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Riesen-Andrang bei Kandidaten-Runde

Bad Oldesloe Riesen-Andrang bei Kandidaten-Runde

Am 5. Juni wird in Bad Oldesloe gewählt und die Bewerber fürs Bürgermeisteramt stellten sich schon mal der Öffentlichkeit. Sogar bei der Zusatzveranstaltung zur Kandidatenvorstellung mussten am Mittwoch viele Oldesloer  draußen bleiben.

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„Ich wusste schon vorher, wen ich wählen will. Jetzt habe ich mich bestätigt.“Jens-Pieter Friese

Bad Oldesloe. RSH-Moderator Carsten Kock ließ sich davon nicht stressen. „Moin. Herzlich willkommen zur zweiten von insgesamt neun Vorstellungsrunden“, scherzte er und brachte damit die Zuschauer gleich zum Lachen. Locker-flockig moderierte Kock den Abend, und die vier Bewerber für das Bürgermeisteramt nutzten die Zeit, um sich und ihre Vorstellungen für die Zukunft von Bad Oldesloe zu präsentieren.

LN-Bild

Am 5. Juni wird in Bad Oldesloe gewählt – Bewerber fürs Bürgermeisteramt stellten sich erneut der Öffentlichkeit.

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Er ist kein Oldesloer, aber er möchte gern einer werden: Jörg Feldmann. Noch wohne er in einer möblierten Wohnung in Ahrensburg, erzählte der 58-jährige Bürgermeisterkandidat der CDU. Doch im Falle eines Wahlsiegs würde er in die Kreisstadt ziehen. „Ich kann auch den Adenauer machen – ich würde für eine zweite Amtszeit antreten, wenn Sie mich wollen.“ Ansonsten könne er weder mit weiblichem Charme noch mit Jugend punkten. „Dafür kann ich Ihnen als Externer einen unverstellten Blick auf die Probleme der Stadt anbieten.“ Von seiner Arbeitsweise her sei er ein Stratege, der vorausschauend planen würde. „Ich möchte das Profil der Stadt stärken – hier hat Oldesloe Defizite.“ Der Diplom-Verwaltungswirt und langjährige Polizist sieht es als Aufgabe der Stadt an, aktiv auf Firmen zuzugehen und die Wirtschaft nach Oldesloe zu holen. „Als Bürgermeister will ich nicht in meinem Büro auf- und abgehen, sondern Motor einer Bewegung sein.“ Zudem stellte Feldmann die Idee eines Bürgerbeauftragten vor, der Mittler zwischen Bürgern und Verwaltung sein könne.

Maria Herrmann, Kandidatin der SPD mit Unterstützung der Grünen, berichtete von ihrer Verbundenheit mit der Stadt. „Oldesloe ist meine Heimat, hier sind meine Kinder groß geworden“, sagte die Q8-Managerin und Fraktionsvorsitzende der SPD. Sie habe sich schon immer engagiert – in Bürgerinitiativen und seit zehn Jahren in der Politik. „Ich kenne die Haltung des Bürgers, der hinten steht und sich empört. Und ich kenne der Haltung der Politik.“ Durch ihren Werdegang sei ihr Bürgerbeteiligung und Transparenz besonders wichtig. Was treibt die 57-Jährige an? „Durch meine Tätigkeit als Bauausschussvorsitzende das Thema Wohnen. Wir müssen Wohnkonzepte schaffen, wo wir alt und jung durchmischen.“ Zudem stehe Bildung auf ihrer Agenda. „Kitas müssen wir auch als Bildungseinrichtung sehen.“ In Stormarn sei jedes sechste Kind von Armut bedroht. „Wir müssen dafür sorgen, dass kein Kind verloren geht.“ Weiter möchte Herrmann die Belange Umwelt sowie Bürgerbeteiligung in Form von Ehrenämtern fördern. „Wir müssen die Energiewende vorantreiben. Und das Ehrenamt muss Anlaufstellen bekommen.“

Als Bürgermeisterin würde sie einen kooperativen Führungsstil bevorzugen. Von den Mitarbeitern wünscht sie sich, „dass sie auch den Mut haben, Verbesserungsvorschläge an die Frau zu bringen.“ Die Idee eines Bürgerbeauftragten, wie Mitbewerber Jörg Feldmann vorschlug, fand bei der SPD-Kandidatin keinen Anklang. „Ich bin für Bürgernähe – da sollte keiner dazwischen geschaltet sein.“ Sie selbst hätte kein Problem damit, Bürgern ihre Handynummer zu geben.

Jörg Lembke kandidiert als Parteiloser. „Mir ist wichtig, was die Oldesloer für Probleme haben und was die Menschen hier bewegt“, erklärte der Wirtschaftskriminalist. Der 48-Jährige präsentierte sich als Bewerber mit viel Erfahrung. „In Feldhorst bin ich ehrenamtlicher Bürgermeister. Auch wenn die Gemeinde etwas kleiner ist, die Probleme sind dieselben.“ Als großes Plus führte Lembke an, dass Feldhorst schuldenfrei sei. „Das ist auch für Bad Oldesloe mein Ziel, auch wenn das nicht von einem Tag auf den anderen möglich ist.“ Dass er parteilos sei, wertete Lembke als Vorteil. „Von einem Bürgermeister erwarte ich, dass er neutral ist und ergebnisoffen diskutieren kann. Das ist ganz wichtig.“ Schwerpunkt seiner Kandidatur sei unter anderem Wohnraum. „Wir brauchen Wohnraum für junge Singles, aber auch für ältere Singles. Aber ich möchte auch Wohnraum für einkommensstarke Bürger.“

Sebastian Schulz ist der jüngste Kandidat auf der Bewerberliste. Der Polizeibeamte sei „knusprige“ 40 Jahre alt, formulierte Carsten Kock charmant und kandidiere ebenfalls als Parteiloser. „Ich komme aus der Initiative Eltern für Eltern. Aber bei der Beschäftigung mit dem Thema Kinderbetreuung stieß ich auf immer weitere Baustellen“, so Schulz. Die Stadt habe sinkende Gewerbesteuereinnahmen, mahnte er. „Hier muss dringend gehandelt werden. Ohne florierendes Gewerbe haben wir keine Einnahmen und können kein Geld ausgeben.“ Nachbargemeinden würden Oldesloe den Rang ablaufen. „Wir müssen uns fragen, welche Dienstleistungen und Gewerbe wir hier ansiedeln können.“ Der Dialog mit der heimischen Wirtschaft müsse gefördert und das Standortprofil geschärft werden, forderte der Bewerber.

Welchen Weg soll diese Stadt gehen? „Bürger in der Verantwortung“

Auf der Facebook-Seite von LN-Online antworten zwei Leser auf diese Frage der Bürgermeister-Vorstellungsrunde:

Ich glaube, dass eine Stadt durch ihre Bürger Wege geht (oder nicht). Nicht durch ihren Bürgermeister/in. Der schiebt im besten Fall mal den ein oder anderen Stein aus dem Weg, oder lässt schieben.

Ideen und Umsetzung liegen bei den Oldesloern. Also bei jedem Einzelnen und zusammen eben beim großen „Wir“, da kommen wir nicht raus aus der Verantwortung.

 Emmi Michaela

Das sehe ich auch so. Der Bürgermeister ist doch nur Handlungsgehilfe der Politik. Was in Oldesloe ganz fürchterlich ist, kommt von den Parteien. Wenn die Partei a etwas sagt, ist b oder c dagegen. Das passiert seit vielen Jahren. Wenn sich in der politischen Kultur nichts ändert, bringt auch ein neuer Bürgermeister nichts. Versprechungen im Wahlkampf bringen niemanden weiter, auch wenn die unpolitischen Menschen in dieser Stadt glauben, der Bürgermeister kann das durchsetzen, was er verspricht.

 Peter Stäcker

 Britta Matzen

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