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Stormarn Reinfelder Tafel feiert 20-jähriges Bestehen
Lokales Stormarn Reinfelder Tafel feiert 20-jähriges Bestehen
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15:24 16.04.2019
„Helfen macht glücklich und zufrieden“, sagen die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tafel Reinfeld: Friedhelm Meya (v.l.), Gisela Buse, Ursula Meya und Hannelore Meyer. Quelle: Britta Matzen
Reinfeld

Am 22. April 1999 öffnete die Reinfelder Tafel zum ersten Mal ihre Türen, um Lebensmittel an diejenigen zu verteilen, die Hilfe benötigten. „Damals waren wir noch beim Kindergarten am Neuhof untergebracht. 32 Freiwillige waren wir anfangs“, berichtet Friedhelm Meya, der mit Ehefrau Ursula Meya und Gisela Buse zu den Gründungsmitgliedern gehört. Alle drei von ihnen sind heute noch aktiv. Brot, Obst, Gemüse, Kartoffeln oder Reis bekamen sie von den umliegenden Discountern und Geschäften – Lebensmittel, die übrig geblieben war. „Wir helfen, ohne zu fragen“ hieß das Motto, das der damalige Vorstand Lutz Dammin ausgab. Ein Projekt der Nächstenliebe, das am 12. Mai seinen 20. Geburtstag feiert – mit einem Dankgottesdienst in der Reinfelder Matthias-Claudius-Kirche und anschließendem Empfang im Gemeindehaus.

Sie haben den Anspruch, Bedürftigen in Reinfeld und Umgebung zu helfen: die Ehrenamtler der Tafel.

„Ich war damals bei Efa, Essen für alle, in Bad Oldesloe und habe dort geholfen. Da sagte jemand zu mir: ,Wir holen immer die Lebensmittel aus Reinfeld. Wollt ihr nicht selbst eine Tafel machen?’“, erinnert sich Gisela Buse. So wurde die Idee geboren. Es folgte eine Versammlung im Gemeindesaal und ein Aufruf in der Zeitung mit großartiger Resonanz. Mehr als 30 motivierte Helfer hatten sich gemeldet, um die Tafel zu unterstützen. Vorstand Lutz Dammin, der damals auch Kirchenvorstand war, hatte sich für die Räumlichkeiten eingesetzt, die die Kirche der Tafel mietfrei zur Verfügung stellte. „Als wir das erste Mal öffneten, waren acht Kunden da“, weiß Friedhelm Meya noch genau. Wenig später seien es durchschnittlich 20 pro Woche gewesen. Mehr 1000 Kilometer habe er jeden Monat auf dem Tacho seines Privatwagens gehabt. Er fuhr die Geschäfte, Bäckereien und Höfe in Reinfeld und Umgebung an, um die bereitgestellte Ware abzuholen.

Die Tafel ist wichtiger denn je

20 Jahre später ist die Tafel wichtiger denn je. 100 Menschen stehen hier jede Woche in der Schlange, um etwas zu essen zu bekommen, weil das ihnen zur Verfügung stehende Geld nicht für das Nötigste reicht. Es sind Russlanddeutsche, Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten, alleinerziehende Mütter, junge Menschen mit psychischen Problemen und alte Leute, die nur eine kleine Rente haben, die kaum für die Miete reicht. „Man denkt, Reinfeld ist eine wohlhabende Stadt. Die Armut sieht man nicht, wenn man hier durchfährt oder bei Famila einkaufen geht. Aber sie existiert“, weiß Buse. Manche Betroffene trauten sich nicht einmal zur Tafel – aus Scham. „Dabei ist arm zu sein keine Schande, bei uns ist jeder willkommen“, macht Hannelore Meyer deutlich, die als Vorstand die Geschicke der Tafel Reinfeld gestaltet. Sie hat vor einem Jahr die Amtsgeschäfte von ihrem Vorgänger Gerald Witzmann übernommen.

Rund 70 Helfer unterstützen heute die Tafel und die Sponsoren, ohne die die Arbeit der Einrichtung nicht möglich wäre. „Unsere Mitarbeiter sind zwischen 20 und 88“, sagt Hannelore Meyer. Täglich von Montag bis Sonnabend ist ein Team im Einsatz. Lebensmittel abholen, sortieren und ausliefern. Ältere und kranke Menschen, die es nicht zur Ausgabestelle in der Joachim-Mähl-Straße schaffen, und bedürftige Haushalte auf den Dörfern, die weder Rad, Auto noch Busgeld haben, bekommen Lebensmittel geliefert. Dienstpläne erstellen, Kontakte zu anderen Tafeln, Verbänden und Geschäftsleuten knüpfen und pflegen und immer vor Ort und Ansprechpartnerin sein – auch bei Hannelore Meyer kommt keine Langeweile auf.

Helfen macht glücklich!

„Helfen macht glücklich!, sagt Gisela Buse, die von Anbeginn dabei ist und schon so viele Einzelschicksale erleben durfte, wenn sie die Bedürftigen besucht und ihnen Ware nach Hause bringt. Und alle pflichten ihr bei.

Adressen und Ausgabezeiten

Die Tafel Reinfeld ist in der Joachim-Mähl-Straße 1, 23858 Reinfeld. Ansprechpartnerin ist Hannelore Meyer, Telefon 04533/8692, Mail: meyer-hannelore@gmx.de.

Ausgabezeiten: Dienstag 16.30 bis 18 Uhr und Donnerstag 11 bis 13 Uhr.

Auch in Bad Oldesloe und Ahrensburg gibt es Tafeln:

Oldesloer Tafel, Turmstraße 14 a , 23843 Bad Oldesloe. Öffnungszeiten: Mittwoch 12 bis 15.30 Uhr, Freitag 12 bis 15.30 Uhr.

Ahrensburger Tafel, Bei der Alten Kate 1, 22926 Ahrensburg. Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag ab 11 Uhr.

„Wir helfen, ohne zu fragen“ – das Motto von 1999 habe sich allerdings nicht bewährt. „Heute muss man einen Nachweis erbringen, dass man bedürftig ist. Rentenbescheid, Bescheide vom Jobcenter oder Sozialamt, da gibt es mehrere Möglichkeiten“, so Meyer. Vier Euro zahlen die Kunden im Monat, dafür dürfen sie jede Woche vorbeikommen und Lebensmittel für die nächsten Tage mitnehmen. Vorausgesetzt, es ist genug da, was nicht immer mehr selbstverständlich ist.

Tafel Reinfeld braucht Unterstützung

Hannelore Meyer: „Wir sind dringend auf mehr Unterstützung angewiesen. Wir brauchen Helfer, Geld und auch Lebensmittel. Im Moment kriegen wir sehr wenig Ware. Unsere Regale sind oft sehr leer.“ Deshalb könnte sie ihren Kunden häufig nicht mehr genug zum Essen mitgeben. „Die Supermärkte kaufen nicht mehr so üppig ein wie früher. Und vieles wird bei den Märkten einfach weggeworfen“, so Meyer. Damit ist niemandem geholfen.

Britta Matzen

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