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Stormarn Sichtwechsel: Vom Standpunkt einer Rotbuche
Lokales Stormarn Sichtwechsel: Vom Standpunkt einer Rotbuche
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20:17 13.09.2013
Den Erzähler ihrer Geschichte haben die Lohnaus täglich vor Augen: Die mächtige Rotbuche vorn in der Mitte beim Hof Dröhnhorst.

Die Familie Lohnau aus Reinfeld und ihre Schrebergarten-Nachbarin Eike Hilbert (46) haben den von der Stadt ausgeschriebenen Schreibwettbewerb im Rahmen der Veranstaltungsreihe „LesArt“ gewonnen.

„Die kleine Buche und das große Feuer“ haben sie ihre Geschichte genannt. Darin erzählt eine Rotbuche am Messingschläger Teich, warum „ich mich so gut an die Großmutter erinnern kann“.

Von Lohnaus Wohnzimmer aus können sie den wohl über hundert Jahre alten, mächtigen Baum sehen. Er muss, glauben die Autoren ganz fest, das Geschehen auf dem Hof Dröhnhorst im Jahre 1910 schon miterlebt haben. „Wenn Bäume nur Geschichten erzählen könnten“, wünscht sich Eike Hilbert.

Da die Menschen aber allenfalls aus den Jahresringen auf gute oder schlechte Jahre für den Baum schließen können und die Sprache der rauschenden Blätter nicht verstehen, haben sich die drei Erwachsenen und der zwölfjährige Alexander selber um den Wohnzimmertisch gesetzt und einen Zeitungsartikel von 1910 ausgeschmückt — und aus der Sicht dieses Baumes erzählt. Es ist die wahre Geschichte eines Scheunenbrandes, der auf die benachbarte Bauernkate überzugreifen drohte. Doch darin war die gerade verstorbene Urgroßmutter von Rolf Käselau aufgebahrt. Die Flammen umzingelten bereits das reetgedeckte Gebäude.

Von dem Inhaber des ehemaligen Kaufhauses Käselau hatten die Autoren diesen Zeitungsartikel bekommen. Gedruckt in alter Frakturschrift, hat Eike Hilbert den Text entschlüsselt. Käselau unterstützte die Gruppe auch beim Recherchieren der Geschichte mit seinen frühen Erinnerungen, mit seiner Familienhistorie, mit seiner Ortskenntnis. Und Felix (12) betätigte sich als Archäologe am Brandort, fand einen in Holz getriebenen Nagel aus jener Zeit, fand alte Ziegelsteine, auf denen es Abdrücke von Kinderhänden, Katzenpfoten und Siegel gab. Heute ist der Ort, an dem der Leichnam der gerade verstorbenen Urgroßmutter lag, überwuchert von Hollunder, Brennnesseln und Brombeeren.

Ein Ort zum Träumen, zum Phantasieren im Schatten der inzwischen mächtigen Rotbuche. „Die Hitze wurde immer unerträglicher“, erzählt sie. „Und ich bekam kaum noch Luft zum Atmen . . . brennende Strohstückchen wirbelten durch meine Äste. Hätte ich doch bloß Beine gehabt wie die Menschen . . .“

Wenn der eine nicht mehr weiter wusste, brachte der nächste seine Idee ein. „Wir haben uns hinein gefühlt in den Baum“, erzählt Eike Hilbert. „Das ist nur so gesprudelt“, sagt Mutter Thora Lohnau (44) . „Das ist wie von Zauberhand geflossen“. Und Vater Martin (44) ergänzt: „Es brodelte in den Köpfen.“ Christian (14) wollte zwar nicht so recht mitmachen, wird deshalb auch nicht als Autor aufgeführt. Aber er wirkte im Hintergrund als „Wortfinde-Berater“ mit.

Das gemeinsame Erzählen war ihre Freizeitbeschäftigung in den Sommerferien. Hinzu kam ein intensives Wochenende vor dem Abgabetermin. Manchmal saßen sie dabei auf der Terrasse, und mit dem Sommerwind von drüben, vom Hof und vom Teich kamen die Ideen nur so geflogen. „Wir haben die verschiedenen Richtungen ausgelotet und uns dann für eine entschieden“, berichtet die Mutter.

Gestern sind sie im Rathaus belohnt worden für ihre Mühe. Mit viel Lob und einem Gutschein. Die Lohnaus und ihre Freundin haben die vorgegebenen Kriterien am besten erfüllt. Sie haben einen engen Reinfeldbezug hergestellt, sie haben spannend und unterhaltsam erzählt. Der Perspektivenwechsel, aus der Sicht des Baumes zu erzählen, kam bestens an. Es ist allerdings kaum verwunderlich, dass die Erzähler diese Sichtweise wählten. Schließlich sind sie alle im Naturschutzbund. Bäume, die Natur sind ihnen wichtig.

Pralle Woche bei der „LesArt“
Eine kabarettistische Lesung mit Carla Berling gibt es heute in der Alten Schule um 19. 30 Uhr — mit Picknick. Autoren aus der Region lesen morgen, 15. September, ab 10 Uhr. Mit gemeinsamem Frühstück, Alte Schule. Wolfram Eicke liest am Montag in der Stadtbücherei um 15 Uhr. Literaturcafé mit Friederike Küster gibt es am

Dienstag um 15 Uhr im Claudiushof. Die Schreibwerkstatt mit Bettina Sick-Folchert ist am Mittwoch auf der Seepromenade geöffnet, bei Regen in der Alten Schule, 17 bis 20 Uhr. Lesen für Demente am Donnerstag ab 15 Uhr bei Asklepios im Kaliskaweg. Lesung und Kunst mit Maja Schulze gibt es am Freitag ab 15 Uhr, im Claudiushof. Bücherflohmarkt in der Grundschule am Sonnabend von 10 bis 12 Uhr. Eine zauberhafte Lesung bietet Peter Blankenburg am selben Tag in der Buchhandlung Michaels, um 19.30 Uhr. Und: eigene Texte vorlesen um 15 Uhr im Claudiushof. Und: Der Kulturverein Reinfeld präsentiert Radioaktivitäten in der Alten Schule mit Richard Berkowski ab 20 Uhr. Tagebuch einer Meerfahrt und andere Texte liest Klaus-Rainer Goll am Wahl-Sonntag im Heimatmuseum, Neuer Garten 9, ab 11 Uhr.

Uwe Krog

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