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Reinfelds Gewerbegebiet total vermüllt

Reinfeld Reinfelds Gewerbegebiet total vermüllt

Ideale Einkaufsmöglichkeiten locken Lastwagenfahrer an — sie lassen ihre Abfälle aber einfach liegen. Anwohner sind empört.

Als Folge der Hinterlassenschaften kämen Ratten, und die Krähen würden zu Tausenden einfliegen, sich über die Lebensmittelreste hermachen und sie noch weiter verstreuen, berichten Anlieger.

Quelle: LN

Reinfeld. Der Haufen benutzter Taschentücher, die leeren Gurkengläser, Milchtüten und Wodkaflaschen: Was der Barnitzer Udo Reichle-Röber im Reinfelder Gewerbegebiet neben der Autobahn entdeckte, hat ihn empört. Aber derlei gehört noch zu den harmloseren Hinterlassenschaften pausierender Lastwagenfahrer. Sie nutzen die Wiesen dort als Toilette.

„Ekelhaft“, sagt Bürgermeister Heiko Gerstmann.

Doch er kann eine gewisse Ratlosigkeit nicht verhehlen, wie der Unrat neben der Autobahn verhindert werden kann. Das Problem ist nicht neu, aber es wird immer größer. „Manchmal“, sagt Architekt Jörg Carstens, „stehen hier 50 Lastwagen.“ Sie fahren so über die Plattenwege, dass die schon tiefe Senken haben. Sie haben junge Bäume entwurzelt. Stromanschluss-Kästen werden regelmäßig umgefahren. „Das ist lebensgefährlich“, sagt der mit seiner Firma neu angesiedelte Kältetechniker Bernd Hauschild. Einkaufswagen von Aldi und Famila blieben regelmäßig in den Parkbuchten stehen. Schon seiner Kunden wegen hat Unternehmer Hauschild selbst den Müll eingesammelt und ganze Züge von Einkaufswagen zurückgeschoben.

Die Parkbuchten gegenüber seiner Firma hat er jetzt kurzerhand durch drei mit Erde gefüllte Betonringe für lange Lastwagen unbenutzbar gemacht. Die augenscheinlich nachhaltigste Lösung gegen die Vermüllung. „Hundert Meter weiter, wo kein Betonring steht, liegt deutlich mehr Müll“, sagt der Unternehmer. Doch diese Form der „Vergrämung“, wie der Bürgermeister es nennt, verlagere das Problem.

Manche Brummis parken jetzt kurzerhand komplett auf dem Gehweg. Und aus dem Kabinenfenster lassen Hände weiterhin leere Verpackungen fallen.

Als Folge solcher Hinterlassenschaften kämen Ratten, und die Krähen würden zu Tausenden einfliegen, sich über die Lebensmittelreste hermachen und sie noch weiter verstreuen, berichten Anlieger.

Später verdreckten die Vögel dann auch noch nahe gelegene Solardächer mit ihremKot.

Die Nummernschilder der parkenden Brummis seien oft osteuropäischer Herkunft, weiß Heiko Gerstmann. Es seien nicht die Anlieferer der ortsansässigen Firmen, die den Müll verursachten. Vielmehr biete sich das Nächtigen in Reinfeld für Durchreisende an, weil die verbleibende Fahrtzeit zu den Fähren in Travemünde gut kalkulierbar sei. Ein weiterer Magnet sei die Nähe zu Aldi und Famila. Auf der anderen Seite, im Stubbendorfer Gewerbegebiet sei das Problem nicht so ausgeprägt, „weil der Weg in die Supermärkte den Fahrern von dort zu lang ist“.

Nicht einmal Toiletten helfen.

Im vergangenen November gab es ein gemeinsames Nachdenken über eine Lösung. Aber ohne ein greifbares Ergebnis. „Erst haben wir an Dixi-Toiletten gedacht“, berichtet Gerstmann von dieser Zusammenkunft. Aber nach eigenen Erfahrungen mit städtischen Müllkörben und den Erfahrungen des Bäckerei-Drive-Ins sowie des Hamburger-Bräters sei man davon abgekommen, „weil die Fahrer deren Toiletten in einem schlimmen Zustand hinterlassen haben“. Sie seien dort jetzt nicht mehr willkommen.

Die Ratlosigkeit erstreckt sich zudem auf die Kontrollmöglichkeiten. „Wenn wir als Stadt kontrollieren, bringt das nichts, weil Deutschland mit diesen Ländern kein Abkommen zum Einlösen der Strafzettel hat.“ Zudem sei der Umgangston einiger Fahrer recht harsch, und die Knöllchen der Stadt würde eine Frau verteilen.

Die beste Lösung wäre ein Autohof in Reinfeld, glaubt der Bürgermeister. Die Chancen darauf stehen schlecht, weil Stormarns Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft bereits einen solchen Hof schon am Autobahnkreuz Bargteheide plant. Im März, schätzt der neue Geschäftsführer Detlev Hinselmann, könnten die Ergebnisse der dazu laufenden Gespräche vorliegen.

Schlecht steht es zudem für den Vorschlag von Landrat Klaus Plöger, die von den Autobahnbauern angelegten ehemaligen Beton- Brechplätze in Parkplätze umzufunktionieren. „Das wäre wirtschaftlich nicht darstellbar“, sagt Klaus Kucinski, beim Kreis Stormarn zuständig unter anderem für Verkehr und Umwelt. „Das wäre teuer und nicht mal eben so machbar. Die Fahrgeometrie, Länge und Breite sowie die Zufahrten würden nicht passen.“ Es zeichne sich ab, bestätigt Jens Sommerburg vom Landesamt für Straßenbau, „dass dies so nichts wird“.

„Aber es ist nicht Aufgabe einer Kommune, für ausreichend Parkplätze an den Autobahnen zu sorgen“, argumentiert Reinfelds Bürgermeister. Die Polizei habe auf seine Bitte, im Gewerbegebiet häufiger — am besten täglich — zu kontrollieren, schon abgewinkt. „Zu wenig Personal“, sagt Gerstmann. Und ein Sicherheitsdienst scheide aus, weil es sich bei den Kontrollen um hoheitliche Aufgaben handele.

Seine Hoffnungen gelten nun den Neuansiedlungen neben der Autobahn. Ein Pferdesport-Zubehörhändler habe gerade die Baugenehmigung erhalten. Ein Hochdruckreiniger-Hersteller kommt, und eine Tankstelle entsteht. Diese Firmen hätten Einfahrten, vor denen nicht geparkt werden kann. Für die nur durchreisenden Brummi-Fahrer werde es dann eng. Und ein Autohof selbst beim Bargteheider Kreuz, glaubt Wirtschaftsförderer Hinselmann, „bringt spürbare Entlastung für Reinfeld“.

Ausweitung im Gespräch
Mehr als 20 Hektar ist das inzwischen erweiterte Gewerbegebiet neben der Autobahn in Reinfeld groß. Nach zögerlichem Beginn kam der große Durchbruch mit der Ansiedlung von Famila.
Namhafte Firmen vieler verschiedener Branchen haben sich dort angesiedelt. Und die Nachfrage ist wegen der verkehrstechnisch günstigen Lage weiter ungebrochen. Deshalb denken die Reinfelder und die Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft bereits laut über eine Ausweitung des Gebietes nach. Der Preis dafür ist freilich noch mehr Verkehr.

Uwe Krog

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