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Stormarn So entsteht der Oldesloer Vogel
Lokales Stormarn So entsteht der Oldesloer Vogel
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18:12 16.07.2016
Horst Lau (r.) und Klaus-Dieter Preuß mit ihrem neu gebauten und lackierten Holzvogel.

Vorsichtig streicht Klaus-Dieter Preuß (61) das verwitterte Ölpapier glatt. Wie auf einer Konstruktionszeichnung in Autoreparaturbüchern sind darauf alle Bestandteile des Holzadlers abgebildet, der kommende Woche wieder vielen Mädchen und Jungen in Bad Oldesloe beim Kindervogelschießen als Zielscheibe dient.

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Klaus-Dieter Preuß sägt und dreht die zwölf Einzelteile – Horst Lau bemalt das fertige Tier in den Landesfarben – Seit 20 Jahren.

„Wir verwenden massives Kiefernholz. Das splittert nicht so.“Klaus-Dieter Preuß, Hausmeister

Die vermutlich aus den 1930er Jahren stammende Vorlage verwendet Preuß aber nicht, wenn er die einzelnen Bauteile des Vogels an der Werkband des Oldesloer Stadtbetriebshofes dreht oder aussägt. „Ich habe mir Kopien gemacht. Das Original gehört eigentlich ins Museum“, sagt er. Den Masterplan hat der als Hausmeister bei der Stadt beschäftigte Tischler schon von seinem Vorgänger Alfred Hauke vor 22 Jahren ausgehändigt bekommen. Aus dieser Zeit stammt auch ein alter Karton, in dem früher einmal Gummibärchen verpackt waren und nun Werkzeug und Zubehör fürs Vogelbasteln aufbewahrt wird. „Der kommt nicht weg, solange ich hier arbeite“, sagt Preuß in einem nostalgischen Anflug.

45 Stunden braucht der Handwerker, um Rumpf, Schnabel, Schwingen, Schwert, Zepter und die vielen anderen kleinen Bestandteile des Holzvogels zu fertigen. Zwölf sind es an der Zahl – genau genommen sogar 14. Denn die beiden Flügel sägt Preuß kurz vor dem Wettbewerb in der Mitte etwas an. Sie sollen in zwei Hälften vom Vogel abfallen, für jeden winkt den Schülern ein Gewinn. „Zum Schluss steck ich noch die kleinen Federn an die Schwingen. Wenn sie getroffen werden beim Schießen, sind das die Trostpreise“, sagt Preuß.

Hat er seine Arbeit erledigt, kommt Horst Lau ins Spiel. „Eigentlich bin ich ja schon längst pensioniert. Aber ich lass mich immer wieder breitschlagen“, sagt der 75-Jährige schmunzelnd und zieht mit dem Pinsel die schwarzen Streifen auf dem Gefieder nach. Es ist der 20. Vogel, den er fürs Oldesloer Vogelschießen in den Farben der schleswig-holsteinischen Trikolore bemalt hat. Vor elf Jahren ging er in Rente, die Aufgabe, dem Tier das prachtvolle Dekor zu verleihen, blieb aber an ihm hängen. Wer seinen Erzählungen lauscht, merkt aber, dass er die Arbeit eigentlich immer gern verrichtet hat.

„In den ersten zwei Jahren habe ich das Muster noch freihändig aufgetragen. Das hat aber die dreifache Zeit gekostet. Seit ich mit einer Schablone arbeite, dauert es nur noch eineinhalb Tage, den Vogel zu bemalen“, erzählt Lau. Während sein Vorgänger, Dieter Ehlers, Öl- oder gar Wandfarbe nutzte, die beim täglichen Hausmeisterdienst als Beiprodukt anfiel, malt Lau ausschließlich in Acryl. „Es soll ja nicht alles runterregnen“, sagt er, fügt aber schnell hinzu: „Nächste Woche wird das Wetter aber gut. Ich nehm’ extra den Schirm mit. Das hat bisher immer geklappt.“

Ein wenig Wehmut schwingt bei Lau aber stets mit, wenn er beobachtet, wie die Schüler der achten Klassen auf den leuchtend blau-rot-weißen Vogel zielen. Dass das Tier nach ein paar Schüssen wieder hin ist, daran hat sich der Rentner schon lange gewöhnt. Es ist die Erinnerung an seine eigene Schulzeit, die noch wie ein Stachel in der Wunde sitzt. „Der Vogel stand schon recht wacklig da. Ich freute mich, ihn gleich abzuschießen. Aber nein, er stürzte bei dem Jungen vor mir runter. Hab ich mich da geärgert“, erzählt er von der verpatzen einmaligen Chance.

Der Urvogel, von dem alle nachfolgenden Modelle abgeleitet sind, steht übrigens im Keller der Klaus-Groth-Schule, wie die Hausmeister berichten. „Er ist ganz leicht – ein hohler Vogel sozusagen. Wir dagegen verwenden massives Kiefernholz. Das splittert auch nicht so“, erklärt Preuß. Er und sein Kollege Lau hoffen, dass diese massive Bauweise auch beibehalten wird. „Manch einer munkelt ja schon, dass das Vogelschießen bald am PC veranstaltet wird. Man kann nur hoffen, dass das nie wahr wird“, sagt Preuß.

Ablaufplan

Das Vogelschießen in Bad Oldesloe beginnt am Donnerstag, 21. Juli, mit einem Umzug durch die Stadt. Um 7.30 Uhr setzt sich der Tross mit dem alten Königspaar in Richtung Marktplatz in Bewegung. Dort werden der Bürgermeister, die Stadtverordneten und das Bürgerschützenpaar abgeholt. Wenn die Teilnehmer aller Schulen eingetroffen sind, wandern alle über die Hamburger Straße, Hindenburgstraße, Mühlenstraße, Lübecker Straße, Berliner Ring, Bahnhofstraße, Besttorstraße, Kirchberg, Königstraße, Schützenstraße zum Bürgerpark, wo das Vogelschießen um 10 Uhr beginnt.

Dorothea von Dahlen

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