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Ruhig und fließend: Die Kunst der „wirbelnden Stöcker“

Reinfeld Ruhig und fließend: Die Kunst der „wirbelnden Stöcker“

Stockkampf-AG startet wieder an der Reinfelder Immanuel-Kant-Schule.

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Silas (l.) und Malte (beide 13) haben viel Spaß an ihrem Sport.

Quelle: Foto: Oro

Reinfeld. Tobias Rönicke (33) ist seit seiner Kindheit der traditionellen Kampfkunst verfallen. Als er neun Jahre alt war, begann er, den philippinischen Stockkampf bei einem Großmeister zu erlernen. Heute gibt er an der Immanuel-Kant-Gemeinschaftsschule in Reinfeld selbst sein Wissen an Jugendliche weiter.

Zuletzt war es eine sehr kleine AG, die der Geschichts- und Mathelehrer an der Kant-Schule anbot. Vor den Sommerferien nahmen sechs Jungen der 5. bis 7. Klasse teil. „Ab September will ich mit der AG mehr Schüler begeistern“, sagt Rönicke. „Auch Mädchen sind natürlich willkommen.“ Dem Sport haftet trotz des Namens nichts Brutales an, die Bewegungen sind ruhig und fließend, die Partner dabei hochkonzentriert. „Man übt normalerweise mit zwei Stöckern, dabei wird die Koordination zwischen den beiden Gehirnhälften sehr gut trainiert“, erklärt der Stockkampf-Meister.

Was auf den Philippinen jedes Kind lerne, habe hier noch Exotenstatus, sagt Tobias Rönicke. Ursprünglich sei es um Selbstverteidigung gegangen. Die Bewegungen seien mit verschiedenen Waffen ausgeführt worden, die 60 Zentimeter bis 1,80 Meter langen Bambus-Stöcker hätten später in folkloristischen Tanzvorführungen die Macheten, Speere und Messer ersetzt. „Im Alltag könnte man im Ernstfall auch eine Bratpfanne oder eine zusammengerollte Zeitung nehmen“, erzählt der Lehrer. Die erlernten Techniken befähigten zu einer ausgeprägten Koordination und Geschicklichkeit.

Das wird schon bei einigen der jungen Schüler deutlich. Wenn Malte (14) und Silas (13) zum Beispiel die Stöcker kreuzen – auch beidhändig – , erklärt sich, warum dieser Sport auch „die Kunst der wirbelnden Stöcker“ genannt wird. Malte hat bereits den höchsten Schülergrad erreicht und ist damit Meister-Anwärter. „Ich finde es toll, dass man so viele Techniken variieren kann“, schwärmt er von seinem Sport, den er seit rund zwei Jahren betreibt. „Man kann beim Stockkampf sehr kreativ sein.“

Auch Silas begeistert sich: „Es macht riesigen Spaß. Ich finde es auch gut, dass ich mich damit verteidigen kann.“ Steffen (13) meint: „Ich bin jetzt selbstbewusster.“ Zwei Prüfungen habe er schon bestanden und an einem Lehrgang teilgenommen.

Solche Lehrgänge und Trainingswochenenden bietet Tobias Rönicke immer wieder an, manchmal auch in seiner alten Heimat Freiburg – dem Ursprung der philippinischen Kampfkunst in Deutschland. Dort können die Schüler auch mal bei einem Großmeister trainieren und kommen mit verschiedenen Vereinen zusammen.

Die neue AG startet zu Beginn des neuen Schuljahres im September. Genaue Termine werden noch bekannt gegeben. Anmeldungen nimmt Tobias Rönicke per E-Mail unter der Adresse roenicke84@gmail.com entgegen.

Effektive Verteidigung gegen Eroberer

Arnis, wie die Jahrhunderte alte philippinische Kampfkunst auch genannt wird, diente einst den Ureinwohnern als wirkungsvolle Verteidigung gegen mit Schwertern bewaffnete Eroberer. In den 1970er Jahren wurde sie von dem Freiburger Hans-D. Rauscher erstmals in Deutschland eingeführt. Zuvor hatte dieser in Belgien den Großmeister Cui Brocka kennengelernt, der damals als Erster in Europa Arnis unterrichtete.

Rauscher organisierte daraufhin regelmäßige Aus- und Fortbildungen – darunter auch Eliteeinheiten von SEK, MEK und GSG 9 – aus Deutschland und lud Großmeister Brocka zu Lehrgängen ein.

Schnell und kraftvoll: Die „wirbelnden" Stöcker können bei Meistergraden eine Geschwindigkeit von bis zu 150 km/h erreichen. oro

Oda Rose-Oertel

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