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Stormarn Reinfelds Rohre werden durchgespült
Lokales Stormarn Reinfelds Rohre werden durchgespült
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21:14 12.09.2016
Blick durchs Rohr: Bevor die Wasserwerker anrücken, weisen sie auf ihr Kommen hin. Quelle: Uwe Krog

Frisch, klar, hygienisch unbedenklich und von gutem Geschmack soll Trinkwasser gemäß der Trinkwasserverordnung sein. Deshalb schieben Reinfelds Wasserwerker derzeit lange Nachtschichten. Sie spülen das Rohrnetz der Stadt und der umliegenden Gemeinden im Wasserbeschaffungsverband Reinfeld-Land bis ins Lauenburgische durch.

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Die Wasserwerker befreien derzeit das 220 Kilometer lange Trinkwasser-Netz von Ablagerungen.

„Durch Stoßbelastungen im Rohrnetz kommt es dabei zu allerdings unbedenklichen Beeinträchtigungen des Trinkwassers“ beschreibt Felix Bremer als technischer Leiter des Wasserwerks das Vorgehen.

Während sein Kollege Karsten Jensen den Hydranten öffnet und das Wasser durch einen Schlauch ins nächste Regenwassersiel schießt und ins Regenrückhaltebecken abgeleitet wird, erkennt die automatische Wasserwerkssteuerung einen Druckabfall und pumpt Wasser nach.

„Auf bis zur sechsfachen Geschwindigkeit wird es beschleunigt“, weiß Bremer. Statt 20 Kubikmeter kämen jetzt 120 Kubikmeter durch die zu spülende Leitung. Der Spülprozess ähnelt dem Phaenomen, das die Wasserwerker von Halbzeitpausen wichtiger Fußball-Länderspiele kennen. „Wenn alle gleichzeitig auf Toilette gehen“, sagt Bremer. „Oder wenn die Feuerwehr bei einem Brand große Wassermengen verbraucht.“

Und plötzlich ist durch das Sichtfenster, das dem Hydranten nachgeschaltet ist, nur noch schwarz-braune Brühe zu sehen. Das ist der Grund für die Spülung. Im Laufe eines Jahres setzen sich durch Sauerstoff oxidierendes Eisen, Mangan und Kalk an den Wandungen der Rohre ab und verfärben sich. Der hohe Wasserdruck und die Fließgeschwindigkeit reißen diese Ablagerungen mit sich.

Erst wenn Wasserwerker Dietmar Nilson die Probe in seinem „Imhofftrichter“ analysiert hat und das Wasser wieder klar aussieht, ist die Spülung beendet. Das kann Stunden dauern. Manchmal geht es aber auch sehr viel schneller, wie kürzlich in der Berliner Straße. Etwas länger dauerte es im Fuhlbrucksberg am äußersten Rand der Stadt. Die Verfärbungen waren auch deutlich kräftiger, „weil“, wie Probennehmer Nilson erklärte, „es sich um einen Endstrang handelt, der nicht soviel durchspült wird.“

Einmal im Jahr sind die Reinfelder Wasserwerker in dieser Mission unterwegs. „Meist bis in den frühen Morgen, wenn die ersten Leute aufstehen“, berichtet Nilson. Für knapp 17000 Menschen befreien sie die Leitungen von Ablagerungen in einem System unter der Stadt und umliegenden Gemeinden. Es besteht aus zwei Hauptsträngen und zahlreichen Verästelungen besteht. Hunderte Schieber müssen Nacht für Nacht bewegt werden. Bevor sie in den verschiedenen Stadtvierteln zu Werke gehen, werden die Anwohner per Zeitung und Internet informiert. Aber weil die Wasserwerker erst am späten Abend loslegen, bekommen die meisten Reinfelder von der Spülung nichts oder nur wenig mit. „Wenn jemand aber gerade die Waschmaschine angeschaltet hat und die Wäsche sich durch die Ablagerungen verfärbt, ist das nicht schlimm“, sagt Felix Bremer. „Einfach die Wäsche feucht lassen und nochmal waschen“, rät er.

Wenn die Kollegen mal Durst haben auf ihren nächtlichen Touren von Hydrant zu Hydrant, zapfen sie selber gern einen Becher mit Wasser ab. „Bestes Reinfelder Trinkwasser aus Brunnen, die bis in eine Tiefe von 90 Metern in den Boden reichen“, sagt Probennehmer Nilson. Es kommt mit idealen elf Grad aus der Erde, und es ist 1600 bis 4800 Jahre alt, stammt aus der letzten Eiszeit im Barnitztal. Im kommenden Jahr nun, weiß der technische Wasserwerk-Leiter, soll ein weiterer Brunnen im Naturschutzgebiet gebohrt werden. „Vorsichtig müssen wir dabei vorgehen, um die Tierwelt nicht zu stören.“

Stillstand kennen die Männer nicht. In den vergangenen sechs Jahren wurde ein Großteil der Armaturen, Schieber und Hausanschlussleitungen in dem System mit seinen 220 Kilometern Länge erneuert.

Und dann ist es wieder früher Morgen. In Reinfelds Badezimmern flackern die ersten Lichter auf. Wasserwerker Jensen dreht den Hahn des letzten Hydranten wieder zu. Ganz langsam, um Druckstöße zu vermeiden. Wie jeden Morgen – bis in den Oktober.

Hier gibt es Auskunft

Gespült wird noch bis in den Oktober hinein immer montags bis freitags von etwa 21 Uhr am Abend bis in den frühen Morgen gegen 6 Uhr. Die Anwohner werden vorab informiert, wann ihre Straße an der Reihe ist. Auskünfte erhalten sie von Montag bis Donnerstag von 8 bis12 Uhr sowie von 14 bis 15 Uhr. Am Freitag von 8 Uhr bis 11 Uhr unter Telefon 04533/2056260 oder -/2056222. Außerhalb der Dienstzeit lautet die Notrufnummer 0451 / 48445408.

 Uwe Krog

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