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Stormarn Schwule Jugendliche sollen zu Hause Verständnis finden
Lokales Stormarn Schwule Jugendliche sollen zu Hause Verständnis finden
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20:36 05.04.2014
Charlotte Klein und Peter Schwarzpaul laden junge Leute ein, um beim Projekt „Kreuz und Queer“ mitzumachen. Quelle: kks
Bad Oldesloe

Was ist mit mir? Ich steh einfach nicht auf Jungs. Warum verliebe ich mich nicht in Mädchen, wie meine Kumpels auch? Ist das normal, geht das wieder weg? Mit unendlich vielen Fragen setzen sich Jugendliche und junge Erwachsene auseinander, die sich nicht zum anderen Geschlecht hingezogen fühlen. Oft bekommen sie auf ihre Fragen keine Antworten, weil sie nicht wissen, an wen sie sich wenden können. Hier setzt das Projekt „Kreuz und Queer“ an, das jetzt auch im Kreis Stormarn angeboten wird. Damit gibt es in sechs Kreisen im Norden Anlaufpunkte für Jugendliche unter 27 Jahren.

In Stormarn gibt es davon vier. In Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendring bietet Nasowas, die Informations- und Beratungsstelle für lesbische, schwule, bisexuelle, trans- oder intersexuelle Jugendliche und junge Erwachse aus Lübeck sowohl in Bad Oldesloe (Jugendfreizeitstätte), Ahrensburg (Bruno-Bröcker-Haus), Bargteheide (Schulforum) und Glinde (Spinosa) Gruppenabende an — Abende unter jungen Leuten, die sich mit ihrer Sexualität auseinandersetzen.

Statt sich in finsteren Kellerräumen mit den Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu treffen, „wollten wir uns von vornherein an örtliche Jugendzentren andocken“, erklärt Peter Schwarzpaul, Leiter und Koordinator bei Nasowas. Integration ist das Ziel. „Wir wollen, dass die Jugendlichen mitkriegen, dass wir mit der Gruppe da sind.“ Der Kreisjugendring agiere dabei als „Türöffner und Multiplikator“, erklärt Charlotte Klein vom Kreisjugendring, zuständig für die Jugendarbeit auf dem Lande. Das Projekt von Nasowas passt wunderbar ins Konzept. „Es ist ein Aufklärungsangebot für Jugendliche, die in der Identifikationsphase sind.“ Egal, wie als sie sind, denn 14- bis 26-Jährigen verbringen gemeinsam ihre Freizeit. Sie wollen gemeinsam Schwimmen gehen, ins Kino, wollen kochen und backen oder den Christopher-Street-Day in Hamburg besuchen. Dabei kommt es zu einem Austausch mit den Gruppen aus anderen Kreisen. „Wir machen einmal im Monat einen Ausflug mit den anderen Gruppen“, so der Leiter von „Kreuz und Queer“. Sein Ziel: 2015 solle jede kreisfreie Stadt und jeder Kreis im nördlichsten Bundesland Angebote machen: „Die Jugendlichen sollen aus der Haustür kommen und eine Gruppe mit Gleichgesinnten haben.“

Auf diese Weise sollen sie vor Ort junge Leute kennen lernen, die ebenfalls eine andere sexuelle Orientierung haben — nicht über das Internet, das auf dem Land allerdings noch immer eine sehr wichtige Rolle spielt — zum Gedankenaustausch, zum Kennenlernen. In Städten wie Hamburg, Berlin oder Köln ist das anders. Sowohl Klein als auch Schwarzpaul sprechen von Landflucht, kennen junge Erwachsene, die, sobald sie mit ihrer Schule fertig waren, in die Städte gezogen sind — damit sie unbeschwert ihr Leben leben können.

Mit Hilfe der Gruppen soll es möglich werden, dass die jungen Menschen in ihrer Heimat bleiben. Frei nach dem Motto: „Hier fühle ich mich wohl, hier möchte ich so leben, wie ich will.“ Dazu gehört aber, dass das Umfeld offen für vielfältige Lebensweisen ist. Und das könnte mit dem Bildungs- und Aufklärungsprojekt „Schlau“ erreicht werden, das in Schulen und Institutionen Hemmungen ab- und Verständnis aufbaut. Auch das kommt aus dem Hause von Nasowas.

„Die Jugendlichen sollen aus der Haustür kommen und eine Gruppe mit Gleich- gesinnten haben.“


Peter Schwarzpaul

K. Kuhlmann-Schultz

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