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Stormarn Ärger an der Zapfsäule
Lokales Stormarn Ärger an der Zapfsäule
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12:42 09.10.2018
Tankstellen wie Shell bekommen die Preise von ihren Gesellschaften diktiert. Freie Tankstellen können zum Teil selbst bestimmen, was der Liter Kraftstoff kostet. Quelle: MATZEN
Bad Oldesloe/Reinfeld

Joachim Sauer ist genervt. Die Tankstellen in Bad Oldesloe hätten in den vergangenen zwei Wochen richtig zugelangt. „Für Diesel und Benzin musste man im Schnitt 15 Cent mehr pro Liter bezahlen als im Umkreis“, ärgert sich Rethwischdorfer. Dass die Preise in der Kreisstadt hoch waren, hat auch das Team von der Esso-Station Berendt in Reinfeld bemerkt. „Zu uns sind in letzter Zeit viele Oldesloer zum Tanken gekommen. Hier ist Sprit viel günstiger, haben uns die Kunden erzählt“, berichtet Tankwart Heiko Kleinfeld.  

Apps machen Preise transparent

Als Autofahrer hat man heute mehr Möglichkeiten als früher. Dank Vergleichsportalen wie CleverTanken.de sind die Preise der einzelnen Anbieter und Orte transparent. „Ich habe auch eine Tank-App auf meinem Smartphone. Dort sind die Tankstellen aus einem Umkreis gespeichert, bei denen ich normalerweise tanke. Kastorf ist unter anderem dabei, weil wir da oft durchfahren und die Tankstelle relativ günstig ist. Die war in den vergangenen zwei Wochen zehn bis 20 Cent günstiger als die freien Tankstellen in Oldesloe“, so Sauer. Das habe ihn gewundert, da zumindest die freien Tankstellen mit Kastorf immer auf einem Niveau gewesen seien. „Dann habe ich mal einen etwas größeren Kreis geschlagen, was die Benzinpreise angeht.

Benzin in Bad Oldesloe am teuersten

Oldesloe war echte Hochburg. Reinfeld, Bargteheide, Lübeck, Ahrensburg – alle waren zehn bis 15 Cent günstiger.“ Für einen Liter Diesel hätten sogar die Oldesloer Tankstellen an einem Vormittag sogar 1,42 Euro aufgerufen. „Das war ziemlich extrem. In Kastorf und Umfeld lagen die Preise zum selben Zeitpunkt bei 1,24 bis 1,25 Euro pro Liter Diesel.“ Kurz vor dem Feiertag, dem 3. Oktober, war Joachim Sauer in der Stadt und sah, dass die freie Tankstelle in der Ratzeburger Straße die Preise gesenkt hatte. „Da war natürlich gleich eine Schlange. Ich bin weiter zur Freien bei Famila, die waren auch relativ günstig. Da habe ich den Tank mal wieder vollgemacht“, so der Stormarner. Mit der Dame an der Kasse sei Sauer ins Gespräch gekommen. „Wie kommt es, dass die Benzinpreise so hoch sind“, wollte er wissen. Sie habe ihren Wagen am Vortag noch zu den hohen Preisen vollgetankt, weil sie selbst nicht wüssten, wann die Preise hoch- oder runtergingen, habe Sauer als Antwort erhalten. Die Gesellschaften würden die Preise diktieren, die Tankstellenpächter hätten keinen Einfluss. „Da wird ein ganz großes Rad gedreht. Das ist wirklich mehr als ärgerlich, wenn eine Stadt so heraussticht“, meint der Rethwischdorfer.

Hans Pieper, Sprecher des ADAC: "Die Spritpreise erhöhen sich über den Tag mit mehreren Spitzen." Quelle: Britta Matzen

Eine Nachfrage beim ADAC ergab: „Große Ketten haben keinen Einfluss auf die Preise. Da wird es vorgegeben. Wenn Sie hingegen eine freie Tankstelle haben, können Sie selbst bestimmen, wie die Preisgestaltung ist“, so Hans Pieper, Sprecher des ADAC. Von den freien Tankstellen gebe es aber immer weniger. „Die sterben aus“, so Pieper.

Tankstellen orientieren sich an Konkurrenz

Es sei aber nicht verwunderlich, dass die freien Tankstellen ähnliche Preise wie Aral, Esso oder Shell aufriefen. „Der Markt ist transparent. Die Pächter können die Vergleichsapps benutzen und sehen, wie es im Umfeld aussieht. Die orientieren sich an der Konkurrenz.“

Tankstellen-Apps nutzen

Mehrmals am Tag ziehen die Preise an den Tankstellen an, sagt Hans Pieper vom ADAC. Menschen, die viel mit dem Auto unterwegs sind, empfiehlt er die Nutzung von Tankstellen-Apps für das Smartphone. Die Nutzer geben ihre Postleitzahl an, können dann ständig aktualisierte Spritpreise bei Tankstellen in ihrer Nähe abrufen.

Warum nun ausgerechnet Bad Oldesloe wie zuletzt die höchsten Spritpreise verlange, dafür gibt es laut ADAC nicht nur eine konkrete Erklärung. Vermutlich liege es an Angebot und Nachfrage. Wie viele Tankstellen gibt es? Wie ist das Verhalten der Autofahrer? Wie viele fahren hin, obwohl die Preise hoch sind? Gibt es Alternativ-Tankstellen? Was verlangen die? „Das ist die große Gemengelage, die eine Rolle spielen kann“, so der ADAC-Sprecher.

Mehrere Preisspitzen über den Tag

Heutzutage wird bei der Preisgestaltung des Sprits wohl so ziemlich alles analysiert. Früher war es auch so, dass Kraftstoff zum Wochenbeginn am günstigsten war. Dann galt die Regelung, dass man Feierabend-Tanken am meisten sparen konnte. „Was es tatsächlich in letzter Zeit sehr schwierig gemacht hat, im Spritpreis zu sparen, ist, dass es nicht mehr die klassischen Spitzen gibt, sondern dass sich die Preise über den Tag mit mehreren Spitzen immer wieder erhöhen. Zum Beispiel wird der Kraftstoff im Feierabend noch mal teurer, bevor er dann fällt. Auch über die Mittagszeit haben wir eine neue Spitze entdeckt“, so Pieper. Dadurch werde es dem Autofahrer erschwert, preislich gut wegzukommen. Pieper: „Die neue Empfehlung ist tatsächlich, wenn möglich nach 17 oder sogar 18 Uhr noch mal zu gucken, ob man da an den günstigeren Preis kommt.“ Außerdem empfiehlt der ADAC, sich mithilfe von Apps oder Internetportalen zu erkundigen, wie die Spritpreise im Umkreis sind. Dann könne man durchaus günstigere Preise erreichen und pro Tankfüllung bis zu zehn, zwölf Euro sparen.

Britta Matzen

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