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Schwarz: Wir brauchen neue Ideen

Rethwisch Schwarz: Wir brauchen neue Ideen

Landwirt zu sein, ist zurzeit kein Honigschlecken. Denn die Preise für Milch und Schweinefleisch sind im Keller. Zum Start der Internationalen Grünen Woche in Berlin weist Landesbauernpräsident und Vize des Deutschen Bauernverbandes Werner Schwarz auf die prekäre Situation der Landwirte hin.

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„Der Schweinepreis ist auf einem dramatischen Tiefpunkt. Davon kann man nicht leben“, sagt Landesbauernpräsident Werner Schwarz.

Rethwisch.  Gleichzeitig fordert er Landwirte auf, neue Ideen zu entwickeln und Transparenz zu zeigen, um für mehr Akzeptanz bei den Verbrauchern zu sorgen.

Milchbauern sind in der Krise. „Momentan erhalten die Berufskollegen durchschnittlich 27 Cent pro Liter Milch — das reicht nicht, um die entstandenen Kosten auszugleichen. Kostendeckend wären 35 bis 38 Cent“, erklärt Schwarz. Sorgen bereitet dem Landesbauernpräsidenten auch, dass seit dem Wegfall der Milchquoten Holland und Irland ihre Milchproduktion massiv steigern. „Irland hat um 15 Prozent zugelegt, Holland um zehn Prozent — Deutschland im Vergleich dazu nur um ein bis zwei Prozent. Beide Länder können zudem günstiger produzieren, in Irland gibt es keinen Frost, die Holländer haben weniger Auflagen. Deutschland ist dadurch im Wettbewerbsnachteil.“ Gleichzeitig sinke der Absatz. Der russische Markt fehle, auch China kaufe weniger. „Meine Befürchtung ist deshalb, dass es ein anhaltendes Tief ist.“

Besonders schwer hätten es auch die Sauenhalter — ihnen setzten die ruinösen Ferkelpreise zu. „Für ein 25-Kilo-Ferkel gibt es heute einen Grundpreis von 32 Euro — davon kann kein Sauenhalter existieren“, weiß Schwarz. Der Grundpreis müsse eigentlich bei 48 bis 50 Euro liegen. Schweinemäster seien etwas besser dran. „Die haben den Vorteil, dass sie die Ferkel zu günstigen Preisen kaufen können.“

Eine Viehzählung hätte bereits ergeben, dass die Zahl der Muttertiere zurückgehe. Die niedrigen Preise zwingen immer mehr Sauenhalter zur Aufgabe. Kein Wunder. „Viele Bauern sagen sich, das lohnt sich einfach nicht mehr“, erklärt der Landesbauernpräsident, der selbst Schweinezüchter mit einem Betrieb bei Rethwisch ist und die Sorgen der Landwirte aus eigener Erfahrung kennt. „Wir haben 500 Muttersäue und ziehen im Jahr 6000 Ferkel auf. Wir haben genau das Problem, dass die Kosten nicht gedeckt werden. Zum Glück haben wir eigenes Getreide, so dass wir noch nicht in einen finanziellen Engpass gekommen sind. Aber wir verdienen kein Geld.“ Im Frühjahr 2015, als die Preise noch auskömmlich waren, erzielte Schwarz 160 Euro pro Schlachtschwein. „Heute bekommen wir 110 Euro für ein ausgewachsenes Tier. Das tut verdammt weh. Und irgendwann ist der Sparstrumpf aufgezehrt.“

Export ist ein wichtiges Stichwort. Mit dem Russland-Embargo ist ein Abnehmer weggefallen. Doch die Mengen konnten kompensiert werden — durch das Erschließen neuer Absatzmärkte. Ganz oben auf der Liste: Asien. „Dorthin liefern wir vor allem Nebenprodukte, die bei uns keiner essen will. Wir sind auf den Export angewiesen.“ Edelteile wie Filets, Koteletts und Schinken würden nach Deutschland sogar importiert werden — „weil der Bedarf hierzulande nicht gedeckt wird.“ Doch jetzt kämen Politiker wie Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) auf die Idee, die Agrarbetriebe sollten auf Exporte verzichten. „Wer soll denn das Fett, die Schweineohren und Schwänze essen? Das sind doch nur Abfälle für die Deutschen und damit wertlos“, so Schwarz.

Kritik übt Schwarz an einem weiteren Vorschlag Habecks — macht mehr Bio. „Bio boomt. Das ist auch gut so. Aber wenn der Markt mit Biofleisch überschwemmt wird, werden die Preise fallen.“ Konsequenz:

Auch Öko-Landwirte werden in ihrer Existenz bedroht sein.

Wie kann es nun weitergehen? „Wir müssen neue Ideen entwickeln. Wir erleben auch viel Kritik an unserer Tierhaltung. Wir müssen uns fragen, ob es andere Wege gibt. Wie schafft man es, die negative Stimmung gegen die Landwirte aus der Welt zu schaffen? Mit Transparenz. Wir müssen Glaubwürdigkeit erzeugen. Ehrlich sein. Ich habe mir eine Kamera in den Stall gestellt. Das erfordert Mut, die echten Bilder zu zeigen. Der Verbraucher sagt: Okay, keine schönen Bilder, aber wir können darüber diskutieren.“ Auch das Programm „Grundschüler auf dem Bauernhof“, wofür sich Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) eingesetzt habe, sei ein Schritt in die richtige Richtung. Ansonsten könne Schwarz den Landwirten empfehlen, sich auf kleine Bereiche zu spezialisieren. „Das Angeliter Sattelschwein ist ein Erfolgsprojekt oder auch die regionale Milchproduktion.“

Landwirtschaft auf Erfolgskurs
23 Bioland-Höfe aus der Region haben sich zusammengeschlossen und unter der Marke Hamfelder Hof eine eigene Biomeierei gebaut. Jeder Bauer ist auch Mitbesitzer der Meierei. Weitere regionale Erfolgsprojekte sind die Seefelder Landmilch, die Angeliter Sattelschweine von Bauer Schramm aus Ahrensbök oder das Netzwerk Feinheimisch, das regionale Erzeuger und Manufakturen fördert.
415 000 Besucher hatte die Internationale Grüne Woche 2015 angezogen, davon waren 100 000 Fachbesucher. Die Unternehmen probieren in Berlin auch aus, wie gut neue Produkte beim Publikum ankommen. Es ist die weltgrößte Schau der Land- und Ernährungswirtschaft sowie des Gartenbaus.
Präsentiert werden 100 000 Nahrungs- und Genussmittel, Tiere und Pflanzen. In diesem Jahr sind wieder mehr als 1600 Anbieter aus über 60 Ländern dabei.

Britta Matzen

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