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Reinfelds Taufengel ist auf dem Weg der Genesung

Reinfeld Reinfelds Taufengel ist auf dem Weg der Genesung

In Lübeck wird er für die kommenden Jahrzehnte fit gemacht.

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Catherina Staiger (l.) arbeitet hier mit einem Heizspachtel, eine Art Bügeleisen. Firmenchefin Britta Butt: „1981 wurde der Engel das letzte Mal restauriert.“

Reinfeld/Lübeck. . Der Patient ist schon halb wieder gesund. „Zu Weihnachten wird der Reinfelder Taufengel wieder an seinem angestammten Platz hängen“, verspricht die Kunsthistorikerin Britta Butt, deren Firma die Restaurierung des Engels übernommen hat.

LN-Bild

In Lübeck wird er für die kommenden Jahrzehnte fit gemacht.

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Bäuchlings ruht die Figur derzeit auf dem Tisch der Restauratorin Catherina Steiger im Lübecker Spargelhof. Sie verteilt einen speziellen Leim aus der Fischblase unter die hochstehenden Farbschollen auf dem hölzernen Körper des Engels und greift zu einer Art Bügeleisen, einem sogenannten Heizspachtel, um die alte Farbschicht wieder fest anzudrücken. „Das drohende Abplatzen der Farbe ist durch das Raumklima in der Kirche bedingt“, weiß Kunsthistorikerin Butt.

Der Reinfelder Taufengel hat mehrere solcher vom Zahn der Zeit angenagten Stellen. Seine „Haut“ ist an an einigen Fingern, an den Flügelinnenflächen und am Oberschenkel schon gänzlich abgeplatzt. Auf diese „Fehlstellen“ wird die Restauratorin Leimkreide-Kitt auftragen und retuschieren. Wichtig dabei ist, den richtigen Farbton zu treffen.

Die Firma Butt ist die einzige weit und breit, die auf die Restaurierung von Kunstobjekten aus Holz, Gemälde und Skulpturen spezialisiert ist. Neben dem Engel ist gerade ein wertvolles niederländisches Gemälde, das einen Riss hatte, fertig geworden. Einen Tisch weiter wartet ein Epitaph, eine Säule, aus Meldorf auf ihre Konservierung. Oftmals gehen die Spezialistinnen auch in Kirchen, Schlösser und Herrenhäuser, um etwa Stuckdecken oder Wandgemälde aufzubessern. Eine stille Arbeit, die höchste Präzision und handwerkliches Geschick erfordert. Etwas, was die Reinfelder Kirchenleute an den Lübecker Fachleuten sehr schätzen.

Der restaurierte Engel, der zuvor 1963 das letzte Mal frische Farbe bekommen hatte und im Jahr 1981 das letzte Mal restauriert worden war, soll noch viele Jahre halten“, sagt die Kunsthistorikerin.

Der Engel ist eigentlich ein Hanseat, war 1776 von dem Lübecker Bildhauer Diedrich Jürgen Boy erschaffen worden. Ein ähnliches Exemplar fertigte er auch für die Zarpener Kirche, und er schuf die Figuren der Lübecker Puppenbrücke.

Der Kirchengemeinderat hatte seine Restaurierung in Auftrag gegeben, „weil er dringend gereinigt werden muss“, berichtete Marlies Stolp, als die Figur vor wenigen Wochen abgehängt und nach Lübeck gefahren wurde. Hauchdünnes Japanpapier hatten die Fachfrauen aus Lübeck auf die hochstehende Farbe gelegt, um die Malschicht zu bewahren. Kräftige Männer halfen, die gut 30 Kilogramm wiegende Figur weich und sicher im Transporter zwischenzulagern.

6000 Euro soll die Restaurierung kosten. „Das Geld kommt aus dem Erlös des Talentefestes im Vorjahr“, berichtet Kirchengemeinderätin Marlies Stolp. Es gibt aus dem Basar der Frauengruppe „Handarbeit am Nachmittag“. Die Frauen veranstalten ihn am ersten Advent. Zudem hat die Reinfelder Gemeinde einen Zuschuss vom Kirchenkreis in Aussicht. Nur die Kette, die von der Decke der Matthias-Claudius-Kirche baumelt, erinnert derzeit an den fliegenden Enge. Marlies Stolp hofft nun inständig auf seine Rückkehr bis zu den Festtagen, zumal die Organisation der Restaurierung ihre letzte große Aktion als Kirchengemeinderätin war. Sie kandidiert bei den Wahlen am 1. Advent nicht mehr. „Bis Weihnachten“, sagt Restauratorin Steiger, „schaffen wir das.“

Charme vergangener Zeiten

Einen ähnlichen Taufengel wie den in Reinfeld gibt es noch in der Kirche von Zarpen. Er stammt von demselben Lübecker Künstler Diedrich Jürgen Boy. Taufengel kamen im 18.

Jahrhundert sehr in Mode, ihre Blütezeit hielt etwa bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Reinfelder Engel mit seinen 30 Kilogramm hat seinen Standort in der Kirche mehrfach mehrfach gewechselt.

Vor seinem jetzigen Platz schwebte er neben der Orgel. Irgendwann war auch mal der Holzwurm drin. „Aber der“, sagt Kunsthistorikerin Butt, „ist inzwischen ausgezogen.“

Uwe Krog

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