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Stormarn Rollenwechsel: Eltern auf Probe
Lokales Stormarn Rollenwechsel: Eltern auf Probe
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21:20 17.01.2016
Pia (l.) und Karolina mit Filisha: „Man ist schnell überfordert.“

„Die Schüler sollen lernen, wie viel Verantwortung ein Kind mit sich bringt“, erläutert Birte Nikisch, die das Projekt im Rahmen des Biologie-Unterrichts organisiert hat. „Die Arbeit mit dem Baby soll nicht abschreckend wirken, sondern zeigen, wie viel Arbeit ein Kind macht.“ Die jungen Eltern, die in einem Gruppenraum der Schule versammelt sind, sehen müde aus. Niklas liegt der Länge nach auf dem Boden und gibt Baby Charly mit einer Hand die Flasche, Karoline schaukelt ihre Felisha beruhigend auf dem Arm, und Leon entdeckt aufgrund des Gurgelns, dass seinem Silikonsprössling die Windel gewechselt werden muss. Über die Fürsorge wird genau Buch geführt, denn ein Computer im Puppenbauch zeichnet auf, wer sich wie um das Baby kümmert.

„Wir haben Armbänder mit einem Code, an dem uns das Baby erkennt“, erläutern Karoline und Pia. „Nur wir können uns um das Kind kümmern und dürfen es nicht an andere abgeben.“ Das hat schon zu überraschten Gesichtern geführt, als Niklas sein Baby mit zum Arzt genommen hat. Andere Schüler haben gemerkt, dass sie mit dem Baby nicht wie sonst zum Sport gehen können. „Charly war letzte Nacht anstrengend“, erläutert Lennart, „von zwei bis drei und von vier bis fünf mussten wir uns um ihn kümmern. Immer, wenn man gerade eingeschlafen war, ging es wieder los.“ Die Eltern übernachten zusammen, um sich die teils aufwändige Pflege teilen zu können. „Einmal bin ich beim Füttern eingeschlafen“, sagt Lennart.

Wird der Kopf richtig gehalten? Konnte das Kind ein Bäuerchen machen? Wie lange hat es geschrien, ehe es beachtet wurde? Der Buchführung im Babybauch entgeht nichts. Die Schwierigkeitsgrade in den Anforderungen wechseln täglich, und am Ende des Projekts werden die Aufzeichnungen ausgewertet und mit den Eltern auf Probe — zwischen 14 und 15 Jahre alt — besprochen.

Die sind alle freiwillig dabei. „Unsere Mütter fanden das eine gute Idee“, erzählen Lennart und Niklas, und Karoline und Pia schätzen die neue Erfahrung. „Man bekommt Panik, wenn das Kind schreit und man nicht weiß, was los ist“, beschreibt Pia ihr Mutterglück. „Es macht Spaß, aber man ist auch schnell überfordert.“ Kinder wollen sie später selbst mal haben. „Aber nicht sofort, erst nach der Ausbildung.“

Diese Erkenntnis ist Ziel des Projekts, denn, so Birte Nikisch, viele hätten falsche Vorstellungen. Angeboten wird „Eltern auf Probe“ von Daniela le Grand, die das Projekt als selbständige Erzieherin anbietet und betreut. In den wenigen Tagen wachsen Eltern und Puppe zusammen. Es hat schon Schülerinnen gegeben, die geweint haben, als sie ihre Babypuppe wieder abgeben mussten.

Vorbildliches Projekt

500 Euro kostet das Projekt „Eltern auf Probe“ je Einheit und wurde im Fall der Bargteheider Dietrich-Bonhoeffer-Schule vom Förderverein bezahlt.


An der Dietrich-Bonhoeffer-Schule gibt es fünf Kurse für „Eltern auf Probe“ für die neunten Klassen.
• Daniela le Grand stellt ihr Konzept im Internet unter www.paedagogikberatung.de vor.

Bettina Albrod

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