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Reinfeld will weiterhin seine Willkommenskultur leben

Reinfeld Reinfeld will weiterhin seine Willkommenskultur leben

Beim Dialogforum ging es um die Integration von Flüchtlingen.

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Pastorin Christina Duncker (r.) führte durch den Gesprächsabend, an dem auch Vertreter aus Politik und Verwaltung teilnahmen. FOTOS: ROSE-OERTEL

Reinfeld. Die Stadt bleibt bunt: Die viel zitierte Willkommenskultur für Flüchtlinge wird in Reinfeld gelebt – auch nach der Verhaftung eines terrorverdächtigen jungen Syrers Mitte September. Beim Dialogforum der evangelischen Kirchengemeinde, zu dem Pastorin Christina Duncker angesichts des Vorfalls jetzt öffentlich eingeladen hatte, haben das die Teilnehmenden deutlich gemacht.

„Es ist wichtig, miteinander ins Gespräch zu kommen“, leitete Pastorin Duncker die Veranstaltung im Gemeindehaus ein. Bürgermeister Heiko Gerstmann (SPD) sowie die Vertreter von CDU, SPD und Grünen, des Amtes Nordstormarn und der Diakonie hatten sich geschlossen auf dem Podium versammelt, etwa 30 Bürger waren als Besucher gekommen. Unter ihnen auch Albrecht Werner von der Initiative Asyl in Reinfeld. Er hat den 18-jährigen Ibrahim M., der sich „Yasser“ nannte und als Asylbewerber in einer Gemeinschaftsunterkunft am Zuschlag lebte, nach eigenen Aussagen gut gekannt. „Er war ein freundlicher, aufgeschlossener junger Mann, der schnell Deutsch gelernt hat und mit dem wir zusammen gerudert sind“, berichtete Werner. Er äußerte die vage Hoffnung, vielleicht sei auch „Yasser“ vom Islamischen Staat zu etwas gezwungen worden.

Albrecht Werner stand am Montagabend für etliche weitere Engagierte, die mit der Verhaftung des integrierten Vorzeige-Flüchtlings eine nach eigenen Worten persönliche Kränkung erlebt haben. Es gab Hassmails an den Bürgermeister. Seine Fassungslosigkeit war Heiko Gerstmann noch immer anzumerken: „Da kamen anonyme Mails von nicht identifizierbaren Absendern, in denen stand, ,wie können Sie zulassen, dass unseren Kindern die Kehlen durchgeschnitten werden?’“ Es ist unmöglich, mit diesen Menschen ins Gespräch zu kommen. Sie wollen es auch nicht.“ Auch die Verhaftungen haben nichts an der Bereitschaft vieler Reinfelder geändert, sich für die über 100 Asylsuchenden in ihrer Stadt einzusetzen.

„Man wird so etwas nie ausschließen können“, sagte eine Besucherin. „Aber man muss es differenziert sehen und kann nicht alle Flüchtlinge über einen Kamm scheren.“ Sie sagte auch, dass sie keine Angst habe. „Ich würde den Vorfall in Reinfeld nicht überbewerten“, so auch Rüdiger Hildebrandt, Leiter der Beruflichen Schule Stormarn in Bad Oldesloe. „Viele Flüchtlinge sind dankbar und auch bereit, die angebotene Hilfe zurückzugeben.“ Für die umfangreiche Hilfe gibt es viele Beispiele. Schulen, Vereine, Kirche, Bürgerinitiativen scheinen in Reinfeld um Umgebung an einem Strang zu ziehen. Besonders für junge Menschen in Schule und Ausbildung stehen umfangreiche Programme und Angebote bereit.

Ältere Asylsuchende allerdings haben nach den Aussagen von Ehrenamtlichen teilweise Schwierigkeiten, noch Deutsch zu lernen. Sie hätten auch mehr mit kulturellen Hindernissen zu kämpfen. „Frauen und Männer lernen bei uns an einem Tisch“, erzählte eine Sprachpatin. „Damit haben manche Ältere Probleme und grenzen sich ab.“

Nauwa Saleh, Migrationssozialberaterin der Diakonie in Bad Oldesloe, warb dafür, diesen Menschen mehr Zeit zu geben. Dass die Integration besonders gut in Vereinen funktioniert, machte CDU-Vorsitzender Lorenz Hartwig deutlich: „Bei der freiwilligen Feuerwehr haben wir zwei junge Syrer, das klappt sehr gut. Da wird eine direktere Sprache gewählt, weil Abläufe im Einsatz funktionieren müssen.“

Ein Schwerpunkt der Gesprächsrunde war das Thema sozialer Frieden. Auch hier waren sich alle weitgehend einig: Handys sind für Flüchtlinge schon auf der Flucht überlebenswichtig. Ebenso wenig sei die bisweilen gespendete Markenkleidung kein Grund für Neid. Allerdings müsse beim Thema Wohnraum sensibel gehandelt werden. „Die Stadt mietet ab April ein neues Objekt mit 15 Wohnungen an“, so Lorenz Hartwig. „Diese wollen wir zuerst alten Menschen mit Wohnberechtigungsschein anbieten, bevor wir sie gegebenenfalls Flüchtlingen zuweisen." Das Thema Wohnungen für Flüchtlinge sei ein schwieriges.

Sprachpaten gesucht

Die evangelischen Kirchengemeinden Reinfeld und Zarpen sind Träger der Ehrenamts-Initiative „InKom Asyl“ (Integration und Kommunikation für Flüchtlinge in Deutschkursen), Etwa 50 Frauen und Männer sind hier engagiert. Neue Paten sind willkommen, es sind keine Vorkenntnisse nötig. Kontakt unter: Pastorin Duncker, Telefon 04533/79 73 61. Auch die Initiative Asyl des Bürgervereins trifft sich regelmäßig im Gemeindehaus, sie sucht regelmäßig Unterstützung. Kontakt unter albrecht-werner@hamburg.de

 Oda Rose-Oertel

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