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Ritterburg soll erlebbar werden

Bargfeld-Stegen Ritterburg soll erlebbar werden

Das Amt Bargteheide-Land bewirbt sich um Fördermittel für Burg Stegen.

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Eine Holzbrücke führt auf das Gelände der Burg, das im Moment völlig zugewachsen ist.

Quelle: Fotos: Bettina Albrod

Bargfeld-Stegen. Burg Stegen, 1302 erstmals urkundlich erwähnt, soll noch einmal archäologisch untersucht und im Zuge einer regionalen Aufwertung unter dem Stichwort „Regiobranding“ touristisch erschlossen werden. Einen entsprechenden Antrag hat jetzt das Amt Bargteheide-Land beim Archäologischen Landesamt gestellt.

LN-Bild

Das Amt Bargteheide-Land bewirbt sich um Fördermittel für Burg Stegen.

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„Die Anregung dazu kam aus dem Ort“, erklärt Andreas Gerckens, Bürgermeister der Gemeinde Bargfeld-Stegen, auf deren Gebiet die Burg liegt. „Ich habe mit den Behörden gesprochen. Alle finden die Idee gut. Das Archäologische Landesamt möchte dort Grabungen machen, die Anlage ist wohl größer, als man von außen sieht. Deshalb bewerben wir uns jetzt um Fördermittel.“

Dazu gehöre ein Konzept, das außer der Burganlage auch das Umland einbezieht. „Im benachbarten Gut Stegen sind Tagungsräume zu mieten, und es gibt ein Café“, sagt Andreas Gerckens weiter. Auch das nahe Heinrich-Sengelmann- Krankenhaus könnte über das Reitwegenetz und die Gastronomie in das Konzept eingebunden werden. „Derzeit ist die Burganlage völlig eingewachsen. Denkbar wäre auch eine Kooperation mit Gut Stegen, das gärtnerische Arbeit anbietet und sich um die Pflege der Anlage kümmern könnte. Da könnte sich viel entwickeln“, ist der Bürgermeister überzeugt.

Dr. Ulf Ickerodt vom Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein (ALSH) befürwortet das Vorhaben. „Das ALSH unterstützt das Amt bei seinen Bestrebungen, da hier nicht nur die Erfahrbarkeit der historischen Sachquelle ermöglicht wird, sondern weil auch Aspekte wie Lebensqualität oder Tourismus als Wirtschaftsförderung auf Basis der kulturlandschaftlichen Qualität des Landes erfolgt“, erklärt Ickerodt.

„Regiobranding“ nennt sich das dazu gehörige Projekt der Universität Leipzig, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Beim „Regiobranding“ werden prägende Landschaftselemente für das Image einer Region fruchtbar gemacht. Dabei werden auch ökonomische, soziale und kulturelle Qualitäten einbezogen. „Es geht nicht allein um die Turmhügelburg, sondern um die regionale Aufwertung“, betont Ickerodt.

Burg Stegen war eine Raubritterburg, Typ „Motte“, von dort aus konnten die Handelsstraßen nach Lübeck und Segeberg kontrolliert werden. „Im archäologischen Sprachgebrauch meint Motte einen künstlich aufgeschütteten Erdhügel, auf dem sich ein Turm befand. Die Gesamtanlage wurde von Gräben oder Palisaden geschützt und konnte weitere Gebäude oder eine Vorburg sowie etwaige Brückenkonstruktionen umfassen“, erläutert Ickerodt.

Einen Eindruck davon vermittelt ein Burgmodell, das im Heimatmuseum Bad Oldesloe zu sehen ist. Burgherr Johann von Hummersbüttel ging als Raufbold und Wasserstauer in die Geschichte ein. Um den Verteidigungswert der Burg zu steigern, ließ er das Wasser in der Alsterniederung aufstauen. Das flussabwärts entzogene Wasser sowie Überfälle auf vorüberziehende Kaufleute führten 1347 zur Belagerung der Burg. Trotz des Angriffs mit schwerem Kriegsgerät, unter anderem mit Steinschleudern, konnte sie aber nicht eingenommen werden. Erst 1348 gelang es König Waldemar IV, die Aufgabe der Burg und den Abzug des Burgherrn zu erreichen. Danach wurde Burg Stegen zerstört.

„Eine erste Ausgrabung fand 1899 statt“, so Ickerodt. Das rechteckige „Kernwerk“ war am Fuß mit Felsgestein verkleidet und mit Ziegelwerk umrandet. Darin habe sich ein Fundament aus in Kalk gebetteten Findlingen befunden. Der Oberbau scheint aus gebrannten Ziegeln bestanden zu haben. Das Dach sei mit Mönch- und Nonnenpfannen gedeckt gewesen. Davor habe der Wirtschaftshof gelegen. Beide Bereiche seien durch einen 20 Meter breiten Graben mit Holzbrücke getrennt gewesen.

1986 sei die Burg im Zuge von Restaurierungsarbeiten durch das ALSH mit dem Ziel untersucht worden, das Fundament des ehemaligen Turmes der Burg zu erschließen. 1994 gab es eine weitere Untersuchung.

Die neuerliche Untersuchung der Burg per Geophysik und kleinere Ausgrabungen könne im Rahmen einer Magister-Arbeit erfolgen, sagt Ickerodt. Hier verspricht sich die Wissenschaft Dank neuer Untersuchungsmethoden weitere Aufschlüsse. „Über ein digitales Informationssystem könnten die Hintergründe per App aufs Handy geladen werden, um Besuchern die historische Bedeutung der Anlage näherzubringen“, führt Ickerodt aus.

„Schön wäre es, wenn wir in Bargfeld-Stegen einige Fundstücke in einer Vitrine zeigen könnten“, wünscht sich Gerckens. Sollte es eine Fördermittelzusage geben, geht das Projekt in die politische Diskussion. „Burg Stegen liegt am Ende der grünen Achse im Ort“, sagt Gerckens, „das passt zu unserem Naherholungsgebiet. Die Anlage soll nicht weiter verkommen, da sind sich alle einig.“

Bettina Albrod

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