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Stormarn Rettung am E-Highway: Feuerwehr wird auf der Stromautobahn geschult
Lokales Stormarn Rettung am E-Highway: Feuerwehr wird auf der Stromautobahn geschult
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17:40 13.04.2019
Projektmitarbeiter der Fachhochschule Kiel geben Sicherheitsschulungen für Einsätzkräfte am E-Highway. Quelle: Irene Burow
Reinfeld

Helikopter können nicht landen, Kräne nicht arbeiten: Der E-Highway auf der A 1 stellt Einsatzkräfte vor besondere Herausforderungen. Fakt ist: Passieren kann immer etwas. Und dann geht es um jede Minute.

Kracht ein Baum in die Oberleitung, rast ein Fahrzeug durch die Leitplanke oder sollte ein Wohnmobil unter der Leitung brennen – es herrscht akute Lebensgefahr. Zusätzlich. Zum Beispiel durch Drahtrisse. „Das Szenario ist für uns egal, abgeschaltet wird immer“, sagt Malte Siemers, Sprecher der Feuerwehr Reinfeld.

Abschalten dauert nur Sekunden

Wie das genau funktioniert, haben am Wochenende rund 150 Feuerwehrleute der Wehren aus Reinfeld, Bad Oldesloe und Lübeck in speziellen Schulungen an der E-Autobahn erfahren. Es gibt verschiedene Varianten, den E-Highway im Notfall lahmzulegen. Zum Beispiel von der Straßenbahnleitstelle in Schwerin aus, die darauf Zugriff hat. Das dauert nur Sekunden.

Wehren, Polizei und Bergungsunternehmen erhalten Sicherheitseinweisung

„Wir werden über die Leitstelle in Bad Oldesloe alarmiert. Sie ist angehalten, sich sofort mit Schwerin in Verbindung zu setzen. Im besten Fall wird abgeschaltet, bevor wir an der Unfallstelle eintreffen“, sagt Gerd-Heinrich Riemann, Wehrführer von Reinfeld. Denn das erste Einsatzfahrzeug ist in etwa drei Minuten an der fünf Kilometer langen Teststrecke. Die genauen Abläufe für den Ernstfall werden noch weiter festgezurrt.

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Sollte das Abschalten aus der Ferne nicht funktionieren, kann die Oberleitung auch vor Ort spannungsfrei geschaltet werden. Wie genau – das verbleibt aus Sicherheitsgründen im Kreise der Rettungskräfte. Wichtig ist nur, dass es geht.

Herzstillstand droht

Denn: „Es herrscht 670 Volt Gleichspannung. Würde hier jemand anfassen, mit voller Schutzkleidung, würden 335 Milliampere durch den Körper fließen“, erklärt Arndt Grote, Projektmitarbeiter des Forschungs- und Entwicklungszentrums (FUE) der Fachhochschule Kiel. Das führt im schlimmsten Fall zum Herzstillstand.

Wehrführer Gerd-Heinrich Riemann. Quelle: Irene Burow

„Das Wichtigste war für uns, dass wir bei dem Projekt von Anfang an mit unseren Wünschen, Bedenken und Forderungen miteinbezogen werden“, sagt Wehrführer Riemann. „Bis dato wurde das von vorn bis hinten umgesetzt“, versichert er, auch im Bezug auf die jüngsten Sicherheitsbedenken an dem millionenteuren Forschungsprojekt. Bei der Schulung herrschte zu der Kritik allgemeines Kopfschütteln.

Leitstelle hat jederzeit Zugriff

Denn die Einsatzkräfte haben nichts zu meckern: Konkret hatten sie im Vorfeld eine ständig besetzte Leitstelle gefordert, die jederzeit – 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche – in der Lage ist, einzugreifen. Sie wollten selbst in der Lage sein, die Anlage manuell abzuschalten. Und die Rettungskräfte sollten mit Spannungsmessern ausgestattet werden. Das alles ist umgesetzt worden.

Weitere Fakten zu Aufbau und Sicherheit

Verbaut wurden extra gestärkte Leitplanken. „Statischer geht es nicht“, sagt Arndt Grote vom FUE Kiel. Enorme Kräfte müssten hier einwirken, um sie zu durchbrechen. Und dann sind es weitere zwei Meter bis zu den Masten.

Die 251 Masten sind zwölf Meter hoch. Die Fahrdrähte hängen in der Regel 5,10 Meter über dem Boden, unter Brücken und Beschilderung ist es fast einen Meter niedriger. Ein sogenanntes Kettenwerksmonitoring würde Störungen und Risse erkennen. Die fünf Lkw der Spedition Bode, die hier pendeln sollen, können im reinen Dieselbetrieb, rein elektrisch oder kombiniert fahren. Sie können also ohne Leitungen weiterfahren.

Wie zu vernehmen war, habe Bauherr Siemens in der vergangenen Woche für sämtliche Rettungsmannschaften Spannungsmesser bestellt. Wie mit den Geräten umzugehen ist, wurde in der Schulung gezeigt. Sie dienen als letzter Check vor Ort: Ist wirklich keine Spannung mehr auf den Fahrdrähten? Nur wenn der Messer am Draht grün leuchtet, also Null Volt anzeigt, kann sicher gearbeitet werden.

Vorbereitung auf den Ernstfall

Sicherheit habe oberste Priorität, noch vor den Forschungsergebnissen, hieß es. Insgesamt werden Vertreter von Polizei, Feuerwehren, der Autobahnmeisterei, von Bergungsunternehmen und Pannenhilfen am E-Highway auf den Ernstfall vorbereitet. „Wir versuchen alle einzubinden“, so Arndt Grote. Teilweise sei schon schweres Gerät unter den Drähten getestet worden. Das sei weiterhin möglich.

Und wie wird der Strom anschließend wieder eingeschaltet? „Das ist uns völlig egal. Hauptsache, alle Personen sind sicher, und die Sicherheitskräfte können unbeschadet abrücken. Wir übergeben dann an die Polizei“, sagt Feuerwehrmann Riemann. Wie die Projektmitarbeiter betonen, ist das Einschalten nicht ohne Weiteres möglich.

Tatsächlich soll die E-Autobahn im Juni in Betrieb genommen werden. Die Lkw werden im Herbst geliefert.

Irene Burow

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