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Stormarn Reinfeld wird zweite „Fairtrade-Stadt“ im Kreis
Lokales Stormarn Reinfeld wird zweite „Fairtrade-Stadt“ im Kreis
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20:37 22.10.2017
Maike Jobst und Britta Zankl (r.) von Hundert Hübschigkeiten freuen sich über den Fairtrade-Titel, sie verkaufen fair gehandelte Kleidung.

„Wir freuen uns sehr, Ihnen mitteilen zu können, dass die Bewerbung von Reinfeld durch unser Prüfgremium erfolgreich bestätigt wurde“, heißt es in der E-Mail vom zuständigen Verein Fairtrade Deutschland an die Organisatoren der Reinfelder Bewerbung. „Somit steht einer Auszeichnung zur Fairtrade-Stadt nichts mehr im Wege und die Planung der Auszeichnungsfeier kann beginnen.“ Die Geschäftsfrauen Britta Zankl und Maike Jobst von der Steuerungsgruppe sind bereits dabei. Am 8. November sollen alle Mitstreiter zum ersten Treffen zusammenkommen. Die beiden Betreiberinnen von „Hundert Hübschigkeiten“ in der Reinfelder Innenstadt setzen längst auf fair gehandelte Kleidung und waren schnell dabei, als die Grünen mit ihrer Fraktionsvorsitzenden Ines Knoop-Hille das Projekt „Fairtrade-Stadt Reinfeld“ angestoßen haben.

Als zweite Stadt in Stormarn darf sich Reinfeld nun „Fairtrade-Town“ nennen. Fast eineinhalb Jahre nach dem Beschluss in der Stadtverordnetenversammlung hat Reinfeld die nötigen Kriterien erfüllt, die Bewerbung war erfolgreich. Nun wird die Auszeichnungsfeier geplant.

Fairtrade-Towns

510 Fairtrade- Städte gibt es derzeit in Deutschland, weltweit über 2000. Reinfeld wird im Kreis Stormarn die zweite Stadt nach Bad Oldesloe, die diesen Titel trägt. Im LN-Verbreitungsgebiet dürfen sich zudem Lübeck, Eutin, Norderstedt, Kaltenkirchen, Blunk und Stockelsdorf Fairtrade-Town nennen.

Ein Selbstgänger war das Vorhaben nicht. Es begann mit dem Beschluss in der Stadtversammlung im April vergangenen Jahres. „Es war eines der knappsten Abstimmungen“, erinnert sich Reinfelds Bürgermeister Heiko Gerstmann. Mit neun Ja-Stimmen, acht dagegen und zwei Enthaltungen wurde der Antrag der Grünen angenommen, dass sich Reinfeld als Fairtrade-Town bewirbt. Dass es nun geklappt hat, freut Gerstmann. Der Titel sei ein Imagevorteil. „Er macht deutlich, dass wir uns unserer Verantwortung bewusst sind gegenüber den Produzenten in Afrika, Asien und sonst wo.“ Er selbst kaufe seit Jahren privat Fairtrade-Produkte wie Kaffee und Schokolade. In seinem Büro werde ausschließlich Kaffee ausgeschenkt, deren Produzenten gerecht entlohnt wurden – dafür steht Fairtrade. „Mit dem Kilo für zehn Euro komme ich drei Monate aus“, sagt Gerstmann. Auch bei Sitzungen der städtischen Gremien kommt keine Cola mehr auf den Tisch, sondern fair gehandelter Orangensaft und lokales Wasser.

„Lokal geht bei mir vor Fairtrade“, betont Gerstmann.

„Lokal, Bio, Fairtrade – das wird oft verwechselt“, sagt Initiatorin Ines Knoop-Hille. Dabei stünden sie nicht in Konkurrenz. Es gehe lediglich darum, dort auf Fairtrade-Produkte zu setzen, wo es keine lokalen Alternativen gibt: Tee, Kaffee, Gewürze, Kakao. Mit dem Logo Fairtrade-Stadt soll ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass mit ein paar Cent Mehrausgaben für

Fairtrade-Produkte deren Produzenten in oft armen Regionen gerecht bezahlt werden statt ausgebeutet. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, doch es sei nicht einfach gewesen, die Kriterien für die Bewerbung zu erfüllen – obwohl bereits zahlreiche Läden und Lokale ein Fairtrade-Produkt führen, berichtet Knoop-Hille. „Die Schwierigkeit war, sie zu überzeugen, ein zweites zu integrieren.“

Insbesondere bei den Gastronomen habe man lange gebraucht, bis zwei Partner gefunden wurden: das Casalinga und L’arabica. Bei den Geschäften machen neben Hundert Hübschigkeiten, Blumen Fischer, Nutrigetic, die privilegierte Apotheke und das Reformhaus mit. Bei den Schulen konnte die Matthias-Claudius-Schule gewonnen werden, die das Thema im Unterricht einbaut, beide Kirchen beteiligen sich, außerdem die Landfrauen und der Verein Sii-Kids, zählt Knoop-Hille auf. Auf regelmäßigen Veranstaltungen soll das Thema Fairtrade nun ins Bewusstsein der Reinfelder gebracht und weitere Unterstützer gefunden werden. Mit der Immanuel-Kant-Schule sei man im Gespräch, auch mit dem SV Preußen habe man verhandelt. „Eine Idee war, beim Run up zum Brötchen eine Banane aus fairem Handel anzubieten.“

Doch daraus wurde nichts. Durch die Auszeichnungsfeier hofft Knoop-Hille noch auf einen Schub. Auch für die Innenstadt, darauf setzen Zankl und Jobst. Wenn sie mit Kunden über Fairtrade ins Gespräch kommen, sei die Resonanz durchweg positiv, sagen sie. Reinfeld habe die Chance, sich damit abzusetzen.

 Nadine Materne

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