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Stormarn Reinfelds Taufengel ist zur Kur: Figur wird in Lübeck restauriert
Lokales Stormarn Reinfelds Taufengel ist zur Kur: Figur wird in Lübeck restauriert
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10:33 25.10.2016
Catherina Staiger von der Firma Butt-Restaurierungen ist auf solche Fälle spezialisiert. Mit Pinsel und Wattestäbchen frischt sie die Figur wieder auf.

Jetzt hängt nur noch die Kette von der hohen Decke herunter. Der Taufengel der Reinfelder Matthias-Claudius-Kirche ist weg. Restauratorin Catherina Steiger und Kunsthistorikerin Britta Butt haben ihn mitgenommen nach Lübeck. „Er muss dringend gereinigt werden“, sagt Marlies Stolp vom Kirchengemeinderat.

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Catherina Staiger von der Firma Butt-Restaurierungen ist auf solche Fälle spezialisiert. Mit Pinsel und Wattestäbchen frischt sie die Figur wieder auf.

Außerdem ist die Farbe an einigen Fingern, an den Flügelinnenflächen und am Oberschenkel abgeplatzt. Andere Stellen haben die Fachfrauen vorsorglich mit hauchdünnem Japanpapier abgedeckt, um die Malschicht zu bewahren. Dort könnte die Farbe bald abplatzen. Und das soll unbedingt vermieden werden.

1776, weiß Kunsthistorikerin Butt, sei dieser Taufengel von dem Lübecker Bildhauer Diedrich Jürgen Boy erschaffen worden. Ein ähnliches Exemplar fertigte er auch für die Zarpener Kirche, und er schuf die Figuren der Lübecker Puppenbrücke.

Taufengel kamen im 18. Jahrhundert sehr in Mode, ihre Blütezeit hielt etwa bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Entsprechend wanderte auch dieses gut 30 Kilogramm schwere Exemplar von der Nähe des Altars zunächst neben die Orgel, als die Kirche einen Taufstein bekam. Und später nach rechts vorn im Kirchenschiff.

Bei unzähligen Taufen schwebte die Figur, die mit ihren weichen Gesichtszügen eher an eine Engelin erinnert, über den kleinen Reinfeldern. 1936, so viel ist aus dem Lebenslauf bekannt, bekam sie frische Farbe. „Das letzte Mal war sie 1981 restauriert worden“, sagt Fachfrau Catherina Steiger. Damals seien die Schäden aber noch viel größer geworden.

Zwei Wochen reine Arbeitszeit wird sie in die Figur stecken. Sie wird den Engel mit Wattedrehern trocken und feucht reinigen und vorsichtig den Pinsel mit ruhiger Hand nur dort einsetzen, „wo Farbe wirklich fehlt“. 6000 Euro soll die Restaurierung etwa kosten. „Das Geld dazu kommt aus dem Erlös des Talentefestes im Vorjahr“, weiß Kirchengemeinderätin Marlies Stolp. Es gibt wohl noch etwas dazu nach dem nächsten Basar der Frauengruppe „Handarbeit am Nachmittag“. Die Frauen veranstalten ihn am ersten Advent, dem Tag der Kirchengemeinderatswahl in Reinfeld. Zudem hat die Reinfelder Gemeinde einen Zuschuss vom Kirchenkreis in Aussicht. Nur eine Sorge hat Marlies Stolp: „Ich hoffe, dass der Engel zu Weihnachten wieder am alten Platz hängt.“

Aber Kunsthistorikerin Butt, in deren Lübecker Werkstatt die Figur auf Vordermann gebracht wird, kann sie beruhigen: „Wahrscheinlich schon Ende November wird er wieder aufgehängt.“ Begünstigt wird die Restaurierung auch, weil die Expertinnen keine frische Spuren vom Holzwurm gefunden haben. „Der war mal drin“, weiß Kirchegemeinderätin Stolp. „Aber jetzt ist er wohl vertrieben.“

Ganz allein schafften es die Frauen allerdings nicht, die Figur abzuhängen und in den am Seiteneingang bereitstehenden Transporter zu hieven. Helfer Ingo Stolp und Friedhofsgärtner Michael Gräpel trugen ihn gemeinsam zum Auto, wo die beiden Expertinnen den Reinfelder Engel weich auf Schaumstoff betteten.

Kirchengemeinderätin Marlies Stolp kandidiert nicht mehr

Die Reinfelder Protestanten wählen am 1. Advent, am 27. November, wie alle Gemeinden in der schleswig-holsteinischen Nordkirche ihren Kirchengemeinderat. Aber Marlies Stolp hat sich nicht mehr als Kandidatin aufstellen lassen. „14 Jahre sind genug“, sagt die 66-Jährige.

Marlies Stolp steht für nachahmenswertes Engagement innerhalb ihrer Gemeinde. Sie war treibende Kraft bei der Sanierung der Matthias-Claudius-Kirche, der Orgel. Sie setzte sich für neues Gestühl, die Glocken und die neue Uhr ein. Jetzt, zum letzten Mal als Kirchengemeinderätin, hat sie die Restaurierung des Taufengels entscheidend mit auf den Weg gebracht. Ihre letzte offizielle Handlung in dieser Funktion. Doch die engagierte Christin bleibt der Reinfelder Gemeinde als Organisatorin des sommerlichen Talentefestes rund um die Kirche erhalten. Das hat sie versprochen. Und ihr stets mithelfender Ehemann Ingo dürfte ihr dabei weiter zur Seite stehen. Immerhin ist es der rührigen Organisatorin und ihren Helferinnen zu verdanken, dass die Reinfelder Tafel durch das jüngste dieser Feste mit dreieinhalbtausend Euro unterstützt wurde. Für solches Engagement dankt Pastor Bernd Berger seiner langjährigen Mitstreiterin im jüngsten Gemeindebrief.

 Uwe Krog

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