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Stormarn Wie Ove Kröger zum Youtube-Star wurde
Lokales Stormarn Wie Ove Kröger zum Youtube-Star wurde
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12:15 03.11.2018
Batteriebetriebene Autos gibt es inzwischen mit allem Schickimicki - sogar mit Flügeltüren. Hier Youtube-Star Ove Kröger mit seinem Tesla Model X, den er gerade gebraucht erstanden hat. Quelle: Britta Matzen
Reinfeld

 „Moin, ich bin Ove von T&T Tesla!“ So begrüßt Ove Kröger seine Zuschauer auf Youtube. Im Mai 2017 ist der Reinfelder Kaufmann auf die Idee gekommen, einen eigenen Youtube-Kanal zu gründen, um seine frische Liebe zu promoten: zu batteriebetriebenen Autos. „Elektromobilität ist die Zukunft“, ist Kröger überzeugt. Auch wenn sich die Deutschen noch mit Händen und Füßen dagegen wehrten.

Sein Kanal schoss durch die Decke

Damit hat der gebürtige Lübecker offensichtlich den Nerv der Zeit getroffen. Von Null auf knapp 23 000 Abonnenten – sein Kanal ist in kurzer Zeit durch die Decke geschossen.

Wie Kröger das geschafft hat, erstaunte sogar Youtube. „Die Macher des Video-Portals sind auf mich zugekommen und haben gefragt, ob sie was für mich tun können. ,Klar können Sie’, habe ich geantwortet“, sagt Ove Kröger und lacht. Youtube habe ihm daraufhin Tipps gegeben, wie er mit seinem Kanal über Elektroautos noch erfolgreicher werden könne. „Leben kann ich von meinem Kanal leider nicht.“ Rund 200 Euro habe er monatlich als Einnahmen. „Aber wenn ich vor sieben Jahren angefangen hätte, als Youtube gegründet wurde, dann hätte ich heute Millionen“, so der 49-Jährige. Von morgens um sieben Uhr bis Mitternacht beschäftigt sich Ove Kröger mit Elektroautos. Schließlich müsse man Ahnung von der Materie haben, wenn man einen Youtube-Kanal unterhalte. „Ich kann ja schlecht als Blödmann rüberkommen.“

Nebenbei kümmert sich Kröger um seinen eigentlichen Job: Autos verkaufen, und zwar alte US-Cars wie Ford Mustang, Corvette Stingray oder Dodge Charger. „Aber das leidet schon ein bisschen. So einen leeren Hof hatte ich noch nie.“ Zum Glück komme bald eine neue Lieferung aus den USA an.

 

Vom Drag-Racer zum E-Autonarr: Kaufmann Ove Kröger aus Reinfeld fuhr früher immer nur Autos mit mindestens sechs Zylindern. Heute ist er batteriebetrieben unterwegs.

Schon als Steppke guckte er aufs Tacho

Schon als kleiner Steppke begeisterte sich Kröger für Autos. „Mit fünf Jahren fing das an. Ich stand vor den Autos, die die meisten Auspuffrohre hatten, ob Jaguar E-Type oder Porsche. Ich guckte immer aufs Tacho. Wenn da mehr als 200 draufstand, war das für mich der Hammer.“ Als Achtjähriger schraubte der gebürtige Lübecker schon an Fahrrädern herum, als 13-Jähriger an Mofas, später an Motorrädern und Autos. „Das mit den Modifikationen ist bis heute geblieben.“ Krögers erstes Auto war ein Ford Granada, 2,3 Liter, V 6, Automatik, Baujahr 78 in Blau-Metallic. „Ich habe nie ein Auto unter sechs Zylindern gefahren, eher immer mit acht.“ Starke Motoren, das musste einfach sein, auch wenn sein ganzes Lehrgeld dabei drauf ging und keine Mark für Partys übrig blieb.

Drag Racing: Aus dem Stand Vollgas

Zehn Jahre fuhr Kröger sogar professionell Drag Racing in Europa. Das sind Beschleunigungsrennen mit speziell konstruierten Fahrzeugen. Aus dem Stand Vollgas, so lautet dabei das Motto. „Meine Bestzeit war damals 7,5 Sekunden auf der Viertelmeile. Das ist eine Beschleunigung von 1,6 Sekunden auf 100“, so Kröger. Sein Dragster war 1500 PS stark. „Der hatte richtig Punch. Da muss man sehen, dass man auf der Strecke bleibt.“ Von Haus aus ist Holz eigentlich Krögers Werkstoff. „Ich habe Tischler gelernt und anschließend studiert, weil mein Vater eine Tischlerei hatte. Die sollte ich übernehmen. Aber während meiner Studienzeit gab mein Vater den Betrieb auf – zum Glück. Eigentlich das Beste, was mir passieren konnte. Danach konnte ich selbst entscheiden, was ich mache.“

Händler für alte Straßenkreuzer

In der Garage an Autos herumzubasteln, das war das, wofür Ove Kröger wirklich brannte. So wurde er schließlich Autohändler für Vintage-US-Cars. Aktuell stehen in seiner Fahrzeughalle drei Modelle aus den 30er Jahren, ein 76er Stingray, ein 70er Cadillac Eldorado mit original 33 000 Meilen. „Den habe ich aus Arizona importiert. Das war damals das Teuerste, was man kriegen konnte. Das Besondere an dem Coupe: Er hat Frontantrieb“, so Kröger. Seine Kundschaft komme aus ganz Europa. Zweimal im Jahr fliegt der Reinfelder Händler für mehrere Wochen in die USA, um die Oldtimer auszusuchen. Bis vor Kurzem fuhr er selbst auch einen dieser alten Benzinschlucker. „Aber dann hat mich mein Neffe vor zweieinhalb Jahren angerufen, der in Hamburg arbeitet und einen Opel Ampera auf dem Hof hatte. „,Komm mal vorbei, den musst du unbedingt mal fahren’, meinte er.“

„Scheiß Elektroautos!“

Schwachsinn, habe Kröger geantwortet. „Scheiß Elektroautos! "Schließlich habe er sich aber doch breitschlagen lassen. „Ich war überwältigt, dass so ein E-Auto so einen Anzug hat und gleichzeitig so leise ist. Man beschleunigt ohne Lärm. Das fand ich faszinierend.“ Kröger habe sich anschließend auf die Suche gemacht. Ein „fettes E-Auto“ wollte er haben. Tesla war damals noch unerschwinglich. Eine sportliche E-Limousine mit Plug-in-Hybrid wurde es schließlich: Fisker Karma. Kröger: „Ein wunderschönes Auto. Die Marke kennt hier kaum jemand.“ Aber was den Autoexperten störte, war die Umschaltung von Batteriebetrieb auf Motor. „Man gewöhnt sich schnell an das lautlose Beschleunigen. Motorengebrumme nervt dann.“ Das nächste E-Auto wurde ein gebrauchter Tesla.

 

E-Tankstellen in der Nähe

Wo ist die nächste E-Tankstelle? Das lässt sich ganz einfach mit Hilfe einer App rausfinden. Hier sind die Ladestationen in Reinfeld und Umgebung: Reinfeld: Autobahnraststätte Trave, Famila (Gewerbegebiet A1), Marktstraße 1 Bad Oldesloe: Jenny Speichertankstelle, Lily-Braun-Str. 1 a, Vereinigte Stadtwerke, Lübecker Straße 56, Parkplatz Exer.

Mittlerweile hatte Kröger bereits eine regelrechte Leidenschaft für E-Autos entwickelt. Er besuchte Foren, trat Facebook-Gruppen bei, verschlang Literatur zum Thema und wurde selbst zum Experten. Zusätzlich ließ er sich von Tesla in Sachen Technik ausbilden. Vor anderthalb Jahren gründete er seinen eigenen Youtube-Kanal „T&T Tesla Ove Kröger“, um auch anderen Autofahrern Elektromobilität nahe zu bringen.

Ladezeiten, Reichweite, Preise

„Mein Hauptaugenmerk ist Technik. Ich möchte den Leuten zeigen, dass sie vor so einem Auto keine Angst haben müssen.“

146 Videos hat Kröger mittlerweile gedreht und hochgeladen. Ob es um Ladezeiten geht, um den Umbau eines Oldtimers zum E-Auto, um cooles Tuning, Gebrauchtwagenchecks oder um ein Rennen zwischen einem Ford Hot Rod aus den 30ern und einem Tesla –Kröger widmet sich den verschiedensten Themen rund um E-Autos und beweist dabei echtes Talktalent. Tesla steht zwar im Mittelpunkt, aber immer wieder nimmt der Stormarner Geschäftsmann auch andere Marken unter die Lupe. Vor allem die Kriterien Reichweite, Ladezeiten und Preis spielten bei den Stromern eine Rolle. „Reichweitenangst muss man zum Beispiel gar nicht haben, weil es überall in Europa Stationen gibt, wo man kostenfrei laden kann.“ Was Ove Kröger persönlich mit am schönsten am elektrischen Fahren findet: die Beschleunigung. „Das ist einfach cool. Wenn du an der Ampel stehst, losfährst und das Ding schießt einen in den Sitz, das fand ich schon immer gut.“  

Britta Matzen

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