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Stormarn Schlechter Platz: Das Dilemma des SV Preußen Reinfeld
Lokales Stormarn Schlechter Platz: Das Dilemma des SV Preußen Reinfeld
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20:17 09.01.2018
Der Trainingsplatz D am Bischofsteicher Weg ist eine einzige Matschfläche. Viele Spieler haben sich hier schon verletzt. Quelle: Fotos: Sv Preussen/hfr, Matzen
Reinfeld

500 Fußballspieler, davon 300 Kinder und Jugendliche, spielen in den 24 Mannschaften des SV Preußen Reinfeld. Es gibt ein Nachwuchsförderungskonzept und hervorragend ausgebildete Trainer. Nur leider müssen die Spieler auswärts trainieren, weil der Verein über keinen vernünftigen Trainingsplatz verfügt. Der D-Platz am Bischofsteicher Weg verwandle sich wegen des ungeeigneten Lehmuntergrundes in der dunklen Jahreszeit in eine einzige Rutschbahn, so Fußball-Abteilungsleiter Thorsten Rapp. Seit Jahrzehnten setzt sich der Verein für einen Allwetter- oder Kunstrasenplatz ein. Vergebens. „Wir sind von der Politik immer wieder von der Prioritätenliste gestrichen worden“, beklagen die Fußballer.

Immer mehr Kicker laufen dem SV Preußen davon, weil der Verein ihnen in Reinfeld kaum noch Trainingsmöglichkeiten bieten kann. Auch Vorsitzender Adelbert Fritz will das nicht mehr hinnehmen. Er fordert die Verantwortlichen der Stadt auf, umgehend Förderanträge einzureichen.

Die schwierige Lage des SV Preußen Reinfeld sprach Bürgermeister Heiko Gerstmann auch auf dem Neujahrsempfang an. „Wir haben Investitionsmittel im Haushalt 2018 drin für die Sportanlagen, aber ich bin pessimistisch, dass es uns in diesem Jahr gelingen wird, dafür die Kreditermächtigung vom Kreis zu erhalten.“ Es sei vollkommen unstrittig, dass ein Kunstrasenplatz gebraucht werde. „Der Platz ist so nicht bespielbar. Wenn ich mir den Exer in Oldesloe angucke, da kann man auch bei schlimmstem Regen auf dem Kunstrasen spielen“, so Gerstmann. Aber im Moment sei die Stadt von der Genehmigungsseite her nicht in der Lage, das durchzuführen. „Ich befürchte, dass wir 2018 nicht damit beginnen können. Unabhängig davon, wie wichtig das Thema ist.“

Der Vorsitzende des SV Preußen will das so nicht hinnehmen. „Vor einem Jahr standen wir hier, da hatten wir genau dasselbe Thema“, sagte er beim Neujahrsempfang. Da habe er auf die Leistungen der vielen Trainer und Übungsleiter hingewiesen, nicht nur im Bereich der Jugendarbeit, sondern auch im Bereich der Flüchtlingsbetreuung. „Dank der Zustimmung der Fraktionen ist letzten Endes der Beschluss gefallen, eine Sanierung der Sportanlage vorzunehmen. Das ist eine ganz tolle Entscheidung gewesen. Aber jetzt hakt es an der Umsetzung.“ Der Verein könne zwar verstehen, dass die Kommunalaufsicht das A und O der Dinge sei. „Aber die Verwaltung und alle Entscheider müssen auch sehen, dass der Druck aus unseren Mitgliederscharen größer wird. Es ist so, dass uns Spieler aus Reinfeld verlassen, weil wir denen einfach nicht mehr die Trainingsmöglichkeiten bieten können. Weil die Plätze über einen langen Zeitraum immer wieder gesperrt werden müssen.“ Jedes Dorf sei besser aufgestellt als die Stadt Reinfeld. „Wir sind nicht in der Lage, den Trainingsbetrieb sicherzustellen, weil wir einfach seit Jahrzehnten die Umsetzung des Kunstrasenplatzes nicht geschafft haben.“

Und nun müsse sich der Verein anhören, dass man es auch in den nächsten Jahren nicht schaffen werde. „Wir werden es 2018 nicht schaffen, und ob es denn 2019 was wird, das steht in den Sternen. Das können wir einfach so nicht mehr hinnehmen.“ Der Verein habe schließlich auch schon einiges an Vorarbeit geleistet.

Die Fußballabteilungsleiter Thorsten Rapp und Tim Heickmann haben Kostenvoranschläge eingeholt. „Mit vier Firmen haben wir gesprochen. Drei haben Bodenproben genommen und haben unisono gesagt, dass der Platz gar nicht mehr geeignet ist“, so Rapp. Die entsprechenden Informationen und Unterlagen habe der Verein an die Stadt weitergereicht, um die Verwaltung in die Lage zu versetzen, sobald wie möglich entsprechende Anträge zu stellen.

„Wir erwarten gar nicht, dass die Verwaltung alle Arbeit macht. Wir unterstützen gerne und bieten unsere Hilfe an. Aber unser Wunsch ist, die Anträge nicht noch länger auf die lange Bank zu schieben, sondern loszulegen“, so Fritz. Das Land sei im Moment mit dem Füllhorn dabei, was Zuschüsse für die Sanierung von offenen Sportanlagen betreffe. Fritz: „Geld ist wie Heu da. Bloß die Stadt Reinfeld kann es nicht nutzen, weil wir die entsprechende Verwaltungskapazität nicht haben. Mein Wunsch an Sie: Legen Sie los. Sonst sehe ich die Gefahr, dass der Sport in Reinfeld über eine lange Zeit brach liegt.“

Gestern überraschte Adelbert Fritz noch mit einer positiven Nachricht. Er habe mit dem Innenministerium und dem Landessportverband Kontakt aufgenommen. „Kunstrasenplätze werden gefördert – Zuschüsse von 250 000 Euro können wir bekommen.“ Jetzt müsse die Kommune nur die Anträge dafür einreichen.

Historie: Der Wunsch nach einem Altwetterplatz

Der Wunsch nach einem Allwetter- oder Kunstrasenplatz hat beim SV Preußen Reinfeld eine lange Geschichte. Schon vor 20, 30 Jahren hätten sich die Kicker einen Allwetterplatz gewünscht, sagt Vorsitzender Adelbert Fritz. Davon hätten ihm die Altvorderen berichtet, als er zum Verein gekommen sei. 2007 hätte dann die große Chance kommen können. „Im Zuge des Neubaus des Ganztagszentrum der Kooperativen Gesamtschule KGS gab es Fördertöpfe – mit bis zu 90 Prozent hätte der Kunstrasenplatz bezuschusst werden können, da er auch für den Schulbetrieb genutzt wird“, so Abteilungsleiter Tim Heickmann. Doch die Stadtverwaltung habe es damals versäumt, Anträge dafür einzureichen. „Der damalige Bürgermeister Gerhard Horn hat uns dann immer vorgeworfen, wir hätten bei der Stadt nie einen Antrag gestellt. Dabei war doch bekannt, dass der Kunstrasen- oder Allwetterplatz für uns schon seit Jahrzehnten ein Thema war. Das kann man auch in den Protokollen der Jahresversammlungen nachlesen“, betont der Vereinsvorsitzende.

 Britta Matzen

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