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Stormarn Reinfelder Teiche sollen auf den Prüfstand
Lokales Stormarn Reinfelder Teiche sollen auf den Prüfstand
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22:29 28.08.2018
In diesem Sommer Blaualgenalarm, auch in den Vorjahren gab es es Probleme mit dem Herrenteich. Schuld sind Einträge aus der Heilsau. Quelle: Fotos: Bma
Reinfeld

Stefan Weber (SPD), der neue Vorsitzende des Ausschusses für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr, der am Montag dieser Woche bei der ersten Sitzung in sein Amt eingeführt wurde, hat sich einen Bericht über den Zustand und die zukünftige Entwicklung der Reinfelder Teiche gewünscht. Daraufhin hat die Verwaltung eine umfassende Vorlage erarbeitet, die die Ausschussmitglieder auf den neuesten Stand brachte.

Wie ist es um die Reinfelder Teiche bestellt? Blaualgen, sinkende Wasserstände und die Befürchtung, dass den Karpfen der Sauerstoff ausgeht: Die Politik fordert jetzt einen Bericht über den Zustand der Gewässer.

„Die Reinfelder Teiche haben eine große Bedeutung für unsere Stadt. Sie sind zentraler Bestandteil der Identität Reinfelds als Karpfenstadt, sie dienen der Naherholung der Bevölkerung, erhöhen die Lebensqualität und sie besitzen eine wichtige ökologische Funktion für Flora und Fauna“, führte Weber das Thema ein. Zielsetzung sei eine Bestandsaufnahme zur Situation der Reinfelder Teiche und eine Beschlussfassung, um ein systematisches Konzept zu deren dauerhaften Überwachung zu entwickeln. „Zwar wurde im Laufe der Jahre einiges zusammengetragen, aber eine Überwachung gibt es bisher noch nicht“, so Weber. Mit dem Land solle auch geklärt werden, unter welchen Bedingungen eine Förderung der Reinfelder Gewässer denkbar wäre. „Zudem steht in den nächsten Monaten die Neuverpachtung eines Teils der Teiche an“, so Stefan Weber, da Teichpächter Alfred Wenskus aufhöre. Die Bedingungen für die Neuverpachtung müssten im Vorfeld festgelegt werden.

„Wir haben uns vor drei oder vier Jahren schon mal mit den Teichen befasst. Ein Punkt, der gar nicht angesprochen wurde, ist der bauliche Zustand der Mönche“, so Lorenz Hartwig (CDU). Es gebe für die Fischerei zwar viele Zuschüsse. Aber die Fördermittel werde man nur bekommen, wenn man bei der Wiederverpachtung darauf achte, dass es eine Berufs- und keine Nebenerwerbsfischerei sei. „Sonst fällt man bei den meisten Fördermitteln durch das Raster.“

Einen anderen Aspekt sprach Gerd Herrmann (SPD) an. „Am Runden Tisch gibt es Überlegungen, die Teichwirtschaft und die damit verbundene Historie für die Stadt aufzuarbeiten und sichtbar zu machen.“

Dafür könne es auch Zuschüsse geben, das sollte ebenfalls in die Überlegungen mit einfließen.

Dietmar Gosch (Grüne) plädierte für eine wirtschaftliche Nutzung der Teichwirtschaft. Er betonte auch, wie wichtig die Erfassung der Daten sei. „Die Untersuchung zum Herrenteich ist zehn Jahre alt.“

Gerade beim Herrenteich sei es wichtig, diesen unter die Lupe zu nehmen. So seien aktuell Blaualgen aufgetreten. „Auch in anderen Jahren ist der Herrenteich zwar nicht umgekippt, aber das Wasser war problematisch. Das ist größtenteils auf die Einleitungen der Heils-

au zurückzuführen.“ Da solle man durchaus mal beim Kreis anklopfen, ob dieser Geld locker machen könne, da die Stadt wenig Einfluss auf die Einträge habe.

Björn Dunkelgut (Wir) sprach sich ebenfalls für eine kommerzielle Nutzung der Teichwirtschaft aus. „Das Hauptproblem sehe ich darin, dass wir über Jahrzehnte nicht in die Erhaltung investiert haben.“ Aber angesichts der umfangreichen Projekte, die derzeit in der Stadt anstünden, wisse er auch gar nicht, woher man die Mittel für eine Sanierung der Teiche nehmen solle. Vor zwei Jahren habe die Stadt viel Geld in die Hälterbecken investiert, um sie zu säubern und auszubaggern. „Aber der Mönch ist kaputt, der Wasserstand zu niedrig, und der Erfolg der Maßnahme gerät in Gefahr.“ Für die nächste Investition sollte man einen Plan aufstellen und Reihenfolgen beachten, so Dunkelguts Hinweis, um einen erneuten Misserfolg zu vermeiden. Was den Teichpächter betreffe, werde es nicht leicht sein, einen Nachfolger zu finden. „Die Flächen, die man für einen wirtschaftlichen Betrieb braucht, sollte man nicht noch künstlich reduzieren.“

Einig waren sich alle Fraktionen darin, dass man saubere Gewässer wolle, die ökologisch in einem guten Zustand seien und der Naherholung dienten. Gleichzeitig soll die Teichwirtschaft weiter betrieben werden. Darüber, wie der Pachtvertrag gestaltet werden soll, wurde viel diskutiert. „Doch wir werden sicher nicht von Interessenten überrannt werden. Wir können froh sein, wenn wir ein, zwei Bewerber bekommen. Deswegen möchte ich dafür plädieren, dass wir keine Anforderungen stellen, die jeden wirtschaftlichen Betrieb abwürgen“, so Bürgermeister Heiko Gerstmann. Die Fischerei sei ohnehin sehr schwierig durch Otter und Vögel, die einen Großteil der Fische vertilgten, ergänzte Hartwig. Aber eins sei auch klar: „Ohne Karpfen machen eine Karpfenstadt und die Feste und Veranstaltungen rund um den Karpfen wenig Sinn.“

Einstimmig legte der Ausschuss fest, dass die Verwaltung beauftragt wird, ein Konzept für eine dauerhafte Überwachung der Biotopsituation aller Reinfelder Teiche sowie der Qualität der Einleitungen und Zuflüsse zu erarbeiten. Einmal jährlich soll die Stadt dem Ausschuss berichten.

Von Britta Matzen

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