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Stormarn Ruhe, Natur, Gemeinschaft: In Pöhls ist die Welt in Ordnung
Lokales Stormarn Ruhe, Natur, Gemeinschaft: In Pöhls ist die Welt in Ordnung
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18:12 23.08.2016
Drei Generationen: (v. l.) Vera Behrens mit Enkel Julian (7) und Tochter Anika Bülow.

„Ich kenne hier jeden Briefkasten“, lacht Birgit Gerritzen. Wer mit der Bürgermeisterin der Gemeinde Rehhorst durch Pöhls spaziert, muss öfter mal auf einen Klönsnack am Gartenzaun verharren. Es wird gehupt, gewunken und ab und an ruft wer ein „Moin“ über die Straße. „Wer winkt denn dahinten“, fragt die 54-Jährige fröhlich und kneift die Augen.

Es ist Bettina Nüsch. Die Rehhorsterin reitet ihre Stute „Nerva“ auf dem Reitplatz des Hofes Lüth mitten im Ort. Mit ihrem Sohn Bendik (8) kommt die 44-Jährige mindestens zweimal die Woche nach Pöhls. „Landleben ist toll, Dorf ist Idylle“, sagt sie strahlend. „Hier ist es so schön. Und die Stoppelfelder warten schon auf uns. Was will ich mehr?“ Das sagt sich auch Anika Bülow. Sie ist wie Birgit Gerritzen Sozialdemokratin, sitzt in der Gemeindevertretung. Sie lebt in Pöhls – und arbeitet dort: „Seit 13 Jahren. Ich habe keinen Tag bereut. Hier finde ich Ruhe, ich habe die Natur, alles ist friedlich“, sagt die 37-Jährige, die im Haus ihrer Eltern ein Kosmetikstudio hat.

Vier Generation leben bei Familie Behrens/Bülow im Zarpener Weg unter einem Dach. Julian (7), der Jüngste, kommt nach den Ferien in die Zarpener Grundschule. Oma Vera (64) und Opa Arno (67) Behrens, 17 Jahre Wehrführer in Pöhls und nun Ehrenwehrführer, sind stets für den Enkel da, aber auch für seine 88 Jahre alte Urgroßmutter. „Das klappt alles sehr gut“, sagt Anika Bülow. Dennoch: „Ich mache mir Gedanken, was später ist“, sagt Vera Behrens, gebürtige Pöhlserin. „Wenn ich alt bin. Ich würde gerne in die Stadt. Da ist ein bisschen mehr los.“

Es fährt ein Schulbus, es gibt ein Anrufsammeltaxi, regelmäßig kommen ein Schlachter und ein Bäcker mit ihren Verkaufswagen ins Dorf, die Feuerwehr ist sehr aktiv und die Kinder haben einen Spielplatz. Aber: „Eine Dorfkneipe fehlt“, sagt Birgit Gerritzen. Früher konnten die Pöhlser im Gasthof „Zur Linde“ in der Dorfstraße 24 einen trinken, doch der wurde 1977 aufgegeben. Sich abends auf ein Bierchen zu treffen oder am Milchbock in der Dorfmitte ein Schwätzchen zu halten, das ist vorbei. „Am Milchbock haben sich früher die jungen Männer und Frauen getroffen“, erinnert sich Birgit Gerritzen. So manche Liaison mag da zustande gekommen sein.

Drei alteingesessene landwirtschaftliche Betriebe hat das kleine Pöhls. „Das ist eine Menge“, freut sich die Bürgermeisterin. Es gibt die Großen – Hinselmann und Witting. Und es gibt Detlev Böhmker.

40 Milchkühe hatte der Landwirt. Heute sind es 93, mit denen er gut über die Runden kommt. Seine Milch wird von der Molkerei Arla abgenommen. „Die zahlen noch ganz gut“, sagt der 53-Jährige, der seinen Hof mit Ehefrau Renate (53) und den Söhnen Jan (26) und Torben (23) betreibt. Der jüngste Sprössling Sönke (18) „muss etwas anderes lernen. Zwei in der Landwirtschaft reichen“, sagt Böhmker lachend. Der Milchkrise trotzt der Landwirt. „Ich bin ein positiv denkender Mensch. Nach schlechten Zeiten kommen wieder gute.“

Bessere Zeiten kommen auch für die Alte Schule, in der bis 1964 unterrichtet wurde. In dem 1912 gebauten Gebäude auf einem mehr als 3000 Quadratmeter großen Grundstück lebte zuletzt Uda Lorenz. „Das Haus ist verkauft“, erzählt Birgit Gerritzen – und trifft bei ihrem Dorfspaziergang den neuen Eigentümer aus Lübeck. Der hat bereits das Dach neu eingedeckt. „Das Haus ist cool. Es hat 400 Quadratmeter Wohnfläche“, sagt er. Mindestens ein Jahr haben die Handwerker noch zu tun, „das Haus war fast verfallen“. Dann wollen die Städter aufs Dorf ziehen.

Nächste Folge: Ratzbek

Verena Bosslet

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