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Stormarn Tagebuch auf LN-Kalendern
Lokales Stormarn Tagebuch auf LN-Kalendern
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15:35 24.11.2018
Hannelore Mielenz aus Reinfeld hat die Jahreskalender mit Lebensereignissen versehen und seit 1969 gesammelt. Quelle: SUSANNA FOFANA
Reinfeld

„Der 50. Kalender, wie schön“, dachte sich Hannelore Mielenz (85) aus Reinfeld, als sie den LN-Jahreskalender für das Jahr 2019 morgens in den Lübecker Nachrichten entdeckte. In einem dicken Leitz-Ordner hat die LN-Leserin die Jahresübersichten seit 1969 verwahrt. Die fein säuberlich eingetragenen Notizen darin machen die Kalender-Sammlung zu einem ganz besonderen Tagebuch.

„Da steht sogar drin, wann wir in der Hüxstraße beim Italiener zum Essen waren“, sagt sie beim Blättern in ihren Lebenserinnerungen zu ihrem Sohn Stefan Hillgruber, während ihr Blick beim 16. November 2006 verweilt. „Eine schwere Grippe. Ohgottogott“, entdeckt sie als Nächstes. Und dann den Tag, an dem ihre beste Freundin ins Heim kam. „Da steht sogar drin, wann ich meinen Pflaumentopf 1979 angesetzt habe“, erzählt sie lachend.

„Das ist wie ein Tagebuch. Da steht drin, wer da war, was man gemacht hat. Irgendwie ist es toll“, ist die Reinfelderin selbst ganz begeistert von ihrem Sammelordner, der an die wichtigsten Ergebnisse ihres Lebens in den letzten rund 50 Jahren erinnert. „So was behält man ja gar nicht“, ist sie sich sicher.

„Mit wenigen Notizen fing es an“, erläutert die 85-Jährige. Dazu gehörte, wer wann Geburtstag hat und wann der erste Schnee fiel. Wir schauen sofort nach und sehen, dass es 1970 am 6. November zum ersten Mal geschneit hat. 1987 hat sie für Reinfeld Minus zehn Grad festgehalten Schnee und Schneesturm 1979/80 sind natürlich auch in den abgehefteten blau-weißen Kalender notiert.

Dazu gesellen sich „alte Klassentreffen und lauter so Sachen. Es macht Spaß, darin zu blättern“, findet die Reinfelderin. Mielenz hat vermerkt, wann ihr Wellensittich und ihre Katzen gestorben sind oder die erste Kartoffelernte im eigenen Garten stattfand. „Das ist schon toll“, erinnert sie sich beim Blättern auch an viele schöne Momente. Wie Ausflüge mit der Motorjacht „Biber“, unzählige Nordsee-Urlaube in St. Peter oder „5 Jahre Gärtnerei.“

Die gebürtige Lübeckerin zog zwar bereits 1972 nach Reinfeld. Ging dann aber doch für sieben Jahre zurück nach Lübeck, um mit ihrem Mann und den zwei Söhnen eine Gärtnerei am Berliner Platz in St. Jürgen zu führen. „Es hat viel Spaß gemacht, war aber auch hart“, erinnert sie sich an die Zeit. Die Familien-Gärtnerei war gegründet worden, nachdem ihr jüngster Sohn Friedhofsgärtner gelernt hatte. „Als mein Mann 1993 krank wurde, mussten wir die Gärtnerei aufgeben“, berichtet Mielenz.

Nach dem Verkauf der Gärtnerei ging es zurück nach Reinfeld. Ursprünglich hatte Hannelore Mielenz nach der Schulzeit als Berufswunsch Krankenschwester. Doch stattdessen musste sie den Friseurberuf erlernen. Der Grund: ihr Vater führte damals einen Friseursalon in Schlutup. „Eine Tochter meines jüngsten Sohnes macht jetzt das, was ich mal wollte“, sagt sie. Eines von insgesamt sechs Enkelkindern.

Ihre Lebensereignisse hält Hannelore Mielenz aus Reinfeld seit 1969 auf Jahresplanern fest. Der nächste LN-Kalender für 2019 liegt schon bereit, der 50.

Ihr älterer Sohn Stefan Hillgruber hat von der Kalender-Sammlung seiner Mutter ganz besonders profitiert. Er schreibt nämlich seit eineinhalb Jahren an einem Buch über seine Kindheit und Jugend in Lübeck und an der Familiengeschichte. „Einige Daten konnte ich im Text noch ergänzen“, sagt er. Wie zum Beispiel „meine erste Nachhilfestunde in Englisch“, die er im LN-Jahreskalender aus dem Jahr 1990 entdeckte. Fünf Generationen seiner Familie lebten in der Lübecker Innenstadt im einstigen Familiendomizil Tünkenhagen 22. Dort sind sowohl seine Großmutter, als auch seine Mutter, er selbst und sein Bruder geboren.

Sein Geburtshaus, das 1993 verkauft wurde, ist für Hillgruber der Angelpunkt seiner Kindheitsgeschichte. „Meine Mutter ist meine beste Quelle“, verrät er. Einen großen Teil der Geschichte schrieb er zwar aus seinen eigenen Erinnerungen. Doch für Daten und die Dinge vor seiner Geburt zog er seine Mutter stets zurate. Der gelernte technische Zeichner, der schon als Taxifahrer, Gärtner und sogar als Kindergärtner im Oldesloer Waldorfkindergarten arbeitete, lebt bereits seit 22 Jahren in Groß Niendorf im Kreis Segeberg.

„Ich versuche, mich als Fotokünstler zu etablieren“, sagt er. Diverse Ausstellungen hat er bereits mit seinen Bildern bestückt. Gerade laufen die Vorbereitungen für die nächste in Marne. Beim Kunsthandfest in Barnitz war er mit den Serien „Elementargeister“ und „Zeichensprache“ in der Werkstatt von Bildhauer Thomas Helbing vertreten. Im nächsten März stellt er in Lübeck bei der Kunsttankstelle Defacto Art aus.

„In alten Sachen herumbuddeln mache ich irgendwie gerne“, erläutert Hannelore Mielenz. Auch einige alte Zeitungen aus den Jahren 1925 und 26, als die LN noch Lübecker Generalanzeiger hießen, hat sie gesammelt. Doch am wichtigsten sind ihre Jahreskalender. „Der von 2018 hängt in der Küche. Der ist besonders voll dieses Jahr“, verrät Mielenz. „Da sind Sie“, sagt sie dann zu mir und zeigt mit dem Finger auf das Datum von heute. „LN“ steht dort. Und ein fettes Ausrufezeichen dahinter. Sie betont schmunzelnd: „Dat mutt sin.“

Susanna Fofana

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