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Schüler geben Gedenksteinen ein Gesicht

Klein Wesenberg Schüler geben Gedenksteinen ein Gesicht

Schüler des zwölften Jahrgangs machen sich auf, die Hinterbliebenen zu befragen nach ihren Erinnerungen an die Gefallenen und die Kriegszeit. Sie haben die Geschichte hinter den Gedenksteinen auf dem Klein Wesenberger Friedhof ergründet.

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Lena Studt, Lina Klein, Lehrer Andreas Wittorf, Luca Glaß, Susann Staecker und Mareike Arndt (v. l.) gehören zu den insgesamt 25 Schülern, die ihre Ergebnisse jetzt präsentieren.

Klein Wesenberg. Warum der Ehrenfriedhof von Klein Wesenberg? Weil dort eine Gedenkstein für den Matrosen A. Künzler steht. Der war Matrose auf dem im Zweiten Weltkrieg versenkten Schlachtschiff „Scharnhorst“, und er war der Onkel von Rüdiger Hildebrandt, dem Direktor der Beruflichen Schulen Stormarn in Bad Oldesloe. Und weil ihn dieses Schicksal und die Schicksale der anderen in den beiden Weltkriegen Gefallenen auf diesem Ehrenfriedhof zutiefst berührt, regte Hildebrandt an seiner Schule das Projekt „Steinen ein Gesicht geben“ an.

LN-Bild

Zwölftklässler haben die Geschichte hinter den Gedenksteinen auf dem Klein Wesenberger Friedhof ergründet.

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Schüler des zwölften Jahrgangs machten sich auf, die Hinterbliebenen zu befragen nach ihren Erinnerungen an die Gefallenen und die Kriegszeit. Sie sammelten alte Fotos ein, sie rekonstruierten deren Lebensläufe, sie schrieben einen Essay. Und präsentieren nun zum Volkstrauertag und darüber hinaus bis zum 1. Advent die Ergebnisse auf Schautafeln in der Klein Wesenberger Kirche. Sie haben den Steinen, die ein abseits des Hauptfriedhofes bei dem großen Holzkreuz in der feuchten Erde zwischen Büschen und Bäumen an die Schrecken der Kriege erinnern, in der Tat ein Gesicht gegeben. „Nach all der Zeit bleiben noch immer mehr Gefühle, Erinnerungen, Schmerz und Trauer als man zählen kann“, haben die 17- bis 18-Jährigen als Fazit auf eine der Stellwände geschrieben.

Die 18-jährige Joelina Linau aus Westerau hatte Anna Klempau, Witwe des im Oktober 1944 in Belgien gefallenen Andreas Klempau, deren Sohn und die Enkelin interviewt. Joelina berichtet von den noch guten Erinnerungen seiner Frau an ihn und seine Ängste. „Er wollte nie nach Belgien in den Krieg. Davor hatte er immer Angst“, habe die heute 100-Jährige berichtet. Und Joelina sagt: „Es war bedrückend zu sehen, dass viele Tote in unserem Alter oder sogar noch jünger waren.“

75 Steine für Gefallene aus Klein Wesenberg und umliegenden Dörfern im Ersten und noch einmal so viele für Gefallene des Zweiten Weltkrieges erinnern an den Tod in Stalingrad, im belgischen Ypern, wo hauptsächlich Engländer und Deutsche gegeneinander kämpften, wo Giftgas eingesetzt wurde und der Grenadier J. Abbenseth aus Klein Wesenberg fiel. Sie erinnern an Verschollene.

Freilich konnten die Schüler nicht jedem Stein ein Gesicht geben. Aber sie erhielten Einblicke in die Kirchenbücher aus jenen Jahren durch Pastor Erhard Graf. „Die Idee war, durch den örtlichen Bezug und die Aufarbeitung konkreter Einzelschicksale die Geschichte erlebbar zu machen“, sagt Oberstudienrätin Sabine Graumann. Sie betreute mit ihrem Kollegen Andreas Wittorf das Projekt. „Die Klasse hat mit viel Emphatie und gut vorbereitet die Gespräche geführt“, lobt Wittorf.

Die Auseinandersetzung mit den Gedenksteinen an die Toten aus Barnitz, Reecke, Schenkenberg, Trenthorst, Wesenberg und Westerau hat allerdings einmal mehr die Erkenntnis zutage gefördert, dass einige Findlinge dringend wieder aufbereitet werden müssen. „Reinigung mittels entsprechender Chemikalien und Bürsten“ sei notwendig, weiß Gutachter Thomas Helbing. Ein Nachschreiben der Schriften und anschließende Imprägnierung in Paraffin schlägt er vor.

Zudem will Pastor Graf das Friedhofsgelände an dieser Stelle hoch über den Travewiesen neu gestalten. Der Weg ist bei Nässe matschig und rutschig. Im Sommer überwuchern Buschwerk und Bäume die Erinnerung an die Gefallenen der Kriege.

Heute müssen die Klein Wesenberger den matschigen Weg zum Ehrenmal allerdings nochmal hinnehmen, wenn sie am Volkstrauertag nach dem Gottesdienst, bei dem Feuerwehr und Schützenverein erwartet werden, am Ehrenmal den Kranz niederlegen und der Toten gedenken.

Fahnen auf Halbmast

Am Volkstrauertag wird der Opfer von Krieg und Gewalt gedacht. Die Fahnen sind heute auf Halbmast gehisst.

Bad Oldesloe : Der Tag mit feierlichen Kranzniederlegungen und einer Gedenkfeier auf dem Alten Friedhof in der Bahnhofstraße. Die Kranzniederlegungen ist um 10 Uhr am Ehrenmal in Seefeld mit den Freiwilligen Feuerwehren Seefeld und Poggensee sowie der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Oldesloe und der Schützenverein Redderschmiede; 10.30 Uhr Kranzniederlegung Katholischer Friedhof, Wendum: 10.50 Uhr Kranzniederlegung Evangelischer Friedhof, Hamburger Straße. 11.15 Uhr Gedenkfeier auf dem Alten Friedhof, Bahnhofstraße

Reinfeld : Der Volkstrauertag beginnt mit einem Gottesdienst um 10 Uhr in der Matthias-Claudius-Kirche. Zur anschließenden Feierstunde mit Kranzniederlegung werden neben den Landsmannschaften auch Vertreter der politischen Parteien, der Stadt und des Amtes Nordstormarn, des SV Preußen Reinfeld, des Roten Kreuzes sowie des Sozialverbandes erwartet. Es spielt der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Reinfeld.

 Uwe Krog

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