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Stormarn Reinfelds maroder Sportplatz: Die Preußen machen Druck
Lokales Stormarn Reinfelds maroder Sportplatz: Die Preußen machen Druck
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21:14 28.09.2016
Adelbert Fritz mit den Leichtathletik-Trainerinnen Annemarie Griese (links neben sich) und Adele Kohnke (beide 18) im Hintergrund. Die beiden halten ihrem Verein zwar die Treue, doch andere haben ihn wegen der schlechten Trainingsbedingungen schon verlassen. Quelle: Uwe Krog
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Reinfeld

Der Vereinsvorsitzende Adelbert Fritz hat einmal mehr die Bürgerfragestunde im Hauptausschuss genutzt, um auf den schlechten Zustand des Reinfelder Sportplatzes hinzuweisen. „Eine Standortentscheidung sollte im Sommer 2015 getroffen werden. Jetzt haben wir Herbst 2016 – und man hört und sieht nichts“, sagte er mit deutlicher Ungeduld.

„Der Sport wird hintenan gestellt. Das geht so nicht.“Adelbert Fritz, Vorsitzender

Der Mann steht unter dem Druck seines wegen der schlechten Trainigsbedingungen inzwischen auf unter 2000 Mitglieder gesunkenen Vereins. „Bei den Hallenkapazitäten sind wir am Ende der Fahnenstange.

Wir haben 50 Fußballer weniger, und die Leichtathletik-Abteilung schrumpft.“ Dass trotz der vermoosten Laufbahn und des bei Feuchtigkeit kaum nutzbaren Fußballrasens nichts passiere, sei „für den Verein nicht mehr nachvollziehbar“. Seit Jahren behilft sich Preußen Reinfeld mit fortwährendem Abziehen der Laufbahn, um das Unkraut zu entfernen. „Alle Hackversuche nutzen nur wenig“, erklärte der Vereinsvorsitzende. „Es muss etwas getan werden.“

Die Sanierung des Platzes ist in der Tat seit 2013 ein Thema für die Stadtverordneten. Sie haben eine Gruppe aus Politikern, Vereinsmitgliedern und Verwaltungsmitarbeitern gebildet und Gutachten in Auftrag gegeben. Doch die Antwort, die Adelbert Fritz jetzt im Ausschuss bekam, war für ihn unbefriedigend. Zwar erläuterte Sozialdemokrat Lasse Karnatz, dass Geld für eine landschaftsplanerische Studie im aktuellen Haushalt eingestellt sei, zwar sprach Bürgermeister Heiko Gerstmann von der Prüfung eines Heißluftvorsatzes, mit dem Moos und Unkraut auf der Laufbahn möglicherweise weggebrannt werden könnten: Wichtiger jedoch sei aktuell die Haushaltsbilanz – und vor allem das neue Reinfelder Rettungszentrum. „Wir müssen bis 2019 damit fertig sein“, betonte Walter Engel von der Wählerinitiative. „Sonst wird die Feuerwehr zugemacht.“

Vereinsvorsitzender Fritz sieht den Sport hintenan gestellt. „Dabei gehört ein intakter Sportplatz zu den wichtigen Standortfaktoren“, sagt er. Gut wäre auch ein Kunstrasen auf dem Platz neben dem Schulzentrum. Dort könnten die Mannschaften trainieren. Und der Lärm bei den Spielen, der die Nachbarschaft manchmal ärgere, sei viel geringer, weil weiter entfernt von der Wohnbebauung.

Wenigstens fordert Fritz schnell eine Standortentscheidung. Eine Entscheidung darüber, ob die Preußen beim jetzigen Schulzentrum am Bischofsteicher Weg bleiben können, „was wir im Verein mehrheitlich befürworten“, oder ob sie umziehen auf die grüne Wiese am Rande der Stadt in Richtung Binnenkamp. „Solange wir das nicht wissen, können wir als Verein nichts investieren. Und die Stadt ebensowenig.“

Unterstützung kommt vom benachbarten Leiter der Immanuel- Kant-Schule, Swen Trinkler: „Da stehen wir Seite an Seite mit dem Verein.“ Eine Verlagerung wäre „ungünstig“ für den Unterricht, weil die Schüler zum und vom Sportunterricht lange Wege hätten und deshalb Zeit verlören. Und die Laufbahn sei vor allem vor dem Hintergrund des von der Schule angebotenen Sportprofils „erneuerungswürdig“.

Die Leichtathletik-Trainerinnen Annemarie Griese aus Ratzbek und Adele Kohake, die sich gerade auf das Abitur vorbereiten, erleben im Verein wie an der Schule fast täglich, wie es um ihren Sportplatz steht. „Das einzige, was wir neu haben, ist eine Hochsprunganlage“, sagt Schülerin Kohake. Sie war selber schon in einen Verein nach Lübeck ausgewichen, dann aber wegen der angenehmeren Atmosphäre zu ihren Preußen zurückgekehrt. Dennoch wird Adelbert Fritz auf die beiden Trainerinnen wieder verzichten müssen. Nach dem Abitur wollen sie durch Australien reisen und jobben. Immerhin aber wollen sie Ersatztrainer für die Jugendgruppe besorgen. „Und danach“, verspricht Adele Kohake, „machen wir hier weiter.“

 Uwe Krog

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