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Stormarn Bald geht’s dem Teichschlamm an den Kragen
Lokales Stormarn Bald geht’s dem Teichschlamm an den Kragen
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18:20 02.11.2018
Über Jahre und Jahrzehnte hat sich eine dicke Schlammschicht im Herrenteich angesammelt. Jetzt sollen Maßnahmen ergriffen werden, damit der Teich nicht verlandet. Quelle: Britta Matzen
Reinfeld

Tief durchatmen – für die Reinfelder Teiche ist das kaum mehr möglich. Über Jahre, sogar Jahrzehnte hat sich Schlamm in den Gewässern angesammelt. Besonders betroffen sind der Messingschläger Teich, der Schulteich und der Herrenteich. An einigen Stellen wurde sogar mehr Schlamm als Wasser gemessen. Höchste Zeit, Maßnahmen zu ergreifen, damit die Teiche nicht eines Tages verlanden. Verwaltung und Politik suchen jetzt nach umweltverträglichen und bezahlbaren Möglichkeiten, um die Ablagerungen zu entfernen. Ausbaggern und Umlagern des Schlamms ist zu kostspielig.

Ein Pulver gegen die Sedimente im Teich

Die Verwaltung hatte die Firma Söll aus Hof zur vergangenen Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses eingeladen. Das Unternehmen, das auf Wasseraufbereitung spezialisiert ist, setzt ein mineralisch-biologisches Pulvergemisch ein, um die Sedimente abzubauen.

Stefan Weber (SPD): „Man muss nicht unbedingt ein biochemisches Pulver in den Teich kippen. Es gibt auch andere Methoden. Quelle: Weber/HFR

Zahlreiche Gewässer vom Fischteich bis zum Badegewässer hat die Firma laut eigener Aussage bereits erfolgreich therapiert. Genau dieses Verfahren stellten Söll-Mitarbeiter den Ausschussmitgliedern vor. „Dieses Pulver setzt Sauerstoff frei und führt dazu, dass die Phosphate in mineralischen Sandstoffen gebunden werden“, fasst Ausschussvorsitzender Dr. Stefan Weber (SPD) die Methode zusammen. Doch man müsse nicht unbedingt ein biochemisches Pulver in die Teiche kippen, es gebe auch noch andere Methoden, so Weber.

Plastikschläuche mit sprudelndem Sauerstoff

Er habe recherchiert und sei dabei auf Firmen gestoßen, die Plastikschläuche auf dem Grund der Teiche verlegen. „Da kann man Druckluft reinpumpen, und dann sprudelt die Luft wie in einem Aquarium aus den Schläuchen heraus.“ Dieses könne temporär zur Sanierung oder dauerhaft installiert werden. Geeignet sei nach Auskunft der Unteren Wasserbehörde des Kreises auch eine sogenannte Tiefenentwässerung. Weber: „Das bedeutet, dass man bei den Mönchen nicht nur einen Wasserüberlauf hat, sondern dass man stattdessen die Entwässerung aus dem unteren Bereich des Wassers vornimmt. Dazu müssten dauerhaft Leitungen verlegt werden.“ Der Kollege von der Unteren Wasserbehörde stehe dem Pulver auch sehr kritisch gegenüber, so Weber. „Einige Ausschussmitglieder hatten sich zwar von der Präsentation der Firma Söll begeistern lassen. Aber letztlich ließ sich das glücklicherweise noch abbremsen, damit wir nicht zu schnell losschießen“, so der Ausschussvorsitzende.

Entschlammung im Hausgraben ausprobieren

Laut Beschluss soll die Verwaltung die verschiedenen Verfahren nun gründlich miteinander vergleichen und dem Ausschuss noch einmal vorstellen. Gleichzeitig empfiehlt der Ausschuss der Stadt, die Untere Wasserbehörde und Experten mit einzubinden. „Dann wird noch mal neu entschieden. Die Idee ist, ein Verfahren auszuwählen und dieses zunächst im Hausgraben/Schulteich einzusetzen. Dafür wurden 12 500 Euro ins Budget genommen.“, fast Weber zusammen.

Teiche sollen künftig überwacht werden

Bereits Ende August wurde das Thema Teiche im Stadtentwicklungsausschuss behandelt. Der Ausschuss hatte beschlossen, ein Monitoring der Teiche einzuführen. „Bisher sind der Herrenteich und der Neuhöfer Teich sehr gut untersucht worden, aber die anderen Teiche hat sich bisher niemand gründlich angesehen“, weiß der Ausschussvorsitzende.

Neuer Teichpächter gesucht

Am 14. April 2019 läuft das Pachtverhältnis für die Reinfelder Teiche aus. Jetzt sucht die Stadt einen neuen Pächter, im November wird die Stelle öffentlich ausgeschrieben. Der Bewerber muss ausgebildeter Fischmeister sein. Er sollte ein Angebot zur Pachthöhe abgeben sowie ein Bewirtschaftungs- und Vermarktungskonzept einreichen. Eine Bewerbung für ein Pachtverhältnis wurde bereits bei der Verwaltung eingereicht.

Nun soll die Verwaltung in Zusammenarbeit mit Experten ein systematisches Konzept für die Beobachtung der Teiche entwickeln. „Damit man auch über die Jahre in der Rückschau gucken kann, wie haben sich die Teiche entwickelt.“ Dazu wurden weitere 5000 Euro eingeplant. „Meine persönliche Vorstellung ist, dass man die Überwachung intern in Reinfeld durchführen soll, weil es dauerhaft etabliert werden soll. Da kann man sicherlich mit den Laboren zusammenarbeiten, die jetzt schon bei der Kläranlage existieren“, schlägt Stefan Weber vor.

„Überdüngung ist ein großes Problem“

Das eigentliche Problem in den Reinfelder Teichen ist der hohe Nährstoffgehalt. „Die Teiche sind stark eutrophiert. Zum großen Teil sind es Einträge aus der Landwirtschaft. Überdüngung ist ein großes Problem.“ Erschwerend komme hinzu, wie Weber von einer Nabu-Expertin erfahren habe, dass es schon ursprünglich nährstoffreiche Flächen gewesen seien, die die Mönche aufgestaut hätten. „Es waren moorartige Vernässungsflächen mit Baumbewuchs.“

Britta Matzen

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