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Stormarn Schüler greifen selbst zum Besen
Lokales Stormarn Schüler greifen selbst zum Besen
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09:10 13.01.2016
Marleen (9, l.) und Dunia (10) haben den Fegedienst für ihre Klasse übernommen. „Das bringt uns Spaß“, sagen die Schülerinnen der 4 d.

Die Stadt Bad Oldesloe muss in diesem Jahr die Gebäudereinigung neu ausschreiben — in sämtlichen Liegenschaften. „Da stellt sich die Frage, ob die Schulen nicht in Eigenleistung treten können“, trug Bürgermeister Tassilo von Bary kürzlich bei einer Sitzung des Bildungs-, Sozial- und Kultur-Ausschusses (BSKA) vor. Soll heißen: Schüler sollen selbst zu Besen, Kehrschaufel und Handfeger greifen. Die Grund- und Gemeinschaftsschule am Masurenweg sei ein Musterbeispiel dafür, erklärte von Bary.

„Wir praktizieren das Modell bereits seit vielen Jahren“, sagt Rektor Matthias Welz. „Immer dienstags und donnerstags in den Monaten von Februar bis Oktober fegen die Schüler und Schülerinnen nach dem Unterricht ihre Klassenräume aus.“ Der Sanitärbereich werde selbstverständlich weiter jeden Tag von Profikräften gereinigt und die Flure gewischt. Das pädagogische Konzept hinter dem Schüler-Putzdienst: Der Nachwuchs werde mit in Verantwortung gezogen. „Und die Kinder und Jugendlichen lernen: Wer sich engagiert, wird belohnt. Denn der Fegedienst spült zusätzlich Geld in die Schulkasse“, so der Rektor. Die eingesparten Reinigungskosten teilen sich der Schulverband als Träger und die Grund- und Gemeinschaftsschule. „14000 Euro haben wir jedes Jahr im Schnitt durch die Maßnahme zusätzlich zur Verfügung. 6000 Euro werden an die 33 Klassen verteilt — das sind 180 Euro für jede Klasse. Was wir mit den restlichen 8000 Euro machen, das entscheidet die Schulkonferenz, die sich aus Schülern, Elternvertretern und Lehrkräften zusammensetzt“, erklärt Welz. Die Klassen würden die 180 Euro für Ausflüge oder Klassenfeste verwenden. „Von den 8000 Euro werden meist Spielgeräte angeschafft.“ Ein Unterstand wurde in den vergangenen Jahren gebaut, ein Innenhof mit Sitzbänken, Tischen und Grill ausgestattet, Nestschaukeln wurden gekauft und ein Klettergerüst.

Die neunjährige Marleen und die zehnjährige Dunia sorgen in der Klasse 4d während der Sommermonate für die nötige Sauberkeit. Die beiden Mädchen haben sich freiwillig für den Fegedienst gemeldet.

„Wir machen das gemeinsam — und uns bringt das Aufräumen und Saubermachen richtig Spaß“, erzählen die Viertklässlerinnen. Die Mitschüler würden aber auch alle ganz gut mithelfen. „Die Kinder achten schon darauf, dass sie kein Papier und keinen Müll auf den Boden schmeißen“, sagt Klassenlehrerin Regina Spirgatis-Budnick.

Henning Bergmann, Schulleiter der Theodor-Mommsen-Schule, kann sich auch vorstellen, dass die Schüler der TMS künftig beim Putzen mit anpacken. „Ich stehe dem Modell positiv gegenüber, Schüler mit in Verantwortung zu nehmen.“ Dass Schulen über diese Maßnahme die Möglichkeiten hätten, ihren Etat zu erhöhen, sei ein positiver Nebeneffekt. Für das zweite Schulhalbjahr hat Bergmann sich das Thema deshalb auf die Agenda geschrieben.

Andreas Bielke, Schulleiter der Ida-Ehre-Schule, war bei einer Sitzung dabei, als von Bary den Reinigungsdienst für Schüler in Erwägung gezogen hat. „Aber mit einmal durchfegen ist es nicht getan“, findet Bielke. „Wir brauchen ein gewisses Maß an Grundsauberkeit. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass die Schüler mit einem Wischeimer durch die Klassen gehen.“ Seine Schule hätte jetzt schon das Problem, dass die Gesamtqualität in Sachen Sauberkeit zurzeit an der untersten Grenze sei. „Bei uns muss man einfach mit den großen Maschinen durchgehen. Nur fegen und wischen — das reicht nicht.“

Zudem würden die Schüler der Ida-Ehre-Schule bereits seit Jahren Verantwortung übernehmen. Jede Schulklasse hätte einen Tafel- und Fegedienst. „Eine Zuwendung dafür wäre schön. Bisher fließt dafür aber kein Cent von der Stadt“, sagt Bielke.

Britta Matzen

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