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Stormarn Scheidender Bürgermeister eifert Golfstar Tiger Woods nach
Lokales Stormarn Scheidender Bürgermeister eifert Golfstar Tiger Woods nach
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18:13 28.12.2017
Travenbrück

„Würde ich noch eine Amtsperiode weitermachen, käme ich nicht ganz an die 80 heran, deshalb denke ich, jetzt müssen mal die Jüngeren ran“, sagt der Tralauer im Gespräch mit den LN. Ein beruhigendes Gefühl gibt ihm zudem, dass genügend engagierte Lokalpolitiker nachrücken werden. Immerhin haben alle drei in der Gemeindevertretung aktiven Fraktionen von SPD, CDU und AWGT die geforderte Anzahl Kandidaten für die Kommunalwahl im Mai finden können.

Trockenübung: Wenn seine Amtszeit endet, will sich Peter Lengfeld intensiver dem Golfsport widmen. Quelle: Foto: Dvd

„Es war eine sehr schöne Zeit, in der ich interessante Leute kennengelernt habe quer durch die Ministerriege bis hin zum koptischen Bischof“, erzählt Lengfeld, der die Geschicke der Gemeinde seit 1982 zunächst als Vorsitzender des Kulturausschusses lenkte. In diesem ersten Jahr setzte er sich bereits kräftig für die Gründung eines Kindergartens im Ortsteil Tralau ein. Nur auf einige Begegnungen hätte er wohl lieber verzichtet. „Da gab es Personen, die meinten, sich persönliche Vorteile verschaffen zu müssen und in die Gemeindevertretung zu kommen, um Aufträge zu bekommen“, räumt der Bürgermeister ein.

Seinen Nachfolgern hinterlässt Lengfeld eine solide Basis. Unter seiner Ägide ist die Gemeinde gewachsen. Wurden bei der Volkszählung im Jahr 1987 – Lengfeld war damals bereits ein Jahr Vizebürgermeister – noch 1277 Einwohner registriert, so sind es inzwischen 1751 (Stand 30. November 2017). Wenn auch keine Großbetriebe in Travenbrück ansässig sind, so sorgen immerhin 43 Firmen in den sechs Ortsteilen für Arbeit und Steueraufkommen.

Stolz blickt der gebürtige Pölitzer auf die Dinge zurück, die er während seiner Amtszeit mit auf den Weg gebracht hat, insbesondere was die Infrastruktur anbelangt. Die alt hergebrachte Art der Abwasserentsorgung hielt modernen Standards nicht mehr Stand. Eine Lösung zu finden, war indes nicht einfach. Schließlich liegen die Dörfer Neverstaven, Nütschau, Schlamersdorf, Sühlen, Tralau und Vinzier weit von einander entfernt. Sie an eine zentrale Kanalisation anzuschließen wäre aus Kostengründen völlig utopisch gewesen. Als gangbare Alternative wurden in jedem der sechs Ortsteile – mit Ausnahme von Neversdorf – Klärteiche angelegt, die heute noch ihren Zweck erfüllen.

„Viel Diskussion hatten wir bei der Wasserversorgung. Das hat hohe Wellen geschlagen“, erinnert sich Lengfeld. Der politische Wille, die Travenbrücker nicht mehr länger aus ihren eigenen Brunnen, sondern dem Wasserwerk der Oldesloer Stadtwerke mit dem kühlen Nass zu beliefern, stieß auf vehemente Abwehr. Einwohner aus Nütschau, Tralau und Vinzier stemmten sich qua Bürgerbegehren im Jahr 2006 gegen eine solche Regelung. „Zum Glück zeigten die Stadtwerke großes Entgegenkommen. Sie machten das Angebot, auf einen Anschlusszwang zu verzichten“, erzählt Lengfeld.

Kein leichtes Thema war auch die heimliche Namensgeberin der Gemeinde, die Travebrücke in Nütschau. Das hölzerne Bauwerk hatte stark unter dem Lkw-Verkehr gelitten, der die Dorfbewohner über Jahre nervte, und hatte darob den Spitznamen Polterbrücke weg. Als die Planung für einen Neubau begann, plädierte Lengfeld dafür, Stein statt Holz zu verwenden, „Aber leider ist es mir nicht geglückt, die Eigentümerfamilie Dräger zu überzeugen. Holz hält ja nicht ewig“, erinnert sich der Bürgermeister. Das erste Mal sei die Brücke übrigens Mitte der 1980er baufällig gewesen. Da habe ein Mitbürger aus Sülfeld angeboten, die Leute mit dem Paddelboot überzusetzen.

Eines der größeren Bauvorhaben, für die die Gemeinde unter Lengfelds Ägide die Trägerschaft übernahm, war die Sanierung des Klosters in Nütschau. „Wenn wir nicht eingesprungen wären, hätte das Anwesen nicht so ansprechend hergerichtet werden können“, sagt der scheidende Bürgermeister. Die Fertigstellung eines Projektes, das er mit viel Herzblut angeschoben hat, muss er indes seinem Nachfolger überlassen: den Umbau des Gemeinschaftshauses. Das Schulgebäude aus den 60ern weist eklatante Schäden auf, die mit einfachen Mitteln nicht mehr auszubessern gewesen wären. Mit der Vollsanierung schlägt die Gemeinde gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: die Turnhalle wird erneuert, der Sportverein bekommt ein besseres Domizil und die Kindergarten kann um eine Elementargruppe erweitert werden. „Die Ausschreibung läuft schon, so dass wir im Sommer mit dem Bau fertig sind und ihn ab August nutzen können“, sagt Lengfeld.

Auch er wird sicher der feierlichen Eröffnung beiwohnen, doch dieses Mal als Gast. Denn der Vermessungstechniker, der viele Jahre im Katasteramt in Bad Segeberg arbeitete, bevor er 2006 in Rente ging, will endlich seinen Ruhestand genießen. Golfschuhe und Schläger stehen schon parat, damit er sein Handicap verbessern kann. Und bei schlechtem Wetter bietet das Bücherregal spannende Lektüre vom Agentenroman bis hin zur Biographie berühmter Persönlichkeiten.

Ein Herz für die Feuerwehr

Geboren wurde Peter Lengfeld 1946 in Pölitz. Nach Abschluss der mittleren Reife folgte eine Ausbildung zum Vermessungstechniker im Katasteramt Bad Oldesloe, 1972 wechselte er nach Bad Segeberg, wo er bis 2006 tätig war. Nach Tralau zog Lengfeld 1972, 1974 heiratete er Frau Ingelore, 1983 kam seine Tochter zur Welt.

Gute Nachbarschaft ist Peter Lengfeld sehr wichtig. Auch wenn er sein Bürgermeisteramt niederlegt, bleibt er passives Mitglied im Sportverein und fördert weiterhin die Feuerwehr.

Dorothea von Dahlen

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