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Stormarn Seltenen Arten auf der Spur
Lokales Stormarn Seltenen Arten auf der Spur
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07:59 31.07.2017
Patrick Jaskowski ist einer von 60 Kartierern, die sämtliche Schutzgebiete in Schleswig-Holstein untersuchen. Derzeit nimmt er das Brenner Moor genauer in Augenschein. Quelle: Fotos: Von Dahlen
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Bad Oldesloe

Wie einen Bauchladen trägt Patrick Jaskowski die Holztafel vor sich her. Statt Zigarren, Brühwürste oder Süßigkeiten feilzubieten, notiert der Biologe fleißig alle Besonderheiten, die ihm auf seiner Tour durch Stormarner Biotope unterkommen. Im khakifarbenen Outfit besitzt er auch die nötige Tarnung, um von der Tierwelt nicht als bedrohlicher Eindringling wahrgenommen zu werden. So befasst sich der Wissenschaftler bei seinem Streifzug durch Grünlandgebiete in Stormarn auch mit dem wichtigsten Oldesloer Schutzgebiet, dem Brenner Moor.

Patrick Jaskowski dokumentiert die Naturschönheiten im Brenner Moor und anderen Schutzgebieten.

„Ich untersuche, welche Tier- und Pflanzenarten hier vorkommen. Immerhin ist das Moor einer der größten Binnenstandorte für Salzquellen in ganz Schleswig-Holstein“, sagt Jaskowski. Entsprechend groß

war seine Begeisterung, viele seltene Rote-Listen-Arten zu finden. So entdeckte er das scheue und vom Aussterben bedrohte Braunkehlchen. Dem Bodenbrüter ist die intensive Grünlandnutzung zum Verhängnis geworden, da sie ihn jeglicher natürlicher Nahrungsquellen beraubt. Auch freilaufende Hunde stören das Brutgeschäft der Vögel, deren Junge zudem leichte Beute für Hauskatzen sind. Das Brenner Moor scheint also noch ein sicheres Refugium für diese Art zu sein.

Jaskowski kam aber auch auf die Spur der Pflanzen, die sich ausschließlich im salzigen Milieu wohlfühlen, an anderen Standorten aber kläglich eingehen würden. Als Beispiele dafür nannte der Biologe die Bottenbinse, Salzaster, Strand-Dreizack, Rotschwingel Milchkraut und die Gelbe Wiesenraute. Sehr schön in Blüte steht dieser Tage auch der Sumpf-Storchenschnabel, der sehr feuchte Standorte bevorzugt. Das in weiten Teilen überschwemmte Brenner Moor bietet dafür ideale Bedingungen.

Die Kartierung, die das Land Schleswig-Holstein in Auftrag gegeben hat, soll die Übersicht über wertvolle Gebiete im Land verbessern und alle Erkenntnisse, die bisher „nur wie ein Flickenteppich“

vorliegen, zusammenführen. Alle gesammelten Daten fließen im Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume zusammen, werden dort aufbereitet und ins Internet gestellt.

„Auf diese Weise haben auch Planer schneller Information darüber parat, wo sich wertvolle Biotope und gesetzlich geschützte Gebiete befinden“, sagt Jaskowski vom Büro Hortulus aus Mertesdorf bei Trier, das eines von neun Büros in Schleswig-Holstein ist, das mit der Dokumentation betraut wurde. Alles in allem dokumentieren 60 Kartierer seit 2014 flächendeckend den Zustand der Naturschönheiten im ganzen Land, wozu neben Mooren auch naturbelassene Seen und Flussläufe gehören.

Das Wissen um die bedrohten Landschaftstypen kann auch für Firmen wichtig sein, die Bauprojekte vorhaben. Ein Blick in die Datenbank schützt sie davor, unnötig viel Geld für eine Planung auszugeben, sollte die Lage des Baugrundstück zu Konflikten mit einem sensiblen geschützten Gebiet führen. „Ein Unternehmer weiß dann gleich: ’Hier muss ich meine Finger davon lassen oder zumindest vorsichtig sein’“, berichtet Jaskowski.

Doch hat die Biotopkartierung noch einen anderen Grund. Letztmalig hatte die Landesregierung Bestandsaufnahmen in den 1980er Jahren vornehmen lassen. Diese Daten sind inzwischen veraltet und genügen nicht mehr den Anforderungen des nationalen wie internationalen Naturschutzrechts. Denn auch Schleswig-Holstein muss in regelmäßigen Abständen über die schützenswerten Lebensräume berichten, um nachweisen zu können, dass keine Verschlechterung des Zustands eingetreten ist.

Jaskowski ist sich ziemlich sicher, dass dies beim Brenner Moor auf keinen Fall geschehen ist und das, obgleich das Gebiet nicht hermetisch abgeriegelt, sondern für Spaziergänger und Erholungssuchende zugänglich ist. „Zum Glück ist die Besucherlenkung über die Holzbohlenwege so gut gelungen, dass der Mensch auch in den Genuss der Schönheit gerät, ohne die Natur großartig zu stören. Das ist nicht immer leicht zu arrangieren“, sagt der Biologe. Nach der Inspektion des Brenner Moors wird er sich weiteren Gebieten in Stormarn und Lübeck zuwenden.

20 Prozent schon online

Die aktuelle Biotopkartierung in ganz Schleswig-Holstein läuft noch bis zum Jahr 2019. 20 Prozent der schützenswerten Gebiete sind bereits technisch aufgearbeitet und im Internet einsehbar, genauso wie die Ergebnisse der Kartierung aus den Jahren 1978 bis 1993. Abfragen nach Pflanzenarten und deren Gefährdungen sind ebenso möglich. Zu finden sind die Informationen im Netz unter www.schleswig-holstein.de/biotope. Die genaue Lage und eine Beschreibung der bislang erfassten Wertbiotope sind dort ebenso aufgeführt.

Dorothea von Dahlen

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