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Stormarn Richter erlässt Haftbefehl – Trauer um Svea aus Bargteheide
Lokales Stormarn Richter erlässt Haftbefehl – Trauer um Svea aus Bargteheide
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09:21 16.08.2016
Immer mehr Menschen legen Blumen vor dem Haus nieder, in dem die unfassbare Tat geschah. Quelle: Fotos: Jens Burmester

Der 35-jährige Sven S., der am vergangenen Freitag seine Ex-Lebensgefährtin Svea T. in Bargteheide erschossen haben soll, sitzt jetzt in Lübeck in Untersuchungshaft. Am Sonntag ließ die Staatsanwaltschaft den Tatverdächtigen einem Haftrichter vorführen. Der ordnete die Untersuchungshaft wegen Mordes aus niederen Beweggründen an, wie die Pressesprecherin der Lübecker Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwältin Ulla Hingst mitteilte.

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Polizei sucht auch Tage nach der Tat fieberhaft nach der Waffe – Der Delingsdorfer Firmenchef Enno Glantz ist erschüttert über den Tod seiner Mitarbeiterin.

Die Ermittlungen der Mordkommission laufen derzeit unvermindert weiter. Noch immer ist die Tatwaffe verschwunden, mit der der 35-jährige Sven S. seine Ex-Lebensgefährtin getötet haben soll. Bei seiner Festnahme durch das Sondereinsatzkommando Schleswig-Holstein auf einem Campingplatz am Bredenbeker Teich in Ammersbek war der 35-Jährige unbewaffnet, wie Hingst bestätigte.

Ob er in seiner Vernehmung bei der Mordkommission in Lübeck einen Hinweis zum Verbleib der Tatwaffe abgeben hat, ist nicht bekannt. Doch am Sonnabend Nachmittag waren Beamte des technischen Zuges der 1. Einsatzhundertschaft der Bereitschaftspolizei aus Eutin in Bargteheide. Sie rüsteten sich mit einem Metalldetektor aus und verschwanden damit in einem Waldstück nahe des Bargteheider Schulzentrums an der Lohe.

Zuvor hatten die Beamten sich von der örtlichen Feuerwehr mehrere Wathosen geliehen, um auch am Rande der Wasserfläche arbeiten zu können. Doch offensichtlich war der kleine Tümpel im Wald doch größer und tiefer, als ursprünglich vermutet. Und so wurde gegen 19.30 Uhr die freiwillige Feuerwehr alarmiert, um die Polizeibeamten zu unterstützen. Mit einer Tragkraftspritze, die im Wald aufgebaut wurde, pumpten die Einsatzkräfte der Feuerwehr, bis nichts mehr ging. Dann mussten sie eine Kette bilden und mit Eimern weitermachen. Erst gegen 1 Uhr war der Einsatz beendet. Gefunden wurde nichts.

Viele Bargteheider sind froh, dass die Polizei den vermeintlichen Täter so schnell dingfest machen konnte. Das dürfte auch für eine Arbeitskollegin der getöteten Svea T. gelten, die relativ kurz nach der Tat Polizeischutz bekam. „Der Tatverdächtige hatte offenbar keine Gewalt mehr über seine Ex-Freundin und konnte das nicht verwinden. Das hat dann offenbar zu der Tat geführt“, so Oberstaatsanwältin Ulla Hingst.

„Svea war ein toller Mensch, eine tolle Arbeitskollegin“, sagte ihr Chef Enno Glantz. Sie habe eine ganz besondere Ausstrahlung gehabt und sei eine absolute Pferdenärrin gewesen. Ob ihr Ex-Freund damit gedroht habe, dem Pferd etwas anzutun, weiß Glanz nicht. Viele seiner Mitarbeiter hätten geschockt reagiert, als die Nachricht über den Mord in der Firma bekannt wurde. „Ich habe meinen Mitarbeitern freigestellt, weiter zu arbeiten oder nach Hause zu gehen. Einige sind geblieben, einige gegangen. Aber das Hoffest haben wir so gut es eben ging über die Bühne gebracht“, betonte Glantz. Er hatte beim Hoffest auf dem Springplatz des Pferdeturniers den Fall geschildert und um eine Schweigeminute gebeten.

Vor dem Haus des Opfers in der Alten Landstraße werden seit dem Wochenende Blumen niedergelegt und Kerzen aufgestellt. „Rest in Peace“ steht auf einigen Grablichtern. Ein Zeichen, dass die Bargteheider Bürger Anteil nehmen am Schicksal von Svea T., die am Freitag auf so grausame Art und Weise im Alter von nur 28 Jahren sterben musste. Der mutmaßliche Täter hätte das Haus nicht betreten dürfen – das Opfer hatte eine einstweilige Verfügung gegen den Ex-Freund erwirkt. Der 35-Jährige hatte ein Kontaktverbot.

Niedere Beweggründe?

Mord und Totschlag sind im Strafgesetzbuch (StGB) als „Straftaten gegen das Leben“ aufgeführt. Für „Mord“ ist unter Paragraph 211 Strafgesetzbuch (StGB) für den Täter eine lebenslange Freiheitsstrafe vorgesehen. Ein Mörder ist derjenige, der aus Mordlust, zur Befriedigung seines Geschlechtstriebs, aus Habgier oder anderen niedrigen Beweggründen, „heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet“. Wer allerdings einen Menschen tötet und nicht die typischen Merkmale eines Mörders aufweist, wird gemäß Paragraph 212 StGB als Totschläger bezeichnet.

Totschlag wird mit mindestens fünf Jahren Freiheitsentzug bestraft. Sollte ein besonders schwerer Fall vorliegen, kann es auch für einen Totschläger eine lebenslange Freiheitsstrafe geben. jeb

 Jens Burmester

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