Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Schild abmontiert: Radfahrer müssen jetzt auf die Straße
Lokales Stormarn Schild abmontiert: Radfahrer müssen jetzt auf die Straße
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:57 27.09.2016
„Warum nur“, fragt Bürgermeister Volker Brockmann, „müssen die Radfahrer am Badendorfer Ortseingang auf die Straße?“ Es sollte ihnen freigestellt sein, wo sie fahren. Quelle: Fotos: Uwe Krog
Anzeige
Badendorf

 Bislang ließ ein kleines weißes Schild mit der schwarzen Aufschritt „Radfahrer frei“ das zu. Doch das Schild wurde abmontiert.

Bettina Albrod redaktion.stormarn@ln-luebeck.de

„Stormarn geht da zu rigoros vor.“Volker Brockmann, Bügermeister

„Nun müssen sie mitten in einer von Lübeck kommenden scharfen Linkskurve auf die rechte Straßenseite wechseln“, klagt Brockmann. Er überlegt schon, ob er durch „nicht so schlechte Kontakte nach Lübeck“ die Behörde in der Hansestadt dafür gewinnen könnte, noch vor Stormarns Kreisgrenze ein Radfahrweg-Schild aufzustellen. Vor allem den Kindern, die Lübecker Schulen besuchen, will er die Überquerung der Durchgangsstraße auf dem Heimweg ersparen.

Seit Monaten schwelt der Streit um abmontierte Radwegschilder, die der Kreis Stormarn entfernen ließ, weil die Straßenverkehrsordnung das nach einer Klage von Radfahrern vorschreibt. Radfahrer dürfen nur bei besonders gefährlichen Verkehrslagen und übermäßigem Verkehrsaufkommen auf Radwege ausweichen. „Aber Stormarn ist ohne Augenmaß und Prüfung der Einzelfälle vorgegangen“, sagt Brockmann.

Andere Kreise und Städte machten da erst gar nicht mit.

Der Badendorfer Bürgermeister und sein Klein Wesenberger Amtskollege verweisen auf die auf Lübecker Seite noch stehenden blauen Radwegeschilder. Doch Lübecks Fahrradbeauftragter Nils Weiland sieht auch für die Hansestadt die so genannte „Radwegebenutzungspflicht“ nach und nach entfallen. In Lübeck seien erst gerade mal zehn Prozent davon befreit. Das liege aber an der immer sehr umfangreichen Prüfung, bevor ein Schild entfernt werde. „Und weil wir sehr viele Radwege haben, dauert das Verfahren eben länger.“ Zudem verweist der Fahrradbeauftragte auf Studien, die belegen, dass Radler auf Radwegen besonders an Einmündungen gefährdet seien, weil sie von Autofahrern oft übersehen würden. „Das subjektive Gefühl der Sicherheit auf dem Radweg täuscht“, sagt Weiland.

Ein Argument, das Hans-Jürgen Zimmermann, bei Stormarns Verkehrsaufsicht für Schilder und Geschwindigkeitsregulierung zuständig, ebenso aufgreift, wenn es um Rad- und Fußwege geht. Erst kürzlich habe es wieder einen Fall gegeben, bei dem ein abbiegender Lastwagen einen auf dem Seitenstreifen fahrenden Radfahrer nicht wahrgenommen habe. „Wäre der auf der Straße gefahren, hätte ihn der Fahrer des Lastwagens mit Sicherheit gesehen.“

Zudem führt er den fehlenden Fahrradweg zwischen dem Reinfelder Kalkgraben und dem Beginn der städtischen Bebauung auf der Bundesstraße 75 in Reinfeld als Argument an. Dort, wo Radfahrer und Fußgänger die Straße gemeinsam mit dem Autoverkehr nutzten, könne er sich in den vielen Jahren seiner Tätigkeit nicht an einen Unfall mit Fahrradfahrern erinnern. „Weil die besser gesehen werden.“

Dem Badendorfer Anliegen räumt Zimmermann kaum Chancen ein. „Da handelt es sich um einen gegenläufigen Gehweg. Den geben wir grundsätzlich nicht frei.“ Stattdessen, schlägt er vor, könnten Radfahrer an der Ortsgrenze von Badendorf absteigen und das Fahrrad Richtung Ortsmitte schieben, bis die Straße einsehbar ist.

Jeden einzelnen Weg im Kreis habe seine Behörde angeschaut und dann nach den gesetzlichen Vorgaben entschieden – in Absprache mit Polizei, mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub, mit Ämtern und Gemeinden. Zudem wolle der Kreis auch möglichen Klagen aus dem Weg gehen. Die Behörde im benachbarten Herzogtum Lauenburg habe das öfter erlebt. „Als wir das mitbekamen, haben wir in Stormarn die Reißleine gezogen“, so Zimmermann.

 Uwe Krog

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Schach ist der neue Boomsport in Bad Oldesloe. Vereinsschach und Schulschach sind gefragt wie noch nie. „Zum ersten Mal trat jetzt eine Jugendmannschaft aus der Kreisstadt sogar bei der Norddeutschen Vereinsmeisterschaft in Magdeburg gegen die Crème de la Crème der Schachszene an“, berichtet Jugendtrainerin Anja Yüksel.

26.09.2016

Enttäuscht und verärgert reagieren viele Radfahrer aus Bad Oldesloe, weil das Ziel, ein Radhaus am Bahnhof zu errichten, wieder in Frage gestellt wird. Rund 50 demonstrierten am Montag, auf dass der lange diskutierte und schon beschlossene Plan für die Hochgarage nun endlich umgesetzt wird.

26.09.2016

Das ist landes- und bundesweit einmalig: Das Klimaschutz-Programm Stormarn besteht jetzt seit 20 Jahren.

26.09.2016
Anzeige