität zu zeigen. „Lass uns ihnen zeigen, dass wir zu ihnen stehen und sie nicht mit möglicherweise Kriminellen in einen Topf werfen.“

Der Verhaftete sei von Anfang an lückenlos observiert worden. „Es gibt keinerlei Anlass, rückwirkend sich in Angst hinein zu steigern“, so Werner. Im Gegenteil, während der andauernden Observierung durch die Polizei sei es in Reinfeld sicher wie nie zuvor gewesen. Dass unter den hunderttausenden Flüchtlingen auch welche gebe, die keine guten Absichten hätten, sei zu erwarten gewesen. Dennoch müssten die einzelnen Menschen in ihrer Not gesehen werden. „Wir müssen ihnen nach Kräften das Zurechtfinden in einer für sie fremden Welt erleichtern.“

„Das Stimmungsbild darf nicht kippen“, hatte Pastorin Duncker nach der Festnahme gesagt. Und sie hatte gemeinsam mit anderen diese Kundgebung organisiert. Sie dauerte etwa eine Stunde. Die meisten hatten sich Buttons mit der Aufschrift „Reinfeld ist bunt“ angeheftet, die bunten Tücher wurden der Pastorin aus der Hand gerissen. Die Stimmung ist nicht gekippt. Und Azad und seine Freunde trugen ein leises Lächeln im Gesicht.

Uwe Krog

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