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Stormarn Die Reinfelder Löwen wachen wieder
Lokales Stormarn Die Reinfelder Löwen wachen wieder
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13:24 15.09.2018
Diplom-Restaurator Roland Hoos hat die Reinfelder Löwen Zentimeter für Zentimeter freigelegt. Quelle: Britta Matzen
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Reinfeld

Frostschäden, herausgebrochene Teile, Löcher, Risse, poröse Stellen – die beiden Löwen vom Reinfelder Heimatmuseum waren in schlechter Verfassung, als Diplom-Restaurator Roland Hoos sie das erste Mal in Augenschein nahm. „An etlichen Stellen waren Ausbesserungen nötig. Doch die Hauptarbeit war, die alte Farbe runterzukriegen“, so der Experte.

Die Löwen waren nie vergoldet

Auf den imposanten Terrakotten, die knapp 100 Jahre alt sind, war einiges an Lack aufgebracht. „Ursprünglich waren sie ziegelrot. Ob sie ganz von Anfang gestrichen waren oder nur die Eigenfarbigkeit des Ziegels gehabt haben, weiß man nicht. Aber zumindest sind vier Farbschichten drauf gewesen. Die ersten beiden waren rote Farben, es folgte eine hellgraue Schicht und dann der Ton, den die meisten noch kennen: leuchtendes Ocker“, so Hoos. Von goldenen Löwen war sogar vielfach die Rede. Doch da muss Hoos die Reinfelder enttäuschen. „Ich habe keinen Hinweis darauf entdeckt, dass die Löwen jemals vergoldet waren. Und ich habe sie wirklich komplett freigelegt mit dem Skalpell. Das war eine ganz einfache Ocker-Farbe.“

König der Tiere wird der Löwe auch genannt. Das Heimatmuseum in Reinfeld schmücken zwei beeindruckende Exemplare, die fast fertig restauriert sind.

Mit der Restaurierung des ersten Löwen hat Hoos bereits vor einem Jahr begonnen. Jetzt war die zweite Raubkatze dran. Die erste Terrakotta-Figur hat Hoos nach dem Freilegen mit einer Lasur versehen. „Das hat sich aber nicht bewährt. Nachdem ein Jahr die Witterung drüber gegangen ist, haben wir festgestellt, dass wir lieber eine dickere Schicht aus Farbe aufbringen, damit die Löwen besser geschützt sind. Darum kriegt auch der erste Löwe noch mal einen Anstrich gemeinsam mit dem zweiten.“ Die gesamte Restaurierung wird von der Fielmann-AG gesponsert.

Großkatzen in Zarpen gebrannt

Die beiden Löwen, die links und rechts den Treppenaufgang zum Reinfelder Heimatmuseum im Neuen Garten bewachen, haben schon einiges erlebt. Erschaffen wurden sie nach derzeitigem Kenntnisstand um 1923 in der Ziegelei von Zarpen, die von der Familie Moll betrieben wurde. Das gehe aus Schriftwechseln, Fotos und mündlichen Überlieferungen hervor. „Sie wurden eigens aus Ton für das Kurhotel in Reinfeld gebrannt und haben dort vor dem Eingang gestanden. Als das Kurhotel 1973 abgerissen wurde, wurden die Löwen im Reinfelder Bauhof zwischengelagert - vermutlich in Einzelteilen“, weiß Hoos zu berichten. 1984 seien sie zum Heimatmuseum umgezogen, wo man sie wieder aufgebaut habe. „Solche großen Terrakotten kann man auch nicht in einem Stück herstellen. Das sind von vorn herein mehrere Einzelteile gewesen. Man sieht auch bei genauem Hinsehen, wo die Einzelteile mit Mörtel zusammengesetzt wurden“, erläutert Hoos und zeigt auf eine Fuge. „Der ganze Kopf mit der Mähne ist ein Stück.“ Beim Auseinandernehmen seien die Einzelteile vermutlich beschädigt worden, weshalb an vielen Stellen hellgrauer Mörtel durchscheine. So sei auf dem Rücken des ersten Löwen eine große Mörtelfläche. „Hier fehlte ein Stück, das man einfach bedeckt hat.“

Schönheits-OP für einen Löwen

Einer der Reinfelder Leos musste sich einst einer Schönheitsoperation unterziehen. „Er hat offensichtlich die Nase verloren, die ist ihm wieder modelliert worden. Wer immer die nachgemacht hat, sie ist ein bisschen zu flach geraten“, hat der Experte mit seinem Kennerblick festgestellt. Die beiden Löwen sind zudem sichtbar unterschiedlich gestaltet. „Nicht nur, dass die Haltung verschieden ist. Beim Freilegen ist mir aufgefallen, dass der zweite Löwe deutlich feinere Detailritzungen hat - vorne in der Mähne und die Schnurrbarthaare. Das war ganz überraschend, weil das vorher gar nicht sichtbar war. Der erste Löwe ist deutlich gröber.“ Die Locken seien nicht so schön ausgebildet, auch die Wangen nicht so konturiert und präzise wie bei dem letzten Restaurierungsobjekt. Entweder sei der erste Löwe der erste Versuch des Zarpener Künstlers gewesen. „Oder es musste plötzlich ganz schnell gehen und er hatte keine Zeit mehr für Details. Das kann auch sein“, so Hoos.

Fielmann macht Restaurierung möglich

Die Fielmann-AG macht die Restaurierung der Löwen in Reinfeld möglich.„Wir fördern allein 100 Museen in Schleswig-Holstein –vom kleinen Heimatmuseum bis zum Schloss Gottorf mit jährlich rund 500000 Euro“, sagt Jürgen Ostwald von der Fielmann AG. Das Museum in Reinfeld sei eines davon. „Die dortige Museumsdirektorin Anja Rademacher, die ehrenamtlich tätig und sehr engagiert ist, wollte gerne, dass die Löwen saniert werden. Da haben wir gesagt, ja – geht klar“, so Ostwald. Der Museumsexperte von der Fielmann AG hat dann Roland Hoos kontaktiert. „Das ist ein bekannter Steinmetz-Restaurator hier im Lande, der auch fürs Denkmalamt arbeitet.“ Bei der Fielmann AG gibt es drei Sponsoring-Abteilungen: Sport-Sponsoring, die Baumpflanzaktion, bei der ganze Schulgärten verschenkt und historische Parks restauriert werden. Die kleinste Sponsoring-Abteilung ist die Museumsförderung. „Die besteht nur aus einer Person, und das bin ich“, so Ostwald. Vor allem ehrenamtlich geführte Museen, die rege sind, sollen unterstützt werden.

Goldenes Fell, strahlenartige Mähne, muskulöser Körper - schon seit der Antike gelten Löwen als Symbol für Kraft, Mut und Wachsamkeit. Die Großkatzen vor dem Lübecker Holstentor, die einst das Hotel Stadt Hamburg zierten, haben mittlerweile weltweite Bekanntheit erlangt. „Man kann annehmen, dass der Zarpener Ziegelmeister sich auch umgesehen und Inspirationen geholt hat.“ Eine gewisse Ähnlichkeit mit den Lübecker Löwen ist nicht zu verkennen.

Großes Interesse der Öffentlichkeit

Die Reinfelder Löwen hat Roland Hoos mit Skalpell, Abbeizern, Pinseln, Schwamm und Modelliereisen in den ursprünglichen Zustand versetzt, so dass jetzt der empfindliche Ziegel frei liegt. „Jeden Zentimeter der Oberfläche habe ich bearbeitet. Man setzt sich dabei wirklich mit der Handschrift des Künstlers auseinander“, so Hoos. Jetzt muss der Mörtel noch durchtrocknen, bevor die Löwen mit einer Grundierung und einem Anstrich versehen werden. Ziegelrot sollen sie werden. Auch am Sockel wartet noch Arbeit. „Wir haben ihn schon gereinigt. Aber die weiße Farbe ist zu dominant, der Sockel wirkt dadurch zu massiv.“ Passender sei ein zurückhaltender Sandsteinton. Die Fertigstellung wird in einigen Wochen erwartet. Was Roland Hoos bei diesem Job besonders gefallen hat, war das Interesse der Reinfelder an der Restaurierung. „Es kamen immer Leute vorbei. Das wird schon sehr aufmerksam beobachtet. Sie haben viele Dinge gefragt zu den Löwen. Das fand ich sehr nett, welchen großen Anteil die Öffentlichkeit an dem Projekt nimmt.“

Britta Matzen

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