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Schulessen per Fingerprint: Politik sagt nein

Ahrensburg Schulessen per Fingerprint: Politik sagt nein

Die Schule Am Heimgarten wollte ein umstrittenes Bezahlsystem für die Mensa einführen — als erste im Land. Doch der Ahrensburger Bildungsausschuss votierte dagegen. Einige Eltern sind damit gar nicht einverstanden.

Ahrensburg. Das Schulzentrum Am Heimgarten in Ahrensburg bekommt ein neues Bezahlsystem — allerdings ohne Fingerabdruckvariante. Der Bildungs-, Kultur- und Sportausschuss folgte in seiner jüngsten Sitzung einem Antrag von der Wählergemeinschaft für Ahrensburger Bürgermitbestimmung (WAB) und der FDP.

In dem hieß es, „der Anschaffung und Einrichtung eines Anmeldungs- und Abrechnungssystems für die Mittagessenversorgung in der Cafeteria im Schulzentrum Am Heimgarten, jedoch ohne die Möglichkeit zur Bezahlung mit dem Fingerprint zuzustimmen“. Zudem solle die Stadt Ahrensburg dafür Sorge tragen, die Bezahlung des Mittagessens an allen Ahrensburger Schulen auch zukünftig ohne die Erhebung biometrischer Daten von Kindern und Jugendlichen zu gewährleisten. Fünf Ausschussmitglieder stimmten für, zwei gegen den Antrag. Einer enthielt sich. Damit ist der Fingerabdruck endgültig vom Tisch.

„So etwas hat in Schulen nichts zu suchen“, sagte Dustin Holzmann, der für die WAB im Ausschuss sitzt. Er halte das Bezahlsystem mit Fingerprint nicht nur aus datenschutzrechtlichen, sondern auch aus pädagogischen Gründen für mehr als bedenklich.

In Hamburg hat das System der Firma People & Projects IT bereits für reichlich Wirbel gesorgt. So soll das Unternehmen in einer Grundschule Fingerabdrücke von Kindern genommen haben, deren Eltern dem Verfahren gar nicht zugestimmt hatten. Die Firma entschuldigte sich, ein schaler Beigeschmack blieb. Dennoch wünschten sich das Schulzentrum sowie die ehrenamtlichen Kocheltern und die Firma Helbing Rabe Cafeteria, die die Kinder tagtäglich mit frischem Mittagessen versorgen, eben dieses System.

Schulleiter Karl- Heinz Bock warb im Ausschuss noch einmal für die Idee. „Die Kocheltern können das Essen nicht optimal kalkulieren“, sagte er. Oft müsse viel weggeworfen werden. Alles mögliche an Planung sei probiert worden, nichts hätte geklappt. „Deshalb wollten wir eine eigene Lösung mit Chipkarte und Fingerprint, mit der die Kinder morgens entscheiden können, ob sie essen oder nicht.“

Dass nun ein neues System eingeführt wird, findet sowohl bei Schulleitung als auch bei Eltern Zustimmung. Dass allerdings die Fingerprint-Variante abgeschmettert wurde, freut nicht jeden. „Ich hätte gerne selbst entschieden, ob mein Kind mit Chipkarte oder Fingerabdruck bezahlt“, empörte sich Christine Plumpe von den Kocheltern im Anschluss an die Sitzung. „Ich fühle mich von der Politik gegängelt.“ Michaela Rabe von Helbing Rabe Cafeteria hätte auch gerne den Fingerabdruck gehabt. „Ich habe drei Söhne. Ich weiß, wie das ist. Nach drei Wochen haben die ihre Chipkarte verloren. Einen Fingerabdruck verliert man nicht so schnell.“

Dr. Thilo Weichert hingegen wird beruhigt sein, dass das Ahrensburger Schulzentrum nicht die erste Einrichtung in Schleswig-Holstein mit Fingerabdruck-Bezahlsystem sein wird. „ Ich bin nicht begeistert, dass Kinder quasi unter Druck mit solch einem Verfahren konfrontiert werden. Es gibt datenschutzfreundlichere Möglichkeiten, eben die Chipkarte“, sagte der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte. „Ich würde jeder Schule empfehlen, auf Biometrie zu verzichten. Das ist Spielerei, eine gefährliche Spielerei.“ Weichert weiß um die Probleme bei der Einführung des Systems in Hamburg. Er betonte, dass das Unabhängige Datenschutzzentrum des Landes das Produkt der Firma People & Projects IT zwar zertifiziert habe, aber „ ausdrücklich ohne die biometrische Erfassung“.

Sollten die Schulkonferenzen dem Vorschlag zustimmen, dann könnte im ersten Quartal des kommenden Jahres das neue Bezahlsystem eingeführt werden. Die Verwaltung rechnet — trotz technisch abgespeckter Variante — mit Kosten von rund 7500 Euro, von denen die Firma Helbing Rabe 1500 Euro trägt. Der Preis für das tägliche Essen der Kinder wird sich vermutlich von 2,50 auf drei Euro erhöhen.

Verena Bosslet

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