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Stormarn Sie steuerte in einen sicheren Hafen
Lokales Stormarn Sie steuerte in einen sicheren Hafen
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18:15 22.06.2013
Von Kerstin Kuhlmann-Schultz
Trittau

Was sie braucht ist Druck, ganz einfach. „Dann komme ich erst so richtig in Fahrt“, lacht Kerstin Bacchus, die Frau im Vorzimmer von Trittaus Bürgermeister Walter Nussel. Sie lacht gerne, die gebürtige Oldesloerin, die über Umwege in der Amtsverwaltung von Trittau gelandet ist. Denn eigentlich, eigentlich wollte sie Krankengymnastin werden, als sie die Theodor-Mommsen-Schule in Bad Oldesloe verließ.

„Aber das wurde nichts.“ Stattdessen zog sie vier Semester durch, um Gymastiklehrerin zu werden, liebäugelte mit einer Ausbildung zur Kosmetikerin und Fußpflegerin um sich schließlich zur Fremdsprachensekretärin für Englisch und Spanisch ausbilden zu lassen. „Das war bei Colon in Hamburg“, gehen ihre Gedanken zurück — in die Zeit der Jugend, der jungen Erwachsenen. In die Zeit, in der sie in einer Hamburger Disco ihren Mann John erst kennen und kurze Zeit später lieben gelernt hat. John, den Seemann aus Guyana, vom anderen Ende der Welt, aus Südamerika. Hamburg war Johns Anlaufpunkt, hier hatte er sein Appartement. „Er ist damals für eine Hamburger Reederei gefahren.“ Mehr als 20 Jahre war ihr Mann auf den Meeren unterwegs, erst als die gemeinsame Tochter 13 Jahre alt wird, geht er an Land. Kerstin Bacchus weiß, dass „es nicht einfach war, die Seefahrt aufzugeben“.

Denn die ist etwas ganz Besonderes, davon hat auch sie profitiert: sie hat ihren Mann, der als Stewart und Koch arbeitete, oft auf den Schiffen besucht, ist so manche Seemeile mitgefahren. Zumindest, so lange ihre Tochter Nadine noch nicht zur Schule ging und zu den Großeltern konnte, „bin ich oft zugestiegen. Mal in Holland, Schweden oder auch England“. Ein, zwei Wochen war sie dann mit unterwegs, ging ihrem Mann als Smutje in der Küche zur Hand. „Das war sehr amüsant“, erinnert Bacchus sich. Auch mit der Crew, gestandenen Seemännern, auf die aber doch was Wort passt: harte Schale, weicher Kern. „Die Männer sind nicht so, wie man annimmt, aber es herrscht ein rauer Ton. Es war abenteuerlich.“

Ein rauer Ton herrscht in ihrem Vorzimmer eher nicht, dafür ist der Ausblick nicht so schön wie auf einem Schiff. „Es ist eine andere Perspektive, wenn Sie vom Meer in den Hafen reinkommen, es ist faszinierend.“ Kein Hafen in der Nähe, Kerstin Bacchus arbeitet trotzdem gerne in ihrem Trittauer Vorzimmer. „Ich bekomme eine Menge mit, das Zuarbeiten gefällt mir, ich kann vieles selbstständig machen.“ Dass sie gut organisiert ist, ist keine Frage, ihre Arbeitsweise hat sich bewährt. Bürgermeister Walter Nussel lässt ihr die freie Hand. „Hier wird es nie langweilig, stereotype Arbeiten mag ich nicht“, sagt die Sekretärin.

Bacchus ist froh, dass sie in der Amtsverwaltung gelandet ist. 1989 hat sie zum ersten Mal in die Tasten gehauen — als Angestellte im Schreibbüro. Damit fiel der lange Arbeitsweg nach Hamburg weg, „das war zu zeitintensiv“. Aus der Halbtagsstelle wurde schnell eine Ganztagsbeschäftigung — und eine Vertretung für Hannelore Herrmann, die im Vorzimmer des damaligen Bürgermeister Jochim Schoop saß. „Als Frau Herrmann in Rente ging, hat man mich gefragt, ob ich das übernehmen möchte.“ Bacchus hat nicht lange überlegt. Seitdem muss persönlich oder telefonisch an ihr vorbei, wer mit dem Bürgermeister — noch ein Jahr lang ist das Walter Nussel — sprechen möchte. Wenn dann viel los ist, der Druck steigt, na dann kommt sie eben so richtig in Fahrt.

K. Kuhlmann-Schultz

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